Sabine Christiansen:
Hohles Getratsche

Von Dorothee Vohl am 15. Januar 2008 um 09:15 Uhr Kommentare (1)
Kategorien: Allgemein, Status

Sabine Christiansens „Mein 2008“ auf ARD wurde statt zur grossen Trendparty einer Talkerin zum Einheitsbrei einer distanzlosen Tratschtante.

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Sabine Christiansen: Tiefe Einblicke, untiefe Gespräche.

„Mein 2008“, die hyperaktive Showparade mit futuristischem Anspruch der ehemaligen Polit-Talkerin Sabine Christiansen, startete gerade noch pünktlich zu Jahresbeginn in der zweiten Kalenderwoche. Mit eiskaltem Händchen wollte Christiansen bei einem Massenaufgebot illustrer Gäste das neue Jahr anwärmen. Sie freute sich sehr, wie sie zu Beginn immer wieder überlaut kundtat, über diesen Sendestart und fragte jeden Gast nach seinen persönlichen Vorsätzen fürs neue Jahr.

Hurtig aufgesagt, abgehakt, im Schweinsgalopp ging’s weiter. Frau Bundeskanzlerin hauchte heiser eine Grußbotschaft, via Videoeinspielung eingeblendet, und äußerte sich, auf ihre speziellen Wünsche für 2008 angesprochen, wie immer chamämleonhaft-dickfellig-nichtssagend.

Immer hatte Sabine Christiansen bei mir einen Frauensolidaritätsbonus:

Weil sie damals an jenem leidigen Sonntagabend im Jahr 2003, der so niederträchtig für sie das Ende ihrer Ehe mit dem Fernsehproduzenten Theo Baltz öffentlich machte, ihren Job trotz ein paar Kratzern prima hinbekommen hatte. Chapeau, Frau Christiansen! Doch nun ist die souveräne Maske gefallen, zurück bleibt eine distanzlose Tratschtante, die mit ihrem gelangweilt, gierigen Blick nichts wirklich von ihren geladenen Gästen wahrzunehmen scheint.

Ob jung, ob alt, jeder Gast wurde durch Christiansens Sauce gestippt und rasch beim Gang zum nächsten Gast beiseite geschubst und übergangen. Der eine oder andere Gast machte zart eine kleine, spöttische Bemerkungen wegen der plumpen Art der TV-Queen, wie beispielsweise ein junger Sportler. Aber der Mann wurde kurzerhand von der werten Gastgeberin gleich wieder weggeschoben. Wahrscheinlich hatte sie nicht einmal zugehört, wie sollte sie da eine dezente Doppeldeutigkeit bemerkt haben.

Michael „Bully“ Herbigs Gageinlagen wurden ebenso verschluckt wie die kritischen Äußerungen von Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker.

Helmut Markwort blubberte, dass er jeden Einzelnen von jeglicher Verantwortung fürs Klima freispräche. Christiansen grinste alles Gesagte nieder und weg. Die Regenwaldinitiative von Schauspieler Michael Mendl verschwand ebenso unter ferner liefen wie die ewige Selbstdarstellung des deutschen Vorzeige-Medizinmanns Dr. Dieterich Grönemeyer, einem Bruder von Herbert Grönemeyer.

Der Großschriftsteller Henning Mankell quetschte da ebenso Haut an Haut in den beklemmend engen Stuhlreihen wie Großdesigner Wolfgang Joop und Großweltenbezwinger Reinhold Messner. Die geladenen Filmschaffenden saßen wenig später wie die Heringe auf dem hellen Sofa.

Alles war zu eng, zu nah, zu viel. Das neue Deutschland wurde angesagt. ‘Lasst uns alle nahe sein, liebe Leute, jetzt, wo wir wieder wir sagen und dazu stehen, dass wir wer sind. Hier und jetzt soll uns keine Haut mehr trennen!’ konnte ich fern an meinem heimischen TV-Gerät als Kern-Idee dieser Lehr-Show erahnen. Applaus, Applaus, o Graus! Hurtig wurde alles in einen feuchtfröhlichen Einheitsbrei vermengt. Ich fragte mich tatsächlich, ob da irgendwelche Klaqueurs für ihre Applauseinlagen engagiert waren. Aber alle Gäste, selbst Moritz Bleibtreu und Nina Hoss, bewegten rhythmisch ihre Hände auf und ab.

Man konnte wirklich meinen, die Dame Christiansen habe einen sitzen. Kam ihre Überdrehtheit samt zahlreicher Versprecher eventuell vom Prickeln irgendwelcher Champagnergase, die sie derart aufwühlten und anstachelten? Oder zeigte sich da etwa das berühmt-berüchtigte Pariser Flair ihrer neuen Wahlheimat in Verbindung mit jener Nonchalance, die eh schon immer in ihrem Blutkreislauf zirkulierte?

Die Arroganz war einfach unerträglich. Die „Queen BlaBla“ war ja völlig von der Rolle, dachte ich gar nicht länger mitfühlend, denn diese Frau kannte selbst kaum Mitgefühl mit ihren so genannten Gästen, wie sich besonders bei ihren schrägen Verkehrsformen mit den geladenen Kindern zeigte.

Gott sei Dank gehört dieses Durchmarsch-Jahr „Mein 2008“ Frau Christiansen und nicht mir, dachte ich, völlig atemlos vom Zuschauen, während des Abspanns. Ja, ich habe mir diese Show wirklich angetan und sage mir nun völlig reuig: Einmal ist kein Mal.



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Ein Kommentar

Jean-Claude

@) Dorothee, ich hatte den gleichen Eindruck - aber nicht dein Durchhaltevermögen.

Wie kommen Fernshemenschen dazu, Zuschauer wollten mit den ewig gleichen Masken malträtiert werden, die keine Talk-Runde auslassen (Herbig, Joop, Dr.Grönemeyer, Messner usw.). Auch Herr Markwort ist offensichtlich drogensüchtig. Man weiss gar nicht mehr, in welcher Talkrunde er nicht auftaucht, damit man vorher umschalten könnte. Overkill, nennt man das.

Dass Sabine Christiansen von diesem Name-dropping-Quatsch überfodert war, kann man ihr nicht mal zum Vorwurf machen.


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