“Ist doch nur ein Film”:
Nackte Gewalt
Von Annett Altvater am 4. Januar 2008 um 17:14 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Geist, Über
Wo sind all die abgestumpften Medienkonsumenten? Die Zuschauer von David Cronenbergs “Eastern Promises” jedenfalls waren noch zu schocken. Sie liessen sich aber schnell wieder beruhigen.

Viggo Mortensen (bekannt aus “Herr der Ringe”) und Naomi Watts: “Nikolai” vor seinem nackten Überlebenskampf. (Bild: Keystone)
Viel Blut fliesst im Mafiafilm von Gewaltregisseur David Cronenberg. Kehlen werden aufgeschlitzt, Finger abgeschnitten, Arme gebrochen. Zarte Gemüter schliessen da schon mal die Augen. Nicht aber, wenn Viggo Mortensen alias Nikolai sich im Bad gegen zwei Bösewichte wehren muss – nackt. Da bringt es auch die weichste Frau nicht übers Herz, das Gesicht hinter der Popcornschachtel zu verstecken, wenn Mortensen über die Fliesen turnt und Leute kaltmacht. Ehrlich, ich hab noch nie im Kino so gebannt zugesehen wie einer verkloppt wird und dabei laut und entgeistert: “Oh Gott!”, gerufen.
Das hat der Cronenberg clever gemacht mit der Mischung von ekelerregend grausamer Brutalität und nacktem Fleisch. So war denn im Kino von allen Seiten lautes Gestöhne und Geächze zu vernehmen, als Nikolai einem tschetschenischen Gangster ein Messer in den Hals rammt. Nicht vor Wonne. Seinen Höhepunkt erreichte das hörbare Entsetzen, als er dem anderen zuerst den Arm oder sonstwas bricht (die Toningenieure haben hier ganze Arbeit geleistet) und ihm anschliessend das Messer ins Auge steckt und umdreht. Wäh!
Aber wie bemerkte mein Kollege für alle deutlich vernehmbar in diesem Moment der allgemeinen Erstarrung so richtig: “Ey, ist doch nur n Film!” Na dann.
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