Selbstverteidigung:
Pfefferspray statt Vertrauen
Von Annett Altvater am 6. April 2008 um 16:40 Uhr Kommentare (17)
Kategorien: Allgemein, Hier, Macht
Am hellichten Tag merkt meine Freundin plötzlich, dass sie unterlegen ist.
Ein hübsches Mädchen setzt sich in ein fast leeres Abteil der S-Bahn zwischen Potsdam und Berlin. Ein massiger junger Mann setzt sich dazu und fängt an zu reden, erzählt, wohin er fährt, will wissen, wohin sie muss. Sie sagt: “Ich hab keine Lust zu reden, ich will telefonieren.” Er insistiert, sie macht ihn darauf aufmerksam, dass sie nicht angemacht werden möchte.
Er wird sauer.
Sagt, dass sie ihm die Laune verdorben hat, dass sie eine Rassistin sei (er ist schwarz). Er rutscht immer näher, wird immer lauter. Sie steht auf, steigt, mühsam ihre Angst verbergend, über seine Beine und wandert durch das ganze lange Abteil bis hin zu einer Familie, zwischen deren Mitglieder und Gepäckstücke sie sich quetscht. Er kommt hinterher, stellt sich daneben und rächt sich mit einem Tritt an die Tür für ihre Verweigerung.
Das war mittags, und seitdem weiss meine Freundin mit einer grossen, unangenehmen Sicherheit, dass sie einem aggressiven Mann körperlich immer unterlegen wäre. Sie hat sich jetzt ein Pfefferspray gekauft, einen kläglichen Ersatz fürs verlorene Vertrauen.
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17 Kommentare
Da würde ich jeder Frau empfehlen mal einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen. Da lernt man ganz einfach Tricks, auf was man achten soll, dass frau schon gar nicht in eine gefährliche Situation kommt. Ausserdem ist es interessant auszuprobieren, wie es ist mal richtig zuzuhauen. Weil frau das nämlich meist noch nie musste, könnte sie es auch nicht, wenn es dringend notwendig wäre, das muss man trainieren. Die Reaktion des Mädchens zu anderen Leuten hinzusitzen war doch schon recht gut.
Anna
schrieb am 7. April 2008, 10:30 Uhr (Permalink zum Kommentar)Aufstehen müssen bringt vielleicht in “Sicherheit”, aber beschissen ist es trotzdem, wenn man merkt, dass man sein eigenes Verhalten von irgendwelchen Schwachköpfen bestimmen lässt, bestimmen lassen muss, um sicher zu bleiben.
Pfefferspray ist übrigens nicht so die tolle Idee - eine körperlich überlegene Person kann den in der Regel ziemlich schnell in die eigene Gewalt bringen: das wird dann schnell sehr unangenehm. Besser sind so Dinger, die eine Riesenkrach machen oder eben ein Selbstverteidigungskurs.
Annett Altvater
schrieb am 7. April 2008, 11:50 Uhr (Permalink zum Kommentar)Hallo Anna,
Ja, das mit dem Pfefferspray war auch mein Gegenargument. Die Vorstellung, dass sich die eigene Waffe gegen einen wendet, ist noch ein Angstmacher mehr…
@Sofie: ich kann mir gut vorstellen, dass Selbstverteidigung sogar Spass macht. Im Kurs jedenfalls. Du hast Recht: Ich stelle mir vor, wie ich mich klapsend wehre. Eine lächerliche Vorstellung!
Hardy Villwock
schrieb am 10. April 2008, 22:27 Uhr (Permalink zum Kommentar)Alleine den Post zu lesen läßt Zorn in mir aufkommen. Für “Laune verdorben” und “Rassist” müßte ihm die Zunge operativ entfernt werden. Ich drücke die Daumen, daß die Freundin den Nächsten irreparabel blind sprüht.
Anna
schrieb am 11. April 2008, 10:12 Uhr (Permalink zum Kommentar)Operativ Zungen entfernen zu wollen ist doch genau so überreagiert wie Gesprächsverweigerungen als Anlass für blöde Bemerkungen zu nehmen… manchen Männern fehlt offenbar das Gefühl für angemessene Reaktionen :-)
Annett Altvater
schrieb am 11. April 2008, 10:27 Uhr (Permalink zum Kommentar)Anna, ich bin ganz deiner Meinung ;-)
Marc
schrieb am 11. April 2008, 10:43 Uhr (Permalink zum Kommentar)Schade das es solche Situationen auch mitten am Tag geben kann.
Ein Pfefferspray ist allerdings, nach meiner Erfahrung, nicht immer die beste Lösung.
Wie schon erwähnt, man kann selber etwas davon abbekommen.
Gefährlicher wird es allerdings wenn der Betroffene dann “durchdreht” und Elefant im Porzellanladen spielt und dabei alles schlägt was in seine Reichweite kommt.
Hardy Villwock
schrieb am 11. April 2008, 20:06 Uhr (Permalink zum Kommentar)Liebe Anna,
welche ist die “angemessene Reaktion” auf eine “unangemessene Aktion”?
Die Freundin hatte Angst! Und jemand der sehr sensibel ist, hat in so einem Moment vielleicht sogar Todesangst!
Und wäre es einer meiner beiden Schwestern, oder noch schlimmer, meiner Mutter passiert, dann würde ich den Typen finden und ihn zum Krüppel schlagen.
Ich wünschte mir, ich könnte bewirken, daß solche Typen weder Frauen, noch Männern Angst machen können.
Annett Altvater
schrieb am 14. April 2008, 10:44 Uhr (Permalink zum Kommentar)Hardy, als Verprügler machst du Frauen doch nicht weniger Angst! Ist zwar eine irgendwie verständliche Reaktion, aber was bringts?
Christina D
schrieb am 14. April 2008, 15:47 Uhr (Permalink zum Kommentar)Gibt’s in den Berliner U- und S-Bahnen eigentlich sowas wie einen Notruf-Knopf, mit dem man den Fahrer/ die Fahrerin informiern kann? Hier in Stuttgart gibt’s das, nur musste ich den noch nie benutzen, kann also nicht sagen, wie das ausgeht. Hatte Deine Freundin drüber nachgedacht, die Polizei zu alarmieren? Mit der Hautfarbe hat man’s üblicherweise bei der Polizei nicht gerade leicht. Gerade heraus gesagt: Hier hätte man mit Hilfe des Rassismus bei der Polizei den sexistischen Typ vielleicht eine ganz ähnlich unangenehme Erfahrung machen lassen können.
Mädchen aus Potsdam
schrieb am 15. April 2008, 12:18 Uhr (Permalink zum Kommentar)Eigentlich habe ich als Frau keine Angst beim Alleinreisen, auch nicht mittags (auch nicht abends) in der Berliner S-Bahn. Doch wenn beschwörendes Reden nicht mehr hilft,selbstbewusste Ignoranz nur das Gegenteil bewirkt, brauche ich auch keinen Selbstverteidigungskurs. Je nach köperlicher Besschaffenheit und ab einer gewissen Kilogramm-Anzahl des männlichen “Gegners” würde ich wohl den Kürzeren ziehen. Das Spray griffbereit gibt Sicherheit,wäre es auch die letzte Lösung. Wenn frau von vornherein Angst hat, dass ihr die eigene Waffe zum Verhängnis wird, sollte sie natürlich die Finger davon lassen und besser den Tritt in die Kronjuwelen und ordentlich schreien üben- am netten Selbstverteidigungsausbilder.
N.Punkt
schrieb am 1. Mai 2008, 00:31 Uhr (Permalink zum Kommentar)Also ich hab die Erfahrung gemacht, dass - gerade in Großstädten - alternative Verteidigungstaktiken ( inkl. Pfefferspray) besser sind als Vertrauen. Eine Freundin wurde bis nach Hause(!) verfolgt weil sie ihn durch Worte und Abweisung nicht los geworden ist….
Als Freunde haben wir da zusammengeschmissen und ihr ein Pfefferspray für jede Tasche gekauft ;)
Jedoch bis heute nicht zur Anwendung gekommen… Irgendwie kommt man da immer zu spät….
Frank
schrieb am 24. Mai 2008, 10:16 Uhr (Permalink zum Kommentar)Pfefferspray und Cs Gas sind ideal zur Selbstverteidigung.Damit ist es sogar möglich eine ganze Gruppe aufzuhalten.Selbst wenn man einmal selber etwas vom Pfefferspray abbekommt ist es allemal besser als völlig wehrlos dazustehen und abzuwarten.Es gibt außerdem Pfeffersprays mit einen sog. ballistischen Strahl das bedeutet, auch bei Gegenwind bekommt man (Frau)nichts ab.
Bei der Anwenung oder Auswahl von Pfefferspray gibt es allerdings einiges zu beachten.Ein Selbstverteidigungskurs mit praktischer Anwendung von Reizgasen ist sicherlich von Vorteil.
Frank
schrieb am 24. Mai 2008, 10:20 Uhr (Permalink zum Kommentar)weitere Infos gibt es z.B. hier:
http://www.einsatzmittelshop.de
http://www.deinesicherheit.de
san
schrieb am 14. Juni 2008, 09:27 Uhr (Permalink zum Kommentar)Hardy, deine Reaktion ist genau so unangemessen wie das Verhalten von dem gestörten Menschen im Post.
Chris
schrieb am 3. August 2008, 17:32 Uhr (Permalink zum Kommentar)Pfefferspray ist jedenfalls besser als CS Gas, doch eigentlich stört mich der Gedanke das man (Frau) die Dose immer schnell zur Hand haben muss. Allerdings wer rennt den ganzen Tag mit einer Dose in der Hand herum. Besser wäre der Kubotan am Schlüsselbund vielleicht.
Vorallem aber ein vernüftiger Kurs wäre gut. Da sollte man (Frau) lernen wo kann ich den Angreifer wirklich weh tun und was verursacht meine Verteidigung wirklich.
Thomas Hofmann
schrieb am 7. September 2008, 19:43 Uhr (Permalink zum Kommentar)HA !!
Ich höre solche ” Vergewaltigergeschichten ” nur von Frauen, bei denen ich mir wirklich nicht vorstellen kann, dass sie guten wilden Sex praktizieren können. Immer sind es irgendwelche alternativen Schmuddelfrauen die von ” bösen Buben ” erzählen. Nie hat mir eine sexy, schlanke und attraktive Frau von solchen ” Männerschweinen und Triebtäter ” erzählt……..
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Sofie
schrieb am 6. April 2008, 19:06 Uhr (Permalink zum Kommentar)