Bruce Darnell:
Neue Stylingshow
mit Therapieansätzen

Von Camilla John am 15. Februar 2008 um 07:01 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Jetzt, Schein, Status, Über

Bruce Darnell ist eben in seine neue Stylingshow gestartet. Gepriesen und beworben hatte die ARD ihren Mann für den frischen Wind, der auch mal wieder unter Sechzigjährige in die Quoten des Ersten locken sollte. Alles klang so vielversprechend, anders sollte die Sendung werden. Hat’s geklappt?

Bruce Darnell und Christina K.
Bruce Darnell und Christina K. (Bild Keystone/ARD/Dirk Borm)

Gerne würde man sagen, dass es wunderbar war, innovativ und erfrischend, denn Bruce ist jemand, für den man Sympathien hegen darf, kann und vielleicht auch muss. Leider war die Show lahm, abgekühlt und nichts wirklich Neues:

Ein eigentlich hübsches Mädchen, gestern hieß sie Christina, 22, Studentin der Wirtschaft, fand sich einfach nicht toll. Unter der psychischen Last des angeblich zu kleinen Busens konnte sie nicht glücklich leben. Bruce sollte helfen. Tat er auch. Mit dem einzigen Mittel, was in den anderen huntertausend Vorgänger-Styling-Verwandlungs-Vorher-Nachher-Formaten noch nicht in diesem Maße eingesetzt wurde: Bruce weinte schon nach vier Sendeminuten.

 

Alleinstellungsmerkmal: Tränen, die von Herzen kommen

Natürlich zusammen mit Christina, die er in sein kühles minimalistisch eingerichtetes Loft eingeladen hatte: “Nur deine Harz (Anm.: Herz) ist wichtig!” erklärte der Fashion-Profi, der seine Kandidatin davon überzeugen wollte, dass nur die inneren Werte zählen. Eine “Versprechung” mussten Mutter und Tochter dann auch gleich noch abgeben: keine Brust-Vergrößerung. Okay!

Bruce Darnell, Model-Trainer“Es geht nicht um deine Oberweite, es geht um Dich!” analysiert der 51-Jährige weiter. Damit hatte Bruce nach gefühlten 13 Sendeminuten Christinas Psyche gereinigt, sie von langjährigen Komplexen befreit. Ach ja, es wurden auch noch Modezeitschriften fanatisch durch die Luft geschmissen, ausgelassen getanzt und der Laufsteg Catwalk im Bikini eingeweiht.

Motto: “Christina-Baby, du brauchst Spaß!” Mensch, manchmal ist alles viel einfacher, als man so denkt!

Dann konnte es ja losgehen. Womit? Naja, klar, mit Shopping, Styling, Schminking! Dafür standen die verständnisvollen, extrem erblondeten Profis Katja und Anna bereit, die zuvor im Viererkreis dabei waren, als die Tränen der Erleichterung liefen.

The same procedure as in every show

Weiter ging’s wie schon zu oft gesehen: neue Unterwäsche (mit und ohne Gelpads!), neues Make up (Augen leuchteten in angesagtem Schwarz, unbedingt jeden Tag so tragen, wenn man auf eventuelle Sterbefälle im näheren Umfeld angesprochen werden möchte), neue Klamotten (zwar noch ein bisschen kalt für Shorts und Kleider - sah aber sehr schön aus), neue Frisur (die neu geschminkten Augen verschwanden leider unter dem neu geschnittenen Pony). Hey, Christina, auch, wenn Du so nicht auf die Straße kannst - bei Heidis “Germany’s next Topmodel” hättest Du jetzt eine Chance - aber nein, das konnte nicht das Ziel sein, da macht der Bruce ja gar nicht mehr mit…

Während der Show foderte Bruce von seinen Blondinen, er wolle “eine Skandal”, wenn er die gestylte Christina sähe. Den hat er nicht bekommen. Vielleicht auch besser so.

Punkte sammeln kann Bruce eigentlich nur mit sich selbst. Trotz aller Langeweile freut man sich über seine charmante Aussprache und nimmt ihm die vielen, vielen Tränen ab. Aber leider zählt eben - wie fast überall - der Inhalt! Dennoch: Guter Durchschnitt hat schon mancher Sendung eine jahrelange Daseinsberechtigung verschafft.

Keep on crying, Bruce!



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2 Kommentare

Nathalie Sassine

auch auf http://www.rabenmutter.ch zu finden.


[...] Welt Online) Leider war die Show lahm, abgekühlt und nichts wirklich Neues. (Camilla John, fraulich.com) … eine ganz schlechte Neuauflage von Aschenputtel. (Carsten Matthäus, sueddeutsche.de) [...]


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