Nouvel Observateur:
De Beauvoir blossgestellt

Von Dorothee Vohl am 10. Januar 2008 um 12:16 Uhr Kommentare (6)
Kategorien: Macht, Schein

Simone de beauvoir

Wie demütigt man einen Menschen auch noch postum? Ganz einfach, man zeigt ihn ungestraft, weil ja bereits im Jenseits, aller Welt nackt.

Der Blick durchs Schlüsselloch, den „Le Nouvel Observateur“ als Geburtstagsgeschenk pünktlich zum 100. Simone de Beavoir zustellte, bestätigt nur eins: Ein ähnliches Geburtstagsgeschenk für einen ähnlich namhaften Mann gab es noch nie.

Sexismus ist immer noch nicht ausgestorben.

Und wir sind nicht die einzigen, die sich über den Observateur aufregen.



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6 Kommentare

Ronnie Grob

Naja, immerhin ist das Bild nicht unvorteilhaft, und, wenn man schon tot ist, wird es jedenfalls Frau de Beauvoir nicht gross kümmern (wenn wir mal von einer Weltsicht ausgehen, die das Leben mit dem Tod als abgeschlossen ansieht).

Hätten wir den Nouvel Observateur auch gekauft, wenn sich Jean Paul Sartre nackt vor einem Spiegel die Haare hochgesteckt hätte? Vermutlich schon, aber wahrscheinlich gibt es von Sartre keine solchen Bilder. Warum? Weil Frauen keine solchen Fotos machen wahrscheinlich…


Dorothee Vohl

Mag sein, Ronnie, dass es Simone de Beauvoir sogar amüsiert hatte, der Welt den Arsch zu zeigen …
Für mich ist es allerdings über den unzweifelhaften Sexismus hinaus eine Stilfrage, wie sich ihre Gegner ihr auch heute noch versuchen anzunähern: Hinterrücks.


Jean-Claude

@) sorry, Dorothee Vohl, nicht alles was nackt daher kommt ist Sexismus. Ich vermute mal, Simone de Beauvoir wäre mit Grund stolz auf das Foto. Geist und Body, was spricht denn dagegen? Im übrigen spielte in der Beziehung mit Sartre Sex eine wichtige Rolle. Er war ein Maniac. Darauf darf der Observateur schon Bezug nehmen. Stimmmt schon, Sartre hätte man in dieser Pose nicht sehen mögen, aber mehr aus Gründen der Aesthetik als der Pietät.


Dorothee Vohl

@Jean-Claude
Keine Ahnung, wie Du darauf kommst, dass ich ständig die Sexismus-Beule schwingen würde … Das Geburtstagsfoto halte ich allerdings für eine gezielte Kampagne gegen Simone de Beauvoir und auch keineswegs für den vertraulichen Blick Sartres auf sie. Im Übrigen war Sartres Maniac, wie Du seine Geilheit umschreibst, durchaus nicht unproblematisch für de Beauvoir.


Wolf-Dieter Roth

“Skandalös” an Simone de Beauvoires Sexleben war nur, daß sie da recht selbstbewußt vorging und eben für die Rechte der Frauen eintrat.

Und Sartre…nun, das Sexleben zwischen den beiden war wohl nach 10 Jahren oder so erkaltet. Die Freundschaft nicht. Es jetzt noch genauer auszudiskutieren, wäre schlimmer als das Foto.

Aber wer Alice Schwarzer so zeigen würde, dürfte sich auch unbeliebt machen. Und entscheidend ist hier nicht das Foto, sondern seine Verwendung als “Aufmacher”. Die vermuten läßt, drinnen gibts noch mehr davon.


Dorothee Vohl

Wolf, du bist einfach ein alter Fuchs, ein Kenner des Metiers.


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