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Frauen in der Politik:
Wer ist die Schönste im Land?

Von Ulrike Ammermann am 25. Februar 2008 um 08:12 Uhr Kommentare (3)
Kategorien: Allgemein, Macht, Sein

Wie schneiden Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung ab? Nehmen wir sie auf dem Weg zur Macht genauso wahr wie ihre männlichen Konkurrenten? Warum zählt bei ihnen die Frisur mehr als das Programm?

hillary clinton by carolyn kaster
Hillary Clinton: Muss optisch Eindruck machen. (Bild Keystone/Carolyn Kaster)

Fangen wir mit Hillary an. Schließlich versucht sie nicht weniger, als die mächtigste Frau der Welt zu werden. Präsidentin, Kanzlerin, Primeministerin, Anführerinnen – das alles hat es schon vor ihr gegeben.

Gut: weibliche Machtinhaberinnen gab es längst nicht so viele wie männliche Häuptlinge, aber immerhin.

Sogar – man denke nur an Benazir Bhutto - in der islamischen Welt, der wir Frauenfeindlichkeit häufig per se unterstellen. Aber eine Frau, die das wichtigste politische Amt in der letzten verbleibenden Supermacht der Welt, den USA, erobern will - das ist immer noch neu.

Die Beobachter in den Medien beeindruckt so viel Mut zunächst mal, so scheint, es nicht weiter. Im Gegenteil. Dietmar Dath nennt Hillary Clinton in der FAZ beispielsweise “das doppelte Sansculottchen”.

Nun heißt das französische “sans culotte” übersetzt “ohne Höschen”. Gemeint war damit eine Gruppierung der Französischen Revolution, die stolz darauf war keine adligen Knickerbocker, verächtlich Höschen zu tragen. Was bedeutet das in Bezug auf Mrs. Clinton? Dass sie keine Höschen trägt? Oder, dass sie ähnlich blutrünstig auf dem Weg zur Macht agiert wie die von Robespierre angeführten Sansculotten?

Chelsea Clinton und Hillary Clinton
Chelsea, von Hillary Clinton vorgeführt wie das “beste Mädchen” eines Zuhälters? (Bild Keystone / Justin Lane)

In den USA muss sich die ehemalige First Lady ebenfalls einiges anhören. So spottet der konservative Talkmaster Rush Limbaugh angesichts von Clintons Falten, niemand wolle einer Frau beim Altern zusehen, und von einem Fernsehreporter wird ihr doch allen Ernstes vorgeworfen, sie führe ihre Tochter Chelsea im Wahlkampf vor wie ein Zuhälter sein bestes Mädchen. Was angesichts der Tatsache, dass alle Kandidaten ihre Familien mit in den Wahlkampf nehmen, grotesk wirkt. Vielen Berichterstattern in den Medien schien sie gefühlskalt und machtbewusst.

Die ersten positiven Berichte bekam sie fragwürdigerweise erst als sie am Rande eines Wahlkampauftrittes in Tränen ausbrach. Übrigens über der Frage einer Zuschauerin, wie sie mit ihrer Frisur angesichts des Wahlkampfstresses zurecht käme. Das passt dann prima ins typische Bild, schließlich gehört die Diskussion der richtigen Frisur bei weiblichen Politikern zum Standardprogramm.

Hollary Clinton Fashion Disaster - mit Chelsea
Unter anderem für dieses Kleid (Januar 1996) wurde Hilary Clinton für “Fashion Disasters” von den Medien geprügelt (Bild Keystone / Charles Tasnadi)

Immer wieder werden selbsternannte Stylingprofis von Zeitungen gefragt wie Frau Politikerin sich kleiden und frisieren sollte. Passiert Männern so gut wie nie.

Überhaupt: Die Frisuren.

Nicht nur das Haar von Frau Clinton wurde ausführlich diskutiert. Die Frisur der deutschen Bundeskanzelerin Angela Merkel wurde des öfteren als helmartig beschrieben, Familienministerin Ursula von der Leyen trug erste eine “zu mädchenhafte” Frisur mit langen zur Seite gesteckten Haaren und musste sich, nachdem sie sie hatte abschneiden lassen, als “Windhund” titulieren lassen. Wohingegen der Kurzhaarschnitt der Grünen Politikerin Renate Künast nicht weiblich genug war.

Ursula von der Leyen langhaarig. (Foto Keystone / Jockel Finck)Ursula von der Leyen: Windhund? (Foto Keystone. Michael Sohn)
Ursula von der Leyen vorher / nachher: “Windhund”? (Bilder Keystone / Jockel Fink / Michael Sohn)

Da, wo Hilllary Clinton erst noch hin möchte, ist sie schon: Angela Merkel. Die Kanzelerin hat das politisch bedeutsamste Amt der Bundesrepuplik Deutschland inne. Ihr unterstellte man lange nicht den skrupellosen Willen zur Macht sondern vielmehr die Naivität des Mädchens aus dem Osten. Aufgewachsen in der alten DDR kam sie in der Umbruchphase der deutschen Wiedervereinigung in die Politik.

CDU sucht Werber: Angela Merkel als Prinz Eisenherz
Die CDU suchte 2001 mit diesem Bild von Angela Merkel Werbefachleute. (Bild Keystone)

Kohl holte die ehemalige Pressesprecherin der letzten und einzigen frei gewählten Regierung der DDR ins Kabinett als Ministerin für Frauen und Jugend. Von da an galt sie als “Kohls Mädchen”. Später, als sie aus dem Schatten des Mentors heraustrat, beschrieb man sie als unweiblich und emotionslos. Ihrer Jugend in der DDR und dem unweiblichen Willen zur Macht verdankt sie den Titel “Die Frau, die aus der Kälte kam”, den ihr der Stern verlieh.

Als Ségolène Royal in Frankreich den Kampf um das Präsidentenamt antrat, ging es ihr nicht unbedingt besser. Auch ihr wurde weibliche Zickigkeit und Hintertriebigkeit unterstellt. Ihr Name Ségolène, so schrieben die französischen Medien, enthalte eben “Ego”, und davon habe Madame reichlich. Dass man eine gehörige Portion Selbstbewusstsein haben muss, um die politische Bühne zu betreten, davon schreiben und reden sie im Zusammhang von weiblichen Politikerkarrieren allerdings eher selten. Und dass auch ihr damaliger Konkurrent Nicholas Sarkozy nicht gerade unter zu wenig Ego leidet, fiel bei dieser Art Berichterstattung unter den Tisch.

Ségolene Royal und Nicolas Sarkozy: Kampf des Ego (Bild keystone / Maya Vidon)
Kampf der Selbstbewussten: Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal (Bild Keystone / Maya Vidon)

Eigentlich müssten die Voraussetzungen von Frauen in der Politik gut sein. Mehr als die Hälfte der Wählerschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist weiblich.

Allerdings steht der Anteil der weiblichen Politikerinnen an der Macht immer noch in keinem Verhältnis zum Anteil der Frauen an der Bevölkerung. Der liegt in allen drei Länder bei etwa 51 Prozent.

  • Im Schweizer Nationalrat sind von 200 Mitgliedern 50 Frauen, das sind exakt 25 Prozent.
  • Dem österreichischen Nationalrat gehören 183 Abgeordnete an. Von diesen sind 59 Frauen, was 32,24 % entspricht.
  • Und im deutschen Bundestag sitzen unter den 613 Abgeordneten 197 Frauen, was 31,1 % entspricht.

Was lernen wir daraus? Dass es sich für Frauen einfach nicht schickt, an die Macht zu wollen? Dass sie sich lieber mit der passenden Frisur und dem richtigen Kleid beschäftigen sollen, weil sie sonst zu unweiblich werden?

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3 Kommentare

Daniela Bühler

Wir folgern daraus, dass es Männer gibt, die die Macht nicht mit Frauen teilen wollen und sie deshalb schlecht machen. Schliesslich ist Macht ein knappes Gut, und die meisten zitierten Zeitungskommentare stammen von Männern. Frauen sollten sich aber durch solche Witzeleien nicht beirren lassen. Wer Macht will, braucht ein dickes Fell, egal ob Frau oder Mann.


Sven

Bezugnehmend auf den Einleitungssatz :

Sofern es eine bisher nicht der Öffentlichkeit zugänglichen Formel gibt, die den Zusammenhang zwischen Frisur und Programm ableiten kann, würde ich um deren Veröffentlichung bitten.

Wobei… Das Programm an sich ist ja sehr leidensfähig. Dann lieber gleich die Formel für Frisur und Linientreue oder Frisur und Umsetzungskraft.

Schon im Vorfeld herzlichen Dank. Endlich wird Deutschland wissen, welche Frisur man wählen muss.


Hardy Villwock

- Dass man eine gehörige Portion Selbstbewusstsein haben muss, um die politische Bühne zu betreten, -

Ich würde Selbstbewußtsein an dieser Stelle durch “krankhafte, zügellose Gier nach Macht” ersetzen. Das gilt selbstverständlich sowohl für die Frauen, als auch für die Männer.
Gefühlskälte und Machtbewußtsein sind unabdingbare Voraussetzungen für das Präsiden-tenamt,-tinnenamt


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