Schwedische Soldatinnen:
Den Löwen entmannt
Von Dorothee Vohl am 3. Januar 2008 um 12:06 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Sein
Die Soldatinnen der schwedischen Friedenstruppe haben den Kampf gegen einen symbolträchtigen Macho-Löwen aufgenommen und gewonnen. Historisch noch symbolträchtiger allerdings ist der Eunuchen-Löwe, der jetzt ihre Uniformen ziert.

Der schwedische Löwe, von den Soldatinnen der Friedenstruppe entmannt: Als Eunuch hat er noch mehr Symbolkraft denn als Macho.
Es war ein klassisches Symbol, ein Emblem, das, an der Uniform angenäht wie ein Amulett, die Stärke der schwedischen Friedenstruppe darstellen sollte: Ein kraftvoller Löwe mit einem Schwert und einem Olivenzweig – und einem deutlich sichtbaren Penis. Den Soldatinnen der schwedischen Friedenstruppe war das Stück allerdings zu viel des Guten.
Sie wollten wegen Benachteiligung in der Gleichstellung mit einer Klage vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) ziehen.
Vor den Waffen dieser Frauen knickten die Herren der Heersleitung ein. Um die Gefahr einer Niederlage vor dem EuGH abzuwenden, haben die Verantwortlichen der schwedischen Armee befohlen, den Löwen virtuell zu kastrieren und den Penis auszuradieren. Die Soldatinnen sind nun zufrieden, das Problem ist für sie abgehakt.
Nun wirft allerdings der verärgerte Künstler, dessen Feder der Löwe entstammt, ihnen und den Armeeverantwortlichen einen Mangel an Geschichtsbewusstsein vor:
Denn einen Löwen ohne Genitalien sollen einst diejenigen getragen haben, die sich als Königsverräter zu erkennen geben wollten. Das macht die Gleichstellungsaktion zur peinlichen Episode für ein Land, das sich heute noch stolz durch ein königliches Haupt vertreten und repräsentieren lässt.
Sind die Soldatinnen nun Vaterlandsverräterinnen? Ich finde, die ganze Geschichte hat einen anderen Witz, indem sie sich selbst ein Bein gestellt haben: Worin bitte liegt die Benachteiligung, wenn ein kleines Löwchen einen Penis hat und die Soldatinnen, hoffentlich und bekanntermaßen, eben nicht? Ich jedenfalls fühle mich nicht dadurch benachteiligt, dass ich keinen Penis habe – im Gegenteil!
Haben Frauen, wenn sie denn unbedingt in einer Armee dienen wollen, was ja wohl auch in einer Friedenstruppe eine lebensgefährliche Sache ist, keine anderen Kämpfe auszutragen? Gegen “Krallen zeigen” ist ja nichts zu sagen, aber wir Frauen sollten die Stärke haben, nicht jedes alte Schlachtfeld zu betreten und Streitpunkte an den Haaren herbei zu ziehen, über die wir doch eigentlich nur müde lächeln sollten.
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2 Kommentare
Hallo Doro.
Deine zielgerichtete Gelassenheit hat ja fast schon männlichen Charakter. Nicht unsympathisch dieser Zug.
Dorothee Vohl
schrieb am 4. Januar 2008, 07:21 Uhr (Permalink zum Kommentar)Danke Hardy,
Schön, dass du mal einen Text gelesen hast und nicht schon nach der Überschrift aus der Puste warst. Regelmäßige LeserInnen sind uns hier herzlich willkommen.

Hardy Villwock
schrieb am 3. Januar 2008, 23:28 Uhr (Permalink zum Kommentar)