neuerdings.com medienlese.com imgriff.com fokussiert.com netzwertig.com fraulich.com

Ronnie O’Sullivan:
Warum Frauen Snooker lieben

Von Annett Altvater am 19. Januar 2008 um 12:33 Uhr Kommentare (7)
Kategorien: Hier, Über

Die Skiabfahrt der Männer ist langweilig, die Sumoringer tragen seltsame Stofffetzen und die Leichtathleten sind gedopt. Sport ist echt nicht zum Zugucken. Bis auf eine Ausnahme: Snooker.

BildWen interessierts, ob Roger Federer den Nadal besiegt – beide sehen fürchterlich aus und tragen Stirnbänder. Auch die Fussballer kommen nicht alle wie dieser schöne Schwede daher, dessen Namen ich leider weder weiss noch sicher bin, dass er wirklich Schwede ist. Er trug jedenfalls vor einer Weile einen Bart.

Wie viel interessanter ist da Snooker. Und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen machen die Kugeln so ein angenehmes Klack-Klack, wenn sie zusammenstossen. Zum anderen verströmt ein Snooker-Turnier die Aura eines Upper-Class-Dinners für dekadente Briten:

In formvollendeter Etikette stehen die Spieler am Snookertisch, in Anzughose, Weste und mit Fliege. Schöner können Sportler nicht gekleidet sein. Das verleiht sogar dem pausbäckigen Schotten Stephen Hendry etwas Weltmännisches. Und der Schiedsrichter erinnert dank seiner weissen Handschuhe, mit denen er die Kugeln poliert, an den Butler James. Eine Phase, in der man die Fliege abschaffen wollte, ging übrigens schneller vorüber als das Maximum-Break, das Ronnie O’Sullivan 1997 in 5:20 Minuten geschafft hat. Womit wir beim besten Grund für Snooker sind, nämlich O’Sullivan.

Der 32-jährige Engländer ist seit 1992 Profispieler und bei jeder Eurosport-Übertragung der Star (jedenfalls meiner). Es ist ganz egal, ob er gewinnt oder nicht, denn beides tut er zünftig und beidhändig: Der Rechtshänder O’Sullivan kann das Queue sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand spielen, und zwar gleich präzise.

Startet er in ein Break, tut er das oft mit links. Angeblich, um seine Konzentration wieder aufzufrischen. Als er 1996 erstmals öffentlich mit links siegte, verweigerte ihm sein Gegner allerdings den Handschlag – er fühlte sich blamiert. Bekannt ist O’Sullivan auch für seine Borderline-Mentalität, die eher einer handfesten Depression zuzuordnen ist. Nachdem die Psychoanalyse nichts gefruchtet hat, ist O’Sullivan angeblich erfolgreich zu entspannenden Sportarten übergegangen – er joggt und spielt – ausgerechnet! – Fussball. Dazu hat er momentan viel Gelegenheit. Denn aus dem Masters-Turnier, das derzeit in London stattfindet und auf Eurosport übertragen wird, ist O’Sullivan schon rausgeflogen. Schade, denn keinen sonst sieht man die Kugeln schon anspielen, wenn sie noch rollend unterwegs sind an ihre Endposition.

Momentan noch mit dabei ist Stephen Lee. So wie der aussieht, schmeisst der aber meine schöne Snooker-Theorie vom schönen Sport mit schönem Dress und schöner Haltung komplett über den Haufen.

Diesen Artikel via E-Mail versenden


ANZEIGE

Vorheriger / nächster Artikel

<< Herdprämie:
Heute bleibt die Küche kalt
Verliebt, verlobt, verheiratet?
Über ein Missverständnis
>>



7 Kommentare

Ronnie Grob

Schön, dass es weibliche Snooker-Fans gibt. Ich war bisher davon überzeugt, dass da jeweils nur Männer zusehen.

Ich mag Snooker, weil es ein Zen-Sport ist. Immer die gleichen, rituellen Vorkommnisse auf dem immer gleichen Tisch. Die eintönigen Punktansagen des Schiedsrichters, das angemessen Beifall zollende Publikum, die nur vom Klacken unterbrochene Stille. Die Punkte, die sich in Frames sammeln. Die Frames, die sich in Spielen sammeln, die Spiele, die sich in Turnier sammeln. Die Turniere, die sich auf der Weltrangliste sammeln. Und immer das Gleiche, klack, klack. Eine Oase in der Fernsehlandschaft. Gäbe es Snooker nicht, man müsste es erfinden.


Lukas Stuber

Also ich verbreite 24 Stunden lang eine Saulaune, wenn O’Sullivan verliert. Muss an der erhöhten Identifikationsmöglichkeit liegen. Und der Stephen Lee wird wohl tatsächlich nie Mister Coke Light, aber so elegant wie der führt keiner sein Queue - sieht fast so upper-classy aus wie die Fliegen und weissen Handschuhe.


Claudia

Nicht zu vergessen der geniale Kommentator auf Eurosport Rolf Kalb, von ihm könnten sich andere dauerplappernde und besserwisserische Kommentatoren wirklich mehrere Scheibchen abschneiden ;-)

Viele die Snooker noch nicht gesehen haben, können auch gar nicht nachvollziehen, dass man sich beim Zugucken sowohl entspannen kann aber dass es schon im nächsten Moment so spannend werden kann, dass man fast nicht stillsitzen mag ;-)


nina

ich finde snooker auf sehr spannend und entspannend zugleich. ein sehr ruhiger sport und verblüffend was die profis da draufhaben! zu meiner schande muss ich aber auch gestehen, dass ich das ein oder andere mal auch schon ganz gut eingeschlafen bin.ich schätze, damit bin ich nicht alleine. immer nur das monotone klack, klack….kann dann schon schnell mal passieren;)


Editha

Snooker ist manchmal spannender als jedes Fussballspiel.
Snooker ist einfach klasse.
Hoffen wir das sich unsere Deutschen Spieler auch mal an die Weltspitze kommen.
Snookerfans sind auch netter im Umgang miteinander.


macwoern

Nicht nur spannender als jedes Fußballspiel. Spannender als jeder Krimi! :-)


D-Blogger

Hm. In verqualmten Spelunken rumzuhängen, um endlich mal erfolgreich einlochen zu können, ist dachte ich ein Männersport? Oder ist es dank Rauchverbot etwa inzwischen so, dass man die Kugeln auch aus mehr als einem Meter Entfernung erkennt?


Einen Kommentar schreiben

Hinweis: Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.