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Hillary Clinton in Tränen:
Der Stempel der Medien

Von Therese Balduzzi am 10. Januar 2008 um 16:47 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Macht, Sein

Medienhysterie als Spiegel des Zeitgeistes? Eine schwache Sekunde von Senatorin Clinton wurde erst als desaströs eingestuft, um Stunden später in “harmlos, ja sogar nützlich, weil menschlich” uminterpretiert zu werden.

Bild
Hillary Clinton: Eben noch den Tränen nah, hat sie zur alten Form zurückgefunden - oder das Heulsusen-Image abgewendet?
(Bild Keystone / Elise Amendola)

Seit den Wahlen der Präsidentschaftskandidaten in New Hampshire füllt auf der Seite der Demokraten der Wind wieder Hillary Clintons Segel, doch ihr Sieg über Obama war alles andere als sicher. Zudem wurden die Spannung durch eine im Grunde genommen kleine Begebenheit stark dramatisiert:

Nachdem Clinton in Iowa von Barack Obama geschlagen worden war, hatte sie während eines ausschliesslich von Frauen besuchten (aber gefilmten) Roundtable-Gespächs in New Hampshire einen schwachen Moment. In ihren Augen sammelten sich Tränen, und ihre Stimme stockte, als sie eine Frage beantwortete. Den ganzen Montag Abend über wurde die Szene auf jedem TV-Sender unzählige Male wiederholt. Und die Tageszeitungen am Dienstag Morgen brachten alle Schlagzeilen über den Augenblick auf der Frontseite. “Hillary on the Edge”, “It’s not easy” etc. etc.

Reduziert wie “Dean, der Heuler”?

Ich fühlte mich zwangsläufig an einen ähnlichen Moment vier Jahre zuvor erinnert, als Howard Dean, nachdem er in Iowa verloren hatte, seine Rede mit einem ausgedehntes “Woooooow-i” schmückte. Deans Kampfgeheul wurde danach so oft über den Bildschirm geschickt, bis er im öffentlichen Diskurs nur noch auf diese Sekunde reduziert zu sein schien. (Er wurde zwar
Präsident der demokratischen Partei, verschwand aber aus den Mainstream-Medien fast gänzlich).

Da Obama am Montag auf seiner Erfolgswelle ritt, fragte ich mich, ob es möglich sei, Hillary auf eine Träne zu reduzieren. Die gleiche Hillary Clinton, die schon seit Monaten, wenn nicht Jahren, eisern für dieses Ziel gearbeitet hatte und von bald allen Wassern gewaschen war? Dieselbe Frau, die wie ein gesunder, alter Baumstamm jeglichem Sturm zu widerstehen können schien? Ich hatte mich manchmal gewundert, ob das Futter ihrer Oscar-de-la-Renta Hosenanzüge (so ziemlich das einzige, was sie mit Laura Bush gemeinsam hat!) aus Stahlmaschen gewoben sei.

Überwiegt der Sex- oder der Rassismus?

Die amerikanische Starfeministin Gloria Steinem schrieb nach dem Iowa-Verlust in einer Kolumne in der New York Times, dass sich Sexismus stärker halte als der Rassismus. D.h. dass ein schwarzer Mann von der amerikanischen Öffentlichkeit als Präsidentschaftskandidat einfacher zu akzeptieren sei als eine weisse Frau.

Als stützendes Argument fügte sie an, dass die Afroamerikaner in den USA das Wahlrecht 100 Jahre vor den Frauen erhalten hätte. Aber stimmt das immer noch? Die Konstellation - weisse Frau vs. schwarzer Mann - ist jedenfalls spannend und für Amerika von historischer Bedeutung. Nach ihrem Sieg in New Hampshire wurde Clintons schwacher Moment schnell positiv uminterpretiert: Darauf, dass sie eine menschliche Seite gezeigt hätte, die vor allem den Frauen positiv aufgenommen worden sei. Dies, obwohl Umfragen ergaben, dass sich die grosse Mehrheit der Wähler schon Tage oder Wochen vor dem Wahltermin für ihre Kandidaten entschieden hatten…

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2 Kommentare

Christian

Salve
Bills Frau wird immer Bills Frau sein. Ich glaube nicht, dass sie zur Präsidentin gewählt wird. Amerika ist nicht reif dafür, die Frau eines Ex-Präsidenten zu wählen. Meine ich…

Christian


Lips

Clinton wird Obama bei weitem schlagen in der internen Ausmarchung unter den Demokraten, gleichzeitig wird sie aber als Frau und als Gattin von Bill für ihre Partei bei den Wahlen im Herbst eine grosse Hypothek sein. Die Republikaner werden von den Europäern, wie üblich, unterschätzt - wie standen Gore und Kerry im Mittelpunkt und wurden dann doch noch von dem eher leichtgewichtigen Bush geschlagen!


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