Fitness-Wahnsinn:
Kleider machen (rote) Leute
Von Camilla John am 9. Februar 2008 um 10:12 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Hier, Schein
“Kleider machen Leute”, ja, das wissen wir nun schon seit Gottfried Kellers Novelle. Und das Credo des Titels von 1866 bewahrheitet sich noch heute.
Immer wieder im Fernsehen, wenn sogenannte Promis der F-Kategorie plötzlich schön geschmückt im Designer-Fummel über rote Teppiche spazieren. Wunderbar anzusehen sind auch die Verwandlungen kindlicher Normalos in den talentfreien Sing-, Tanz-Talentshows: Plötzlich passt Pummel Lisa in Größe 34, hat den modischen Katie-Holmes-Bob und kaut nicht mehr an den Fingernägeln.
Ein Fortschritt, meint sie zu wissen. Doch Kleider machen eben Leute, nichts sonst.
Das wurde mir im letzten Step-Aerobic-Kurs mal wieder bewusst. Mein unlauterer Schokoladen-Konsum (an anderer Stelle ausführlicher beschreiben) treibt mich des Öfteren in diese heiligen Hallen der Muskelstärkung und Fettverbrennung. So weit so gut, ich gehe da ziemlich gerne hin. Habe Spaß bei Power-Walk, Side-Step und Slide-Out.
Stehe in der Mitte der Sportlichen und fühle mich dort ganz wohl, denn auch in Fitness-Klassen gibt es ungeschrieben Gesetze, eines: Wer supergut ist, steht vorne neben dem Dozenten, ganz hinten die Neuen, mittig die gut-Mitkommenden. In meinem letzten Kurs reihten sich gerade alle auf, gekleidet in gedeckte Farbtöne, Wasserflaschen an den Rand gestellt, es kann losgehen!
Lady in Red
Nein, stopp, eine stürmt noch herein. Selbstbewusst wird sich in Reihe 1 plaziert. Okay, die muss die Choreografie wohl kennen, denke ich. Steht nicht nur vorne (verdeckt mich im Spiegel! Danke nochmal dafür!), sondern sieht auch optisch ziemlich Step-Aerobic-affin aus: komplett in enges Rot geschnürt, erinnert zwar an Ketchup, aber man will ja nicht kleinlich sein. Dann geht’s los. Hoch auf den Step, herunter, drum herum, nein, zurück, falsche Seite, draufspringen, drüberspringen. Klappt soweit, die Kombi ist auch nicht allzu schwer.
Doch eine hat Probleme, ja, wer wohl? Die Lady in Red! Problem wenn man ganz vorne steht: abschauen ist ziemlich schwer…Da hoppelt sie also grundsätzlich IMMER in die entgegengesetzte Richtung, prallt an die Hinterfrau.
Und wieder war’s die falsche Seite
Langsam scheint sie zu merken, dass es im Sport um Sport geht, nicht um Styling, denn das hilft in solchen Situationen einfach nicht sehr viel. Sorry, rote Frau. “Sorry”, das agt sie auch dauernd beim Aufprallen zu den anderen Stepperinnen. Vielleicht war es einfach nicht ihr Tag. Oder nicht der richtige Kurs. Oder sie trug die falsche Farbe. Eins haben die Querschlägerin und ich allerdings gegen Ende von Rauls Super-Kurs gemein: einen extrem roten Kopf.
Um mit Gottfried Keller zu sprechen: Kleider machen Leute, aber keine Sport-Asse!
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