Konsum:
Von wegen Wegwerfgesellschaft

Von am 18. März 2008 um 07:34 Uhr Kommentare (5)
Kategorien: Allgemein, Hier

Was nicht mehr funktioniert, wird weggeschmissen. Was nicht mehr modern ist, wird ersetzt. Meistens jedenfalls.

Ich will nicht behaupten, dass ich eine schlechte Konsumentin bin. Überhaupt nicht. Aber ich musste mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass eins meiner Handtücher nach 13 gemeinsamen Jahren den Geist aufgibt. Die Seiten sind so zerwirkt, dass ich neulich beim Abtrocknen ein paar Fetzen in der Hand hatte. Schade, da sind so schöne Fische drauf. Einige erkennt man schon seit sechs Jahren nicht mehr – sie wurden Opfer eines Bleichmittel-Unfalls. Das Handtuch hat mich länger durchs Leben begleitet als manches Haustier. Gut, ich mag Handtücher sowieso lieber als Haustiere.

Nach dieser Spanne ist es doch normal, dass ich es noch nicht sofort in den Müll geworfen habe. Oder?

Jetzt baumelt das faserige Teil noch an der Stange, bis ich mich dazu überwinden kann, es zu entsorgen.

Ein weiteres Beispiel: Meine sechsjährigen Winterstiefel, in denen ich mich sehr zuhause fühle. Sie sind schick und tragen sich wie Melkeimer, weil eine Nummer zu gross. Leider hat sich das Leder an der Seite von der Sohle gelöst. Der eine Schuster sagte, das sei hoffnungslos, der zweite auch, der dritte hats geklebt. Einen halben Winter hat die Reparatur sogar gehalten. Zum Glück schneit es nicht so viel. Jetzt ahne ich schon, dass den Schuhen und mir die Trennung bevorsteht. Aber vielleicht schaffen sie ja doch noch einen Winter mehr.

Dabei fällt mir auf, dass beide Habseligkeiten länger bei mir sind als eine Beziehung je dauerte. Wenn sich das Verhältnis nun umdreht, werde ich wohl alt.

Oder die Beziehungen besser.



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5 Kommentare

Hardy Villwock

Hallo Annett,
das klingt ganz schön schrullig, aber auch witzig.
Haustiere und Beziehungen. Aha! 1a Parameter!


Regula Götsch

Wunderbarer Text, gratuliere! Habe mich amüsiert und mitgefühlt :-)


Annett Altvater

Und das waren nur zwei Beispiele. Mein Kleiderschrank ist voller Relikte. Kein Wunder hab ich nie was anzuziehen…


o sorbás

warum heißt “fraulich” nicht “altvaters leben?” respekt holdes fräulein (oder madame?), sie sind ja sehr aktiv.
und woher haben sie bloß das wunderschöne wort “zerwirkt”?
; ) gruß aus münchen.


Annett Altvater

Hallo Meister Sorbas
Das wunderbare Wort «zerwirkt» habe ich mal von sehr lieben Menschen aufgeschnappt und dann den richtigen Moment abgewartet, um es zu verwenden. Ich hoffe, sie sehen es und haben Freude dran.
Einen schönen Tag
Madame Annett


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