Herdprämie:
Heute bleibt die Küche kalt
Von Dorothee Vohl am 19. Januar 2008 um 09:28 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Hier, Macht, Schein
„Herdprämie“ ist das das Unwort des Jahres.
Bei diesem Showdown konnte ich nur gähnen. Ehrlich gesagt war es doch ein offenes Geheimnis, eigentlich haben wir es doch alle gewusst oder zumindest geahnt.. Wie langweilig: „Herdprämie“ … Uhhh! Das ist wie ein Rückschritt in der Geschichte, wie zurück in die Zukunft und keine Zeitreise, kein Vorwärts. Dabei sollte, wenn das Unwort einmal jährlich Flügel bekommt, hoch aufsteigt und durch Köpfe und Medien kreistwenigstens ein kleiner Kick passieren.
Nichts dergleichen beim 2007-Jahrgangsunwort. Unworte sollten doch eigentlich ein Unding sein und bleiben, denke ich da. Diese alten Hüte. Wer, frage ich mich, fühlt sich von diesem Begriff der „Herdprämie“ eigentlich beleidigt? Diese rot-grüne Ironisierung an und für sich, die das konservative Befürworten des „Heimchens am Herd“ bespötteln wollte, ist doch keine waschechte Dämonisierung – oder?
Da ist doch Unwort mehr als eine Spur too much. Doch nun, so riesengroß aufgeblasen, wo sich Sprachwissenschaftler am Ende genötigt sahen, diesem Kunstwort ihren Stempel des Unwortes aufzudrücken, bringt es doch nur eine asbach-uralte Diskussion aus der Versenkung hervor, erinnert an einen Vergleich, an den konservative Kreise, die sich gerade noch wie die Sieger auf die Schenkel klopften, weil sie meinten, den Spieß umgedreht zu haben, die Rot-Grünen mit ihrer eigenen Waffe geschlagen zu haben, sicher nicht erinnern wollen. Das hier finden die Ewiggestrigen bestimmt nicht lustig. Ich erzähle aber trotzdem davon.
Da gab es mal eine fette Diskussion innerhalb der Frauenbewegung, die da lautete: Solange es Ehefrauen gibt, gibt es auch Prostituierte. Huch! “Was für ein Unding!”, sagt sich jetzt Lieschen Müller und wird puterrot. Tja, so radikal war die Damenwelt damals - zumindest wortradikal. Heraus gekommen ist dabei auf der einen Seite die Forderung: “Lohn für Hausarbeit”, weil das ja auch eine Art von unbezahltem Liebesdienst für die Familie ist –daraus wurde natürlich niemals etwas, denn wer in aller Welt sollte das auch bezahlen - und auf der andern, heftigst unterstützt von der Schriftstellerin Pieke Biermann, entstand die Prostituiertenorganisierung „Hydra“.
Liebe Damen und Herren Juroren, so ist das nun einmal, wenn man sich vor den politischen Karren spannen lässt und sich zum Muli macht. Da fallen der einen oder anderen nun einmal so alte Anekdötchen wieder ein und an die wollten sie doch bestimmt niemanden erinnern – oder etwa doch?
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