Auf den Hund gekommen:
“Fuck you” und ein Satz Zähne

Von am 28. Januar 2008 um 08:10 Uhr Kommentare (4)
Kategorien: Hier, Ich, Sein

Hunde gelten als des Menschen beste Freunde. Manche sinds, aber so manches “Frauchen” ist es nicht.

Emma, der Mops Hund süss herzig lieblich pug dog
Wenn Mops Emma nicht so süss wäre… (© Ryan KC Wong / iStockphoto)

„Heute Mittag bringe ich „Emma“ mit zum Essen?“, sagte meine Tochter leicht provokativ, wie es besonders dann so ihre Art war, wenn klar war, dass ich keine Chance mehr hatte, mich irgendwie gegen sie und ihre Entschlüsse zur Wehr zu setzen.

Nein, ein Mädchen mit dem Namen „Emma“ erinnerte ich weder unter ihren Freundinnen noch unter den Mitschülerinnen. – “Emma“ ist doch der Mops meiner Deutschlehrerin!“ „Ach, …“, sagte ich nachdenklich. „“Emma“ ist ein Hund.“ „Nein, „Emma“ ist „Emma“! Übringens, ist „Emma“ auf Diät. Also, koch nicht zu viel.“ So, so ein Mops auf Diät.

Nun war ich aber gespannt auf diese Hundedame.

Als „Emma“ die Wohnung betrat, war ich beeindruckt, wie selbstbewusst sie auftrat. Es war geradeso, als ob wir uns wiedersehen würden und nicht so, dass just in diesem Augenblick unsere aller erste Begegnung stattfand. „Emma“ war cremefarben mit einer schwarzen Maske, und auch ich musste zugeben, dass ihr Verhalten nichts Hündisches hatte. Ihre Krallen klopften aufs Parkett, sie rutschte ziemlich elendig auf der zu glatten Unterfläche, wo sie keinen richtigen Halt fand, aber sie hielt sich souverän.

Gut, „Emma“ war leicht rundlich, aber derart liebreizend, dass der kleine Speckrand bedeutungslos schien. „Emma“ hatte sofort meine Position im Haus durchschaut, wich mir nicht mehr von der Seite und schien umgehend ihren Tribut zu verlangen. Ich beeilte mich, den hungrigen Gast zufrieden zu stellen und servierte ihr eine mittelgroße Portion Pasta mit Fleischsauce. O, mein Gott, die folgende Szene werde ich niemals in meinem Leben mehr vergessen, und vor lauter Erstaunen kam ich nicht auf die Idee, sie irgendwie per Foto oder Video festzuhalten. Der Begriff „Schlingen“ hatte nun dank „Emma“ eine absolut neue, dimensionierende Bedeutung für mich bekommen, die jeden Zeitraffer in den Schatten stellte. Zum Glück kam meine Tochter herein – „Emma“ hatte keine Chance, einen Nachschlag von mir zu erpressen, den ich ihr ganz bestimmt nicht verwehrt hätte.

Später, beim Einkaufen – ich hatte wohl meinen Fokus immer noch besonders auf bellende Vierbeiner spezialisiert – beobachtete ich ein besonderes Exemplar von Hund. Der Cockerspaniel war derart hässlich, das er mein Herz anrührte: schmutzigweiß mit caramel-farbenen Sprenkeln, die über sein ganzes Fell verteilt waren. Beide Ohren waren in diesem uni-hellbraunen Farbton, und sein ansonsten ziemlich helles Gesicht war wild mit bizarren, bräunlichen Farbspritzern übersät wie mit einem Ekzem. Zudem war sein Gesichtsausdruck durch eine momentane Angst, die ihn am gesamten schlanken Körper erzittern und schlottern ließ, geradezu dämlich.

Ihm schien klar zu sein, dass er gleich mutterseelenallein vor der Ladentür zurückbleiben musste. Sein Frauchen war eine mittelalte, mittelblonde, ordentlich-bürgerlich-gekleidete Dame mit Kurzhaarfrisur. Alle beruhigenden, besänftigenden Worte des Frauchens halfen nicht, der kleine Köter war völlig neben der Spur.

Nach meinem Einkauf, beim Verlassen des Geschäftes, hörte ich bereits vor dem Durchschreiten der Automatiktüre ein hysterisches Gekläff. Ein wenig wunderte ich mich über die kräftige Stimme des Spaniels. Dieses volle, runde Volumen … Nein, ein solches Organ hätte ich diesem zarten Geschöpf beileibe niemals zugetraut.

Umso tiefer durchdrang mich der Schrecken, als ich in das gefletschte Maul eines muskelbepackten Rottweilers blickte. Ich zuckte unwillkürlich zusammen und beschloss, mir erst noch einen Kaffee im Stehimbiss zu gönnen, bevor ich wagen würde, an dieser dunklen Gestalt vorbeizukommen. Da ich als Kind wegen meiner wilden Vernarrtheit in nahezu jeden Hund mehrfach in Kontakt mit reißenden Hundzähnen gekommen war, war ich heute, älter und weiser, etwas vorsichtiger geworden.

Ich legte also meine Ohren mehr oder weniger vor der Türe ab und wartete darauf, dass das Gezeter endlich ein Ende nehmen würde. Da, endlich verstummte wie durch einen Zauber das Bellen. Ich stand schon mächtig unter Zeitdruck und musste dringend heim. Den Kaffee ließ ich kurzerhand stehen, ergriff meine Sachen und rannte durch die Tür. Wieder war auch dieses Frauchen in der Hocke, schimpfte sanft mit dem Kläffer und löste die Leine vom Halsband. Ich erstarrte. Der Rottweiler ging Schwanz wedeln auf und ab. Die Gestalt in der Hocke hatte eine blondierte Punkfrisur und trug eine Jeansweste mit allerlei aufgenähten Sprüchen. Ich starrte auf den Satz, der direkt auf dem Gesäß prangte: „Fuck you!“

Sie griff endlich nach dem Hundehalsband, leinte den Riesen an und erhob sich. In diesem Moment blickte ich in ein ziemlich verlebtes Gesicht. Sie war keine Frau.

Mit trippelnden Schrittchen eilte der Typ neben seinem vor Kraft strotzenden Bello davon.



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4 Kommentare

Christian

Salve

Mit dem ferngesteuerten Wischlappen angefangen, über den Fussabtreter zur edlen Rasse der Rottweiler… und genau dort beginnt die Angst weil Vorurteile geschürt werden… Gross, schwarz und laut. Hmm ich weiss jetzt, wieso viele Leute vor Ausländern Angst haben ;)

http://meinungsfreiheit.li/2008/01/29/lego-wird-100jahre-alt/

Aber liebe Schreiberin, ich lade Dich gerne mal ein, unseren Kampfschmuser kennenzulernen… Du wirst sie nicht mehr losbekommen. Einmal gestreichelt für immer eine Freundin.

Gruss aus der Schweiz
Christian


Christian

ups… da ist etwas mit der Blockqoute falsch gelaufen… evtl. könntest Du den Link rausnehmen und diesen Satz einfügen?

Umso tiefer durchdrang mich der Schrecken, als ich in das gefletschte Maul eines muskelbepackten Rottweilers blickte. Ich zuckte unwillkürlich zusammen und beschloss

Sorry ;)

Christian


Dorothee Vohl

Danke, Christian, für die Einladung. Ich vermute mal, dass sie ehrlich gemeint war und du mich nicht als Abendbrot für deinen besten Freund vorgesehen hattest. Aber, ich habe bereits Erfahrungen mit dieser Hunderasse gemacht und nehme daher Abstand, sowohl von deiner Offerte als auch von Rottweilern.

Falls du jetzt wieder mit Rassismus anfängst, kann ich nur sagen, da bist du schief gewickelt, bzw. hast eventuell eine Kindheit ohne Hunde-Traumata hinter dir.


Christian

Salve

Nein, ich komme nicht mit Rassismus. Ich habe auch meine Erfahrungen gemacht mit Hunden, glücklicherweise meist positiv. Ich verstehe die Aengste, die Menschen vor Hunden haben können und versuche darauf zu reagieren. Aber ich konnte auch schon zwei Menschen vor der Angst von Hunden “kurieren” resp. ihnen wenigstens einen Teil der Angst nehmen.

Die Einladung gilt ;) ehrlicherweise!

Gruss
Christian


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