Stress im Bett
Wo Grösse wirklich zählt

Von am 6. Januar 2008 um 12:23 Uhr Kommentare (6)
Kategorien: Sein

Vor kurzem wurde an dieser Stelle ein Grund genannt, nicht in die Schweiz auszuwandern. Ein anderer ist der Kissen-Föderalismus.

Wenn man umzieht, packt man alles in ein grosses Auto und schafft es zur neuen Bleibe. Das gilt nicht für Bettwäsche und ihren Inhalt. Wer nicht sein Leben lang Bettbezüge aus der Heimat importieren möchte, kann den ganzen Krempel verschenken. Und dann beginnt der Kissenterror.

Denn während man das Haupt in Deutschland oft auf 40 x 80- und noch öfter auf 80 x 80-Kissen bettet, hört die Liste der Standardgrössen von Kissen und Duvets in der Schweiz gar nicht mehr auf. Hier hat man die Wahl zwischen drei verschiedenen Kissengrössen – und das gilt nur für die deutschsprachige Schweiz.

Zählt man das Tessin und die Westschweiz mit, kommt man auf sechs verschiedene Kissengrössen, einzig auf 50 x 70 konnten sich alle Landesteile einigen. Diese föderalistischen Auswüchse können ganz schön frustrierend sein. Meine ersten frühen Versuche, ein Gästekissen zu kaufen, war in die Hose gegangen, weil ich ein 65 x 100er gekauft hatte, der Bezug aber nur auf 60 x 90er-Kissen passte. Deswegen blieb ich lange bei den 80 x 80-Kissen. Die deutschen Kissen mit ebenso deutschen Bezügen passten also nie zum schweizerischen Duvet, das mit 160 x 210 grösser ist als die deutsche Normdecke, die nur 135 x 210 Zentimeter misst.

Das ist ästhetischer Stress – und deswegen wurde das Bett komplett assimiliert und hat nun einheimische Kissen am Kopfende.

Sie sind 65 x 65 Zentimeter klein, aber sehr gemütlich.



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6 Kommentare

Hardy Villwock

Während der Schweizer offensichtlich schon im Hier und Jetzt gemütlich und komfortabel schlafen möchte, sagt der Deutsche in einer abgewandelten Redensart- gemütlich schlafen kann ich wenn ich tot bin.


Therese Balduzzi

Ob da auch die Normenkommissionen am Werk sind, um mit einzig für die Schweiz geltenden Standardgrössen die Schweizer Textilindustrie (künstlich) am Leben zu erhalten? Ich mag mich nur erinnern, dass bei Kücheneinrichtungen wie Kochherde, Geschirrspülmaschinen etc. alles um 5cm schmäler ist als in Deutschland (war wenigstens so, als ich noch in der Schweiz lebte), damit ja kein Schweizer Unternehmer auf die Idee kommt, die Küchen eines Miethauses mit (billigeren) deutschen Herden zu bestücken…….-Therese


Sofie

@Therese: das mit den 5cm ist immer noch so. Habe versucht einen Weinklimaschrank eines deutschen Herstellers in die CH-Küche einzubauen… er steht jetzt einfach frei im Wohnzimmer.
Tja, die Schweiz war halt immer schon sehr vielseitig. Hat auch sein Gutes.


Wolf-Dieter Roth

Tja, in Deutschland herrscht halt noch Ordnung im Bett :-)))

Wobei es auch noch 40×40 gibt, von mir sehr geschätzt als Zusatzkissen.

In den USA sind die Maße wiederum so anders, daß keine Matratze in Europa passen würde. Nicht nur Zoll statt cm.

Ích bin mir allerdings sicher, dieser Beitrag wird den Erwartungen von 95% der Leserinnen nach dieser Überschrift
nicht entsprechen :o)


Mila

Ich kenne das Problem. Zum Glück hat man mich gewarnt als ich in die Schweiz kam und habe vorher “grosse” Bettwäsche gekauft. Bei der Decke passt’s, nur beim Kissen nicht… aber so schlimm ist das nicht. Ich finde es aber sehr gemütlich eine 160 breite Decke zu haben :-)


Annett Altvater

Ja, ich möchte auch nie mehr ohne grosse Decke! Da hat sogar die Schweizer Marktregulierung ihre Vorteile.


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