Buchkritik:
“Vom Winde verweht” geht weiter

Von Ulrike Ammermann am 3. Januar 2008 um 11:05 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Geist

“Tara, ich gehe nach Hause und denke darüber nach, wie ich ihn zurück bekomme. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.” Das waren Scarlets O’Haras letzte Worte bevor alle Liebe, Leidenschaften, Kämpfe, Niederlagen und Siege “Vom Winde verweht” wurden. Was, wenn das doch nicht das letzte Wort war?mccaig rhettlow1

Was, wenn das Spiel des Lebens ewig weiter ginge? Was, wen Rhett und Scarlett sich doch noch bekämen? Die Autorin des 1936 erschienenen Erfolgsromans “Gone with the Wind” Margret Mitchel, hatte sich zu Lebzeiten stets geweigert, eine Fortsetzung zu schreiben. Egal, wieviel man ihr dafür bieten mochte.

Ihre Erben waren da weniger zimperlich. 1991 hatten sie das erste Mal die Rechte verkauft, so dass Alexandra Ripley 1991 ihren Roman Scarlett veröffentlichen konnte. Ripley sponn das Leben der Herrin von Tara an diesem nächsten Morgen weiter. Ein Faden, der vielen Fans und Kritikern dann doch zu weit vom ursprünglichen Mythos entfernt war. Zu abstrus war die Geschichte unter der Feder Ripleys geworden. Nachdem Rhett Scarlett also verlassen hatte, folgt sie ihm zunächst in seine Heimtatstadt Charleston. Da es ihr nicht gelingt, ihn wieder zu erobern, geht sie später sogar in die Heimat ihrer Vorfahren: Irland. Dort baut sie den alten Familienbesitz Ballyhara wieder auf und schließlich nach vielen Irrungen und Wirrungen finden Rhett und sie wieder zueinander. Na ja, dann vielleicht doch lieber : “Morgen ist auch noch ein Tag”.

Vielleicht ging den Erben zwischenzeitlich das Geld aus. Vielleicht hinterließ die erste Fortsetzung ein schales Gefühl. Oder der Erfolg einer zwischenzeitlich veröffentlichen Parodie auf das Werk “The Wind Done Good” von Alice Randall ärgerte Mitchells Nachfahren. Jedenfalls haben sie die Rechte nun noch einmal verkauft. Diesmal war der Autor der gebürtige Südstaatler Donald McCaig. Sein Roman “Rhett” erzählt zunächst gar nicht, was dann geschah. Sondern er erzählt von dem, was auch geschah. In “Rhetts People”, wie der Roman im amerikanischen Original heißt, erfahren wir mehr über Rhett, sein Elternhaus, seine Jugend, wie er zu dem Abenteurer wurde, als den Scarlett ihn kennen lernt. Wie er sich in Scarlett verliebt und – na gut, soviel sei verraten - auch, was nach dem Tode der heißgeliebten Tochter der beiden, Bonnie, geschieht. Donald McCaig ist ein spannender kurzweiliger Roman gelungen, der diese für Amerika so wichtigen Jahrzehnte rund um den amerikanischen Bürgerkrieg in farbigen Details erzählt. Die Menschen des Südens mit all ihrem Leben, Leiden und ihren Leidenschaften stehen vor den Augen der Leser wieder auf. Und mitten unter ihnen Rhett und Scarlett.
Trotzdem bleibt die Frage: Darf man das? Darf man die größte Lovestory aller Zeiten einfach weiter schreiben? Nachdem die Autorin “Ende” unter ihren Roman geschrieben hat?
Entscheidet selbst: Infos zu Donald McCaigs “Rhett” , Infos zu Margaret Mitchels “Vom Winde verweht”



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