Anbaggern
Mutter, Kind und Zugbekanntschaft
Von Annett Altvater am 25. Januar 2008 um 11:12 Uhr Kommentare (6)
Kategorien: Allgemein, Hier
Nette Unterhaltungen im Zug haben die anderen. Sind die zum Baggern da oder ist denen langweilig?
Im Zug nach München. Eine Risikoschwangerschafts-Mutter in ihren guten Dreissigern sitzt mit ihrem schlafenden Sohn auf dem Bauch am Fenster. Stundenlang absolute Stille. Nach drei Stunden kommt ein Mann um die 50 auf dem Weg zum Klo an ihrem Platz vorbei. “Den hört man ja gar nicht.”
“Er hat sehr lange geschlafen”, sagt sie.
“Wie alt ist er denn?” – «Zehn Monate.” – “Soll ich ihn mal halten?”, fragt der Graumelierte. Und hat ihn auch sofort auf dem Arm. Die drei lachen und scherzen wie eine kleine Familie und kriegen sich gar nicht mehr ein, wenn der Kleine Faxen macht und mit den Armen wedelt.
“Ist es das erste?”, fragt er. – “Ja.”
“Aber Sie wollen schon noch eins, hab ich Recht.” – “Ja, aber mein Freund hat schon zwei Kinder. Wenn die beiden nicht da wären, dann schon.” – “Mmh.”
Weiter wird über den Aufenthaltsort der Frau in München geredet (bei Freunden), die Herkunft ihres Freundes erörtert (aus Südamerika, alles etwas kompliziert) und Kinder-Entwicklungsstufen (er kennt sich aus, wahrscheinlich haben seine Kinder inzwischen die Uni beendet).
Nach einer gefühlten Stunde voller intimer Dialoge und Baby-Geschäkere geht er an seinen Platz zurück. Er macht einen Regiefehler und geht nicht wenigstens zum Schein noch aufs Klo.
Was daran so aufregend ist?
Der Herr interessiert sich von sich aus und freiwillig für ein genfremdes Baby und dessen Mutter. Dieses Ereignis habe ich zum ersten Mal live mitverfolgt. Normalerweise kommen Frauen über ihre Kinder miteinander ins Quatschen. Und die jungen Familienpapis. Und weil ich diese Unterhaltung so seltsam fand, unterstelle ich dem Mann, dass er sich vor allem für die blonden Haare und die Milchbrüste der Mama interessiert hat und sich nur knapp beherrschen konnte, ihr nicht die Vaterschaft und eine glückliche kleine Familie mit weiteren Nachkommen anzubieten.
Wie gemein. Bestimmt tat ihm der Hintern vom Sitzen genauso weh wie mir und er wollte sich nur etwas bewegen. Sicher tue ich ihm Unrecht mit meiner Bagger-Unterstellung.
Denn rate mal: Als ich mich an dem Koffer der Mama abmühte, um ihn auf den Bahnsteig zu wuchten, war der Kinderfreund leider nicht mehr zu sehen.
Vorheriger / nächster Artikel
|
<< Bullsballs: “Fritz” ist out. Baumelnde Hoden sind in. |
Breathwalk, Budokon und Floating: Neue Wellness-Trends >> |
6 Kommentare
Kleinkinder in ihrer Unschuld, mit dem neugierigen Blick in die Welt und dem einmaligen Kleinkindgeruch nach Penatencreme und Puder sind einfach wunderbar und rühren jeden älteren Mann an.
Ein schönes Nebenprodukt der Emanzipation, und daß die Mutter den Koffer alleintragen darf ebenso. Wenn auch ein weniger schönes.
Peter Hogenkamp
schrieb am 27. Januar 2008, 08:45 Uhr (Permalink zum Kommentar)Ich glaube, es stimmt beides: Das mit dem Penaten-Geruch, aber auch, dass es über ein Kind prima einfach ist, mit der Mutter ins Gespräch zu kommen. Mit dem Vater hätte er vielleicht auch kurz das Kind begutachtet, aber sicher nicht die weitere Nachwuchsplanung diskutiert.
verena
schrieb am 30. Januar 2008, 16:12 Uhr (Permalink zum Kommentar)klar ist es leichter eine lady anzuquatschen, wenn sie so ein kleines süßes baby im arm hält, da geht der gesprächsstoff für ‘nen small talk nicht so schnell aus. aber mal ganz ehrlich, als typ würde die mamas nicht anflirten – sehr wahrscheinlich das sie schon vergeben ist…!?
Katze
schrieb am 29. Februar 2008, 16:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)Nach einer amerikanischen Untersuchung sind es eher die Frauen, die durch den Geruch stillender Mütter sexuell gereuzt werden. Die vorläufige Erklärung: Wenn andere Frauen frischen Nachwuchs haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß man selbst auch den Nachwuchs durchkriegt.
Zu Männern hat die Untersuchung leider nichts ausgesagt. Aber vielleicht gehts den Männern ja ähnlich und Du liegst nicht völlig daneben, such mal im Internet nach dem Stichwort “Erotische Laktation”…
Annett Altvater
schrieb am 29. Februar 2008, 17:06 Uhr (Permalink zum Kommentar)Erotische Laktation : Bäx. Zumal Muttermilch doch so nach Essen schmeckt. Also im schlimmsten Fall nach Brokkoli und Hustentropfen. Schwer nachzuvollziehen, dass das anspitzend sein soll…
Jens
schrieb am 28. März 2008, 13:41 Uhr (Permalink zum Kommentar)Bäx?!
:-)))))
Zumindest bei meiner eigenen Frau sehe ich das völlig anders. Wenns soweit ist, werde ich mir das definitiv nicht entgehen lassen. In sofern …doch … “anspitzend” wäre bei mir wohl zutreffend formuliert. Bei fremden Frauen wärs allerdings eine ganz andere Frage und wenn ein Kind gestillt wird, löst das bei mir sowieso eher “niedlich”-Gefühle aus, aber definitiv keine sexuelle Erregung. Aber um auf das Thema zurückzukommen: Einen kurzen neugierigen Blick kann ich nicht unterdrücken, wenn ich eine stillende Frau sehe. Keine Ahnung, obs daran liegt, daß ich selber langsam aber sicher Kinder will, aber mindestens ein sehr ästhetischer Anblick war das für mich schon immer. Aber rumbaggern … also ich meine, man betritt doch ein Revier, das gut sichtbar bereits besetzt ist?!

Hardy Villwock
schrieb am 25. Januar 2008, 19:57 Uhr (Permalink zum Kommentar)