Kinderglück:
Das Tabu nach der Geburt

Von am 22. Februar 2008 um 09:39 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Hier, Sein, Zeit

Wahrscheinlich hat es mit den so lang erwarteten Sonnenstrahlen zu tun, dass sie nun wie Krokus-Köpfe aus der Erde sprießen. Momentan meint man, überall nur noch Babys, Mütter und Kinderwagen zu sehen. Und alle sind grenzenlos glücklich? Pustekuchen.

Spanische Prinzessin Cristina De Borbon mit Tüchterchen.
Man muss noch nicht mal Prinzessin sein (wie Spaniens Cristina de Borbon, hier mit Irene) um als Mutter zu lernen, dass man nach einer geburt nur glücklich zu sein hat. (Bild: Keystone / Bernat Armangue)

Vielleicht ist es auch nur eine falsche Wahrnehmung, aber ich habe das Gefühl, als gäbe es im Moment mehr Kinder, Buggys und Schwangere zu sehen als im Winter. Wahrscheinlich logisch, denn es ist ja auch wärmer und in der Sonne wunderschön, draußen einen Spaziergang zu machen. Dann sehen sie so harmonisch aus, die jungen Familien, frischgebackenen Väter oder Freundinnen mit vollbepackten Gefährten. Das sagte ich zu meiner Freundin Anna, die gerade ihr zweites Kind bekommen hat.

Okay, es war vielleicht noch zu früh nach der Geburt, acht Tage. aber ich musste fragen, denn sie ist die erste mir wirklich nahe Freundin, bei der man sich auch “einfache”, für Mütter immer selbstverständliche Fragen zu stellen traut.

Geburtsfragen ohne Antwort

Meine Verwunderung nach dem Antrittsbesuch wollte gar kein Ende nehmen, denn es war alles so anders als erwartet! Vor allem nicht diese absolute Begeisterung, die ich sonst kenne, wenn Frauen ihre kleinen Schätze stolz vorführen, über sie sprechen und erwartungsvoll anpreisen, welchen Entwicklungsschritt es nun zu kommentieren gibt.

Nein, Anna, war eher nicht so hormongeladen happy. Noch nicht, wahrscheinlich. Wie gesagt, so kurz nach der Geburt, die erste, die ich befragen konnte. Die Antworten waren allerdings eher kurz und knapp auf Fragen wie “Tat es nun weh?”, “Wie fühlt sich das jetzt an?” oder “Kannst Du Dein Glück beschreiben?”. Zwei Stücke Kuchen und viele Tassen Tee später redete Anna Klartext: Das gerade geborene Kind war ihre erste “richtige” Geburt nach einem Kaiserschnitt. Alles sei schon ganz toll, aber eine Sache, die wollte sie mir, der das alles noch bevorstehe einmal mitteilen: “Die Geburt ist natürlich schmerzvoll, aber das ist schon okay, du wirst durch dein Kind millionenmal entschädigt. Nur eines sagt dir niemand zuvor: Dass du auch hinterher noch richtig lang, richtig fiese Schmerzen hast!”

Schwangerschaftstabus

Klar, keine Geburt gleicht der nächsten, aber bei Anna hatte ich echt das Gefühl, dass sie auch sauer darauf war, sich allein gelassen fühlte. Erst der Bauch, dann zum Ende hin schläft man schlecht, dann die Geburt – dann müsste es doch mal reichen, oder? “Dachte ich eben auch,” sagt Anna und streichelt das kleine Wesen an ihrer Schulter “aber jetzt hat mir der Arzt mitgeteilt, dass es wohl noch so sechs Wochen dauern wird, bis alles wieder verheilt ist und nicht mehr schmerzt.” Es ist wie ein Tabuthema, als Frau muss man – hat man – glücklich und fröhlich und fidel zu sein, wenn man gerade ein Kind bekommen hat – anscheinend. “So ein Quatsch, wenn ich nicht länger als zehn Minuten stehen kann, dann ist mein Glück ja wohl erheblich eingeschränkt, oder nicht?”

Ich stimme ihr natürlich zu, als Nicht-Mutter kann ich mir in diesem ganzen Komplex allerdings kein Urteil erlauben. Meine Unterstützung äußere ich in Zuhören und versuche zu verstehen, aber wenn man es nicht selbst erlebt hat, dann kommt man bei manchen Dingen einfach nicht mit.

Dennoch: gut zu wissen, dass es auch bei diesem Thema anscheinend noch tabuisierte Bereiche gibt, auch, wenn ich nicht weiß, was ich mit diesen Informationen eigentlich anfangen soll… Augen zudrücken und etwas wegschieben, sonst wächst meine Angst vor dem Kinderkriegen vielleicht noch mehr….?



Vorheriger / nächster Artikel

<< >>


Kommentarfunktion ist deaktiviert

Leseservice

Kontakt

RSS-Feed, was ist das? Artikel 1x täglich per Mail:

E-Mail-Adresse eingeben:

Unsere Blogs

Über Blogwerk