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“Spagat” von Margrit Pfister
Immer Stress mit Mutter

Von Annett Altvater am 28. Februar 2008 um 12:42 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Allgemein, Hier, Zeit

Der Film “Spagat” über Mütter und Töchter in der Migration zeigt vor allem eines: Sie könnens nicht ohne Streit miteinander.

Spagat“Meine Kinder kommen zu mir”, sagt eine Mama. Ihre Tochter sagt: “Nein, ich erzähle ihr fast nichts mehr.” Das klingt nach der Beziehung zwischen einer pubertierenden Göre und einer Mutter, die noch nicht realisiert hat, dass sie nichts mehr zu melden hat.

Tatsächlich sind die beiden Eritreerinnen, die in der Schweiz leben. Die Mama spricht gebrochen Deutsch, die Tochter flüssigstes Schweizerdeutsch, und die beiden erzählen im Dokumentarfilm “Spagat” von Margrit Pfister über ihre Beziehung. “Spagat” zeigt, wie Mütter und Töchter in der Migration zurechtkommen – vor allem miteinander.

Das erinnert manchmal an eigene Grabenkämpfe, etwa wenn die Tochter ihren Freund lieber vor der Familie geheim hält oder wenn die Mutter darauf drängt, dass das Zimmer aufgeräumt wird.

Aber noch öfter überschneidet sich die Erfahrungswelt ganz und gar nicht mit der eigenen. Dann nämlich, wenn die albanische Emi erzählt, dass sie sich entscheiden musste zwischen der Familie, die sie zwang, mit ihrem Lieblingssport aufzuhören und der Freiheit, ein schweizerisches Leben zu führen. Halima aus Somalien berichtet von ihrer Zwangsverlobung, die allerdings ohne Folgen blieb, und Cathelyn von den Schlägereien mit ihrer Mutter. “Ich bin eine strenge Mutter”, sagt die.

Das ist alles interessant, aber manchmal auch ganz schön langfädig, wenn die Protagonistinnen Dinge erklären, die sich weit vom Thema weg bewegen. Aber wie mans auch wendet: Die Damen reden ziemlich flockig von der Leber weg – und das nicht nur völlig reflektiert, was dem Thema einige Facetten verleiht. Was bei jeder Tochter herüberkommt, ist die Schwierigkeit, ihren Integrationsvorsprung in Einklang zu bringen mit Mentalität, Kultur und Tradition der Mutter. Wobei nicht immer klar wird, ob ein Konflikt tatsächlich kulturelle Hintergründe hat oder ob er er einfach daher rührt, dass beide Frauen ihr Ego nicht in den Griff bekommen.

Den moralischen Unterton, der in den 60 Minuten davor sicher umschifft wurde, hat sich die Filmerin bis zum Schluss aufgehoben: Margrit Pfister fand wohl, dass sich Khalil Gibrans “Eure Kinder sind nicht eure Kinder“-Poesie gut als Abschluss macht, was aber ein Irrtum ist.

Für den Privatgebrauch ist die DVD nicht gedacht – dafür ist sie mit 150 bis 500 Franken Leih- beziehungsweise Kaufgebühr auch zu teuer. Zielpublikum sind Schulen und Jugendzentren. Nur gucken geht auch, jedenfalls für alle, die gerade oder immer in der Schweiz sind.

Die Vorführtermine findet man auf der Seite der Filmerin.

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