Verkehrsdelikt:
Sei ein Vorbild

Von Annett Altvater am 3. Januar 2008 um 09:12 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Hier, Sein

Libosan
Und wenn hinter den Vorhängen Kinder sitzen, hä? Oder vorm Schaufenster?

Es gibt Menschen, die können Polizisten von weitem riechen. Ich gehöre nicht dazu.

Deswegen bin ich letzte Woche bei Rot über die Ampel und einem Verkehrspolizisten direkt in die Arme gelaufen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass weit und breit kein Auto zu sehen war. Wozu hätte ich also den roten Knopf drücken sollen, nur um den Verkehr zwei Minuten später zu einem Stopp zu bringen?

Das erkläre ich auch dem Polizisten. «Die Ampel braucht so lange, bis sie auf Grün umspringt.» Er entgegnet: «Das schaue ich mir mal an. Aber hier sind überall Schulen und Kindergärten.»

Ich denke: «Genau, deswegen ist das hier auch eine Spielstrasse, alle zwei Meter ist ein Fussgängerstreifen und die Ampel ist völlig überflüssig.» Und sage: «Ich hab ja auch geguckt, aber hier war kein Kind. Wenn eins da gewesen wäre, wäre ich doch nicht rüber gegangen.»

Er zeigt auf die Häuser an der Kreuzung: «Woher wollen Sie wissen, dass nicht hinter den Fenstern ein Kind sass und Sie beobachtet hat?» Ich denke: «Mann, die sitzen doch jetzt in der Schule.» Und sage: «Mmmh. Da hab ich jetzt nicht geguckt, ob Kinder hinter der Scheibe sitzen.»

Er sagt: «Sie müssen doch ein Vorbild sein.» Ich seufze - nur innerlich - und sage: «Mmh. Bin ich sonst auch. Normalerweise bin ich ja eins.» Er: «Und Sie wissen auch, dass das eigentlich etwas kostet?» Ich: «Mmh.» Er: «Nächstes Mal muss ich Sie büssen.» Ich denke: «Was kostet das wohl?» und sage: «Auf Wiedersehen.»

Und dann denke ich: «Fuck, hier ist ein Riesen-Sexshop mit einer wunderbar anschaulichen Schaufensterauslage. Ist es etwa nicht schädlich, wenn Kinder auf ihrem Schulweg obszöne Porno-Werbung sehen? Doch, ist es. Nur stirbt kein Kind vom Plakate angucken. Vom Überfahren werden schon.»

Rote Ampeln zu überlaufen wird deswegen wohl auch in Zukunft ein Verkehrsdelikt bleiben. Verkehr in der Öffentlichkeit hingegen bleibt weiter ungestraft.



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2 Kommentare

roger

Es sind schon die kleinsten Dinge, die Vorbild sein können. Oft habe ich früher nie an die Kindersituation gedacht. Rot - niemand da - kein Auto - keine Leute - also rüber.
Doch oft sind Kinder da, wo sie nicht vermutet werden. Sie tauchen auf und sind schon wieder weg. Egal ob es rot ist oder nicht.
Und auch Autos tauchen plötzlich auf, wie Kinder.
Und wenn sich diese “Plötzlichkeiten” treffen, wird’s meistens tragisch.
Also, lieber einmal mehr warten. Vielleicht schaut gerade ein Kind zu und nimmt den NichtStopp wahr.
Aber bitte nie die Kinder ausschimpfen, die die RotRegel nicht beachten. Vielleicht warst gerade “du” nicht vorbildlich ….


Wolf-Dieter Roth

“Verkehr in der Öffentlichkeit hingegen bleibt weiter ungestraft.”

Na das halte ich für ein Gerücht :o)


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