Verliebt, verlobt, verheiratet?
Über ein Missverständnis
Von Ulrike Ammermann am 20. Januar 2008 um 22:05 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Sein
Ob Carla Bruni und Nicolas Sarkozy drei Monate nach der Scheidung vom Herrn Präsidenten geheiratet haben, ist noch unklar. Klar ist aber, dass solche Blitz-Heiraten in Promi-Kreisen im Trend liegen. Ein Erklärungsversuch.
Auch wenn wir Normalsterblichen uns vielleicht über das Tempo wundern mögen, damit liegt der französische Staatspräsident voll im Trend. Zumindest im von Sarkozy so bewunderten Amerika, in Hollywood ist es gang und gäbe: Das Blitzverloben und Blitzheiraten. Das Blitzscheiden allerdings auch.
Gerade mal zwei Wochen hielt zum Beispiel die letze Ehe von Schauspieler Eddie Murphy. Am 17. Januar gab er bekannt, dass er und Tracey Edmonds „nach langen Überlegungen und Diskussionen“ gemeinsam entschieden hätten, auf das Leben als Ehepaar zu verzichten.
Man mag sich fragen, wann all die langen Überlegungen und Diskussionen stattgefunden haben sollen. So rein zeitlich. Schließlich ließ sich das Paar erst am Neujahrstag trauen. Herr Murphy scheint es schnell zu lieben. Im Sommer 2006, ein knappes Jahr nach der Scheidung seiner ersten Ehe, hatte er sich in das Spicegirl Mel B verliebt. Ein paar Tage später gab es Liebestattoos und die entsprechende „Für immer“-Schwüre. Aber schon bei der Schwangerschaft hatte es sich ausgeschworen. Kurz darauf waren beide Partner neu verlobt: Melanie Brown mit dem Produzenten Stephen Belafonte und Eddie Murphy eben mit jener Tracey Edmonds.
Beide können sich auf berühmte Beispiele berufen. Renée Zellweger hat bei ihrer ersten Ehe vorgemacht, wie es geht. Gerade frisch verliebt, und schon wusste sie „Der oder keiner!“ Nach vier Monaten heiratete sie ihren neuen Freund, den Musiker Kenny Chesney. Die Ehe hielt dann genau 128 Tage - einen Monat weniger lang als die beiden sich zuvor gekannt hatten. Im Club der „Blitz-Hochzeiter“ ist Miss Zellweger aber längst nicht die einzige. Nicky Hilton, die kleine Schwester der stets durch ganz Promiland blondierenden Paris, heiratete sich schon im Jahr 2000 in diesen exklusiven Verein ein. Überraschend gab sie ihren Freund, dem 12 Jahre älteren Manager Todd Andrew, in Las Vegas das Ja-Wort.
Nach drei Monaten hatte die jüngere Miss Hilton allerdings herausgefunden, dass sie noch nicht reif für die Ehe sei. Las Vegas dürfte auch bei Britney Spears Erinnerungen wecken. Nach einer durchzechten Nacht heiratete sie dort ihrem Jugendfreund Jason Alexander in einer der vielen Wedding Chapels. Nach nur 55 Stunden verließ Mrs. Alexander allerdings der Mut auch schon wieder, und sie zog das eben noch gegebene „lebenslange“ Versprechen zurück. Übrigens im besten Einvernehmen. Auch Jason war bei Sonnenschein betrachtet etwas anders zumute. Allerdings wusste die Pop-Prinzessin die neu gewonnene Erfahrung zu nutzen. Kein Jahr später sagte sie wiederum „Ja, ich will“. Diesmal war Kevin Federline der Glückliche. Selbst kein ganz Unerfahrener in Hochzeits-Angelegenheiten. Eine Vorgänger-Ehe hinterließ immerhin zwei entzückende Kinder und eine enttäuschte Ex-Frau, die ihr Unglück gewinnbringend vermarktete: Ihre Parfum-Linie trägt den treffenden Namen „He cheated“ – „Er hat betrogen“. Zwei Jahre und zwei weitere ebenfalls entzückende Kinder später ist auch die Spears-Ehe Geschichte.
Wer sich noch nicht ganz so weit traut wie Britney, der verlobt sich halt. Auch sehr beliebt in der Welt der Reichen und Berühmten. Das Fest kann je nach Lust und Laune genauso groß wenn nicht größer als die eigentlich Hochzeit ausfallen, der zu schenkende Verlobungsring ebenfalls. Ein Schloss, 300 Gäste, 7 Gänge zum Beispiel. Einen Haken hatte die Riesenfete allerdings, die Fußballstar Ronaldo in der Nähe von Paris für seine Freundin schmiss. Ein paar Monate später war die Verlobungszeit auch schon wieder vorbei. Nur irgendwie anders als ursprünglich geplant…
Warum tun die das alle? Sofort-Heiraten, Sofort-Verloben und weil’s so schön ist, nicht einmal, sondern zwei-, drei oder zigmal? Warum? Vermutlich ist das alles einfach ein Riesen-Missverständnis. Ein kulturelles Missverständnis zwischen Hollywood und dem Rest der Welt. Eines, wofür Eddy, Renée, Paris, Britney und wie sie sonst noch alle heißen mögen nichts können, überhaupt nichts. Die geben ihr Bestes und tun alles, was nötig ist. Sie verlieben sich, geben sich erste wilde Küsse, verbringen die erste Nacht miteinander, schenken sich ein Lächeln zum Aufwachen, rote Rosen. Alles, was die Schmetterlinge im Bauch so schön flattern lässt.
Und das schönste Fest, mit dem man eine Liebe feiern kann, ist eben die Hochzeit. (Das zweitschönste die Verlobung). Na ja, und am besten kann man das natürlich feiern, wenn die Liebe noch neu und frisch und strahlend glänzt. So wie Hollywood ja auch ist. Wir anderen im kleinen Rest der Welt werden weiterhin erst dann heiraten, wenn wir uns sicher sind, dass wir mit „Ja, ich will!“ auch wirklich lebenslänglich meinen. So wie wir es uns im Ehegelöbnis versprechen: “Bis dass der Tod euch scheidet.“ Klappt zwar – zugegeben - auch nicht immer, aber einen Versuch ist es wert.
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