Schneeflug mit der besten Freundin
Design und Wohlsein in den Alpen
Von Ulrike Ammermann am 10. Februar 2008 um 22:03 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Sein
Dreckswetter? Na dann raus ein Wochenende lang, ab in die Alpen. Bei den aktuellen Billigflügen ist das problemlos machbar.

Aus dem nördlichen Regen in die wohlige Cheminée-Atmosphäre eines Alpenhotels. (Bild PR)
In Hamburg haben wir gerade Schmuddelwetter, nass, nicht wirklich kalt, aber auch nicht warm – irgendwie unwinterlich. Wie gut, dass ich noch ein bisschen Urlaub vom alten Jahr über habe und das hiesige Grau gegen Schneeweiß eintauschen kann. Gemeinsam mit meiner Freundin Daniela beschließe ich ein verlängertes Wochenende in den Bergen zu verbringen, um dem Januar doch noch ein bisschen Winter abzutrotzen. Seit HLX dreimal wöchentlich von Hamburg aus Salzburg anfliegt, bin ich meinem Traum von winterlichen Skipisten entscheidend näher.
Eine gute Stunde Flug, und schon stehen wir in der Mozart-Stadt Salzburg. Von dort fahren wir noch mal ein Stündchen mit dem Hotelbus in das kleine Örtchen Zell am See im österreichischen Pinzgau. Schon von der Straße aus spähen wir sehnsüchtig hinauf zu den Bergen. Ha! Drei volle Tage Pistenflitzen, ich kanns kaum erwarten.
Kein röhrender Hirsch
Die eigentliche Überraschung aber ist das Hotel Mavida. Schon in der Eingangshalle wirkt alles so … gelassen. Schlichter mattglänzender Travertin auf dem Boden, ein einfacher massiver Holztisch mit einem unauffälligen Computer drauf – das ist schon die ganze Rezeption.
Kein rotweiß-kariertert Kitsch, kein Trallala, keine Hirsche vor Waldlandschaft. Nix erinnert an die lärmiger Geschmacklosigkeit so mancher Après-Ski-Location in Österreich. Kurze Zeit später machen es schon wir uns schon in unserer Mini-Suite vor dem Kamin bequem. Und planen die nächsten Tage.
So ein Toni muss her
Okay, so ein Toni muss her. Um mich wieder sicher auf den Brettern zu fühlen, brauche ich einen richtige Skilehrer Bei aller Liebe der kichernde Spott einer Freundin, und sei es auch die beste, ist da nicht die richtige Unterstützung. Es ist schließlich ein gutes Jahr her, dass ich zum letzten Mal Ski fahren war. Wir entscheiden uns für einen Ganztageskurs zu zweit. Das muss reichen, wir haben ja nicht ewig Zeit.
Eigentlich ist es ja Quatsch, wenn wir nachher dem Wellness-Bereich einen ersten Besuch abstatten wollen, aber ich muss sie einfach auzuprobieren. Unsere Suite hat nämlich ein offenes Badezimmer mit einer freistehenden Wanne. Dem kann ich nicht wiederstehen. Draußen wird es schon dunkel. Deshalb nutzen wir den den frühen Abend für einen ersten Besuch des Wellness-Bereichs.
Auch im Spabereich ist alles erfrischend kitschfrei. Ich drehe ein paar Runden im kleinen Hotelpool um mich anschließend dem heißkalten Saunavergnügen hinzugeben. Später kann ich mich kaum erinnern, wie ich ins Bett gekommen bin. Ich sinke nur noch in die Kissen und träume von zart duftenden Almwiesen. Muss wohl am Käuterkissen gelegen haben.
Hinfallen, aufrappeln, hinfallen…
Am nächsten Morgen ist von all dem seeligen Nichstun allerdings nicht mehr viel übrig. Entschlossen stapfen wir hinter dem sonnengebräunten Skilehrer her, die Skier über der Schulter. Entspannter wird es allerdings auch nicht, als wir endlich auf den Brettern stehen. Ich hatte vollkommen verdrängt, wie wacklig und rutschig das Ganze ist. Ein Vormittag Links- und Rechts-Schwünge, Hinfallen und Aufrappeln liegt vor uns. Danach wirds besser. Nachmittags gleiten wir Skilehrer Thomas einigermaßen elegant hinterher.
Die beiden folgenden Tage erobern wir einige rote und sogar eine schwarze Pisten der beiden Hausberge Schmittenhöhe und Kitzsteinhorn. Wie gut, dass wir uns schon von Hamburg aus im Spabereich des Hotels angemeldet hatten. So konnten wir uns abends die Verspannungen weg massieren lassen, bevor wir noch mal was essen gegangen sind.
Rutschige Nostalgie
“Wie um alles in der Welt soll ich bloß in Wollrock und Schnürstiefeln den Berg runterkommen? Und dann noch diese Bindungen. Ohgottogoot.” Daniela verweifelt langsam an unserem Verstand. Wir haben uns zum Nostalgierennen angemeldet. Mit alten Skiern von annodazumahl in einem kleinen Rennen antreten. Das hatten wir uns gestern noch ganz witzig vorgestellt. Seit wir das gesamte Outfit gesehen haben, macht uns das Ganze irgendwie nervös. Bereits zum dritten Mal versuche ich die Skibindung zuzubekommen. Jedes Mal, wenn ich denke, jetzt ist es endlich eingehakt und mich aufrichte, merke ich von neuem, dass das Teil bei der ersten Gewichtsverlagerung wieder aufgehen wird. Es ist zum Mäusemelken.
Okay, der Hang sieht nicht allzu schwierig aus. Aber mit diesen Holz-Hindernissen an den Füßen? Es kommt, wies kommen muss. Gleich mit dem ersten Schwung verwickle ich mich ungeschickt in dem schweren Wollrock und lande erstmal auf dem Hosenboden. Da die anderen in der Mehrzahl aber auch nicht durch allzu viel Geschicklichkeit bestechen, schaffen wir es auf den repektable vierten und siebten Platz. Was mir einen Tusch von der traditionellen Blaskapelle und eine Medaille aus “echten” Metall einbringt.
Tipps und Tricks für Skihasen:
1. Unbedingt ein Wellnesshotel buchen – erst eine Massage oder eine duftende Aromapackung machen die Erholung perfekt
2. Ein Skigebiet wählen, in dem man in die Höhe ausweichen kann, wenn der Schnee auf sich warten lässt – der Klimawandel lässt grüßen
3. Das Hotel muss nicht mitten im Ort liegen - sonst droht der Aprés Ski-Krach direkt vor der eigenen Nase
4. Lieber einen Tag weniger fahren, dafür ein bisschen mehr Hotelluxus – nach einem anstrengenden Tag auf den Skiern, sind ein schönes Badezimmer und ein großzügiges Bett Gold wert
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