Schamlos charmelos:
Für einen Flirt muss man eben was tun
Von Annett Altvater am 5. März 2008 um 08:13 Uhr Kommentare (3)
Kategorien: Hier, Sein
Genug von uncharmanten Männern? Keiner will flirten? Kann ja nur an dir liegen.

Auch der fliegenbewehrte James Bond (Daniel Craig) ist selten von sich aus charmant. Aber Stil hat der Mann wenigstens. (Foto Keystone / Sony)
Begegnung Nr. 1 in der Zürcher Kaufleuten-Lounge: Ich stehe mit einem Bier und einer Freundin in der Gegend herum. Ein Mann in Jeans, Hemd und Jackett fuhrwerkt mit seinem Schuh über den Fussboden. Dabei meckert er irgendwas und besieht sich zwischen seinen Bewegungen die Schuhsohle. Ich sehe ihm dabei zu. Das merkt er. Er guckt mich an und sagt:
“Scheisse, da klebt Kaugummi unter meinem Schuh.” Er hebt mir seine Sohle entgegen: “Willst dus ablecken?”
Begegnung Nr. 2 im Sol Heure in Solothurn: Ich stehe mit einem Bier und meiner Begleitung an der Bar. Ein Mensch nebendran fragt, ob er den Aschenbecher haben kann. Kann er, ich schiebe ihn rüber. Da bekomme ich auch Lust auf eine Zigarette. “Darf ich eine?” Statt zu antworten, pult er mir eine raus und überreicht sie, die Augen auf den Boden gerichtet. “Danke. Hast du auch Feuer?” “Jessesgott”, sagt er und reicht mir sein Feuerzeug rüber. Nur indem ich mich doof stelle, bringe ich ihn dazu, mir Feuer zu geben. Als ich den Barkeeper nach einem Aschenbecher frage (meinen hab ich ja verborgt), brummelt der mir eine ganze Weile etwas zu, das ich nicht verstehe. “Was?” “Hier ist Rauchverbot!”, schreit er.
Was ist denn mit den Männern nicht in Ordnung, dass die es nicht schaffen, ein bisschen charmant zu sein? Die Frage liegt auf der Hand, die Antwort leider auch: Ich bin selber schuld, weil selber absolut uncharmant. Also hab ich die letzten Tage ständig gelächelt und an meiner eigenen Freundlichkeitsoffensive gearbeitet. Und es hat funktioniert. Meine Tage sind ein einziger Flirt, mein gefühlter Attraktivitätslevel wieder auf einem gesunden Niveau. Hier sind die Gründe:
Begegnung Nr. 3 im Lampenladen: Der Verkäufer – ich schätze ihn auf 50 Jahre – jammert. “Ich hab so Rückenschmerzen. Och, das tut weh hier.” “Dann gehen Sie mal zur Massage”, schlage ich vor. “Davon wird mir schlecht”, sagt er. “Aha.” Er mustert mich. “Ja, vielleicht, wenn so kleine Hände massieren.” Zum Dank für seine subtile Flirtbereitschaft kaufe ich ihm zwei Lampen ab. Er überreicht mir die Lampen in einer Tasche und warnt: “Die muss man aber anbohren.” “Ja, das sehe ich.” “Mit Dübeln.” “Ja, was ist das Problem?” “Haben Sie eine Bohrmaschine, können Sie sowas?” Ich versuche ihn zu beruhigen, inzwischen leicht genervt. “Na, wenns nicht geht, rufen Sie mich an, dann komme ich vorbei.”
Begegnung Nr. 4 zwischen Bahnhof und zuhause: Ich gehe die Strasse lang und überhole einen Mann um die 40, der aber aussieht wie 50. “Nabend”, sagt der. “Nabend”, antworte ich. “Und, gehts gut?” “Ja, danke. Und Ihnen?” Da meint er: “Oh, nicht gut, nicht gut.” “Aha, schade.” “Gar nicht gut. Viel Arbeit.” “Ist doch gut”, muntere ich ihn auf. “Ganz viel Arbeit, Frau ist weg.” “Aha, nicht so gut.” “Muss ich selber kochen.” “Oje. Na, da lernen Sie noch was.” “Scheisst mich an, selber kochen. Muss ich machen, bis ich eine liebe Frau hab, die für mich macht.” “Na dann, schönen Abend noch.” “Tschuss.”
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3 Kommentare
Liebe Annett, wenn Du in Zürich unterwegs bist, muss ich Dir leider leider wegen den charmanten Männern beipflichten. Lustig wirds dann immer, wenn sie sich bei mir beschweren, dass alle so unfreundlich zu ihnen sind…. wenn wundert das denn! Dann gebe ich jeweils den Tipp mit der Charmoffensive und dann sind sie über das Resultat ganz erstaunt. Heute ist ja nicht mal mehr Tür aufhalten oder in den Mantel helfen im Repetoir der Männer vorhanden.
Hardy Villwock
schrieb am 5. März 2008, 22:40 Uhr (Permalink zum Kommentar)Ich denke ja mal, daß “Kaugummi” und “Lampe” in schwyzerdütsch gesprochen haben. So sind sie halt, die Naturburschen aus den Bergen.
Und hör bitte auf ständig zu lächeln.
Wolf-Dieter Roth
schrieb am 6. März 2008, 07:13 Uhr (Permalink zum Kommentar)Je nu, in Ostdeutschland ist das dank gelebter Gleichberechtigung (Frauen arbeiteten auch durchweg Vollzeit) schon seit Jahren so. Da sind alle sehr “charmant”. Was einem allerdings nicht wirklich auffällt, wenn man Bayern kennt. Hab mich immer gewundert, wenn andere sich beschweren, Ossis seien unfreundlich, und nur gesagt, ist doch nicht anders hier als bei uns. Nur Berliner sind was Spezielles, aber West wie Ost (so da heute überhaupt noch ein Unterschied ist).
Zumindest bei mir geht Flirten nur bei entspannter und guter Laune, ist sozusagen ein netter Luxus. Wer die gute Laune nicht hat, wird zum Ossi Bayer Schweizer.
Und Tür aufhalten oder in den Mantel helfen? Das haben doch die Emanzen schon vor 40 Jahren verteufelt. Obwohl sie es trotzdem gerne haben.
Freundlichkeitsoffensive? Das Wort ist ein Widerspruch in sich. Eine Offensive ist ein miltärischer Angriff.
Und nun lächel gefälligst, himmeldonnerwetternocheinmal!!!! =:-)

Sofie
schrieb am 5. März 2008, 10:06 Uhr (Permalink zum Kommentar)