Mike Oldfield:
Moonlight Shadow-Man ist zurück
Von Ulrike Ammermann am 4. März 2008 um 12:11 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Sein
Mike Oldfield ist älter geworden. Aber er macht noch immer Musik - weniger kitschige: Alter macht Weise. Oder aus Pop Klassik.

Mike Oldfield: 1993 waren die Schatten des Mondes noch relativ jung… (Foto Keystone)
Ich muss da mal ein Geständnis machen: Ich kann nicht singen. Jedenfalls nicht so, dass andere Leute es gut ertragen können, mir dabei zuzuhören. Nur wusste ich das nicht schon immer. Ich muss so dreizehn, vierzehn Jahre alt gewesen sein, da sang Maggie Reilly glockenzart Mike Oldfields “Moonlight Shadow” aus dem Radio:
“The last that ever she saw him carried away by a moonlight shadow, he passed on worried and warning carried away by a moonlight shadow lost in a riddle that Saturday night far away on the other side he was caught in the middle of a desperate fight and she couldn’t find how to push through”.

…aber auch dem Sänger Mike Oldfield sieht man 1999 ein paar Jährchen an. Zwischen den Aufnahmen liegen sechs Jahre. (Bild Keystone / Markus Schreiber)
Abendelang versuchten meine Freundin und ich das Stück nachzusingen. Weil die Melodie so schön melancholisch klang und einen wegtrug in eine andere Welt, die soviel verzauberter war als das tägliche Coolsein auf dem Schulhof. Ich höre die Melodie heute noch. Nur raus kommt sie nicht mehr. Etliche spöttische Bemerkungen später ist es zu mir durchgedrungen, dass das, was ich als Melodie im Kopf habe und das, was singenderweise aus meinem Mund kommt, nicht viel Ähnlichkeit miteinander haben.
Inzwischen ist ein bisschen Zeit vergangen, ich habe ‘ne Menge Sachen gemacht. Die Schule beendet, studiert, im Ausland gelebt, mich ver- und auch wieder entliebt, gearbeitet. Und irgendwie habe ich mich nicht mehr ganz so oft in Musik weggeträumt. Für so was war irgendwie meist keine Zeit übrig zwischen all dem Leben. Oder es gab nie die passende Musik.
Aber neulich bin ich über das neue Album von Mike Album gestolpert “Music of the Spheres”. Das kommt zum Glück ohne Kitsch-Texte über rätselhafte Kämpfe im Mondlicht und eine passive Sie aus, die heulend auf ihren Helden wartet. Dafür überrascht es mit vielen spannenden Klangwelten, die mich wieder mitnehmen in eine andere Welt. Eben noch völlig gestresst vom Einkaufstütenschleppen und dem drohenden Abgabetermin für den nächsten Artikel. Und kaum ist die CD in der Anlage, verflüchtigt sich das irgendwie. Nein, nicht, dass ich dann nicht noch immer arbeiten müsste, aber es nervt nicht mehr so.
Manchmal ist Älterwerden doch ein gute Sache: Man muss überhaupt nicht singen, wen mans nicht kann, hat sogar rausgefunden, dass das nicht schlimm ist. Und trotzdem gibt es immer wieder Sachen, die einen verzaubern können, wie die Sphären-Musik von Oldfield. Ach übrigens, gesungen wird auf dem Album auch, aber ich habe einfach nicht richtig zugehört, die Musik allein war viel schöner. Moderne Musik, die schon jetzt nach Klassik klingt.
Mike Oldfield, Music of the Spheres (Universal), 14,95 €
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2 Kommentare
Ich kann das bestätigen.Ich bin die Mutter.Vielleicht gelingt gerade noch “Happy Birthday”.Dafür kann sie aber umso besser schreiben,so dass man sich die Melodien vorstellen kann.
Stefan Heidenuck
schrieb am 5. Juli 2008, 20:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)Sollten Mütter die Fähigkeiten ihrer Töchter loben? Am Anschluß an einen ihrer Artikel? Mei, ist schon süß, oder?
Übrigens, Tochter: Warum wird im neuen Werk “zum Glück” auf kitschige Texte verzichtet?, Hättest Du, Tochter, den Moonlight Shadow auch noch gut gefunden, wenn von einer tapferen alleinerziehenden Mutter die Rede gewesen wäre? Der das Schicksal dieses duellierenden Altvorderen auf der anderen Seite des Flusses ganz egal gewesen wäre?

Gertrud Ammermann
schrieb am 9. März 2008, 12:38 Uhr (Permalink zum Kommentar)