40 Tage ohne Sex:
Die Ausnahme

Von Dorothee Vohl am 12. Januar 2008 um 15:08 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Jetzt, Sein

Der “Evangelische Omroep” (Evangelische Rundfunk) mit Sitz in Hilversum/Niederlande lanciert die TV-Serie “40 Dagen Zonder Seks” (”40 Tage ohne Sex”). Vier Mädchen und drei Jungen zwischen 15 und 20 Jahren sollten 40 Tage lang ohne Sex leben, während die Kamera sie begleitete.

40 Tage ohne Sex

Ich gehe durch die Bahnhofsunterführung. Ein Mädchen und zwei Jungs kommen mir entgegen. Sie lachen schallend. „He, und da wollte der Typ gerade die Frau vergewaltigen …“ Die restlichen Worte werden von der Zugluft verweht. Die drei gehen brüllend weiter. Ich schaue ihnen hinterher. Auch das Mädchen lacht.

In der heutigen Kultur habe Sex mit Liebe, Treue und Intimität nichts mehr zu tun, meinte der Moderator Arie Boomsma, der die Reality-Show “40 Dagen Zonder Seks” im holländischen Evangelischen Rundfunk betreut.

Stattdessen sei Sex zu einem billigen Konsumartikel geworden, zu einem Snack zwischendurch. Als dunkler Schatten habe die sexuelle Befreiung der 60er Jahre zu einer Pornofizierung der Gesellschaft geführt und es sei höchste Zeit, dies zu thematisieren.

Im Deutschlandradio hat die holländische Philosophin und Kulturwissenschafterin Stine Jensen im Zusammenhang mit der Sex-Diskussion gesagt, Sex sei von vielen junge Frauen zu einem gängigen Tausch-, Macht- und Zahlungsmittel geworden. Gruppenvergewaltigungen seien in diesem Milieu keine Kavaliersdelikte, sondern Formen der Gruppenkommunikation.

Die Junge Frau, die mir grad mit den beiden Jungs aufgefallen ist, lacht fröhlich mit. Sie scheint der Gedanke an Vergewaltigungen zu amüsieren. Ich eile nachdenklich auf mein Bahngleis.

Eigentlich suche ich nach dieser Begegnung nicht unbedingt die Nähe von Jugendlichen. Doch das gesamte Gleis ist übervölkert von jungen Leuten. Von wegen demografischer Wandel. Gerade jetzt wären mir ein paar alte Eisen lieber als dieses junge Gemüse. Vier picklige Knaben, absolute Landjugend in bäurischer Derbheit schwelgend, stehen etwas verklemmt, aber dennoch verbrüdert ins Gespräch vertieft neben mir. Ich will wirklich nicht lauschen, versuche mich stehend in ein Buch zu vertiefen. Da geht es schon los. Es geht um irgendein Computerspiel, das anscheinend ein Must ist.

„Ich komme immer nur so weit, bis ich die Alte ans Bett fessle.“ Die anderen betrachten den Redner nur mitleidig. Offensichtlich sind sie bis ans Ziel gekommen. Ich klappe mein Buch zu und gehe jetzt einfach nur noch auf und ab. Hoffentlich kommt mein Zug bald.



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2 Kommentare

Sofie

Bekomme in der S-Bahn ab und zu solche Diskussionen mit und muss oft nur traurig den Kopf schütteln. Ich bin noch relativ jung, frage mich aber schon oft, was sich Teenager heutzutage antun. Da wären die Eltern gefragt, aber wie kann man heute seine Kinder noch schützen und Ihnen Werte mit auf den Weg geben?


Hardy Villwock

Durch liebevolle Strenge!


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