Interview mit Monique R. Siegel
“Ich habe einen Innovationsblick”

Von Corina Hany am 1. Januar 2008 um 15:00 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Ich, Zeit

Wie läufts in der Liebe, füllt sich das Konto - und wird mir mein Traumjob angeboten? Astrologinnen und Kartenleger haben Ende Jahr alle Hände voll zu tun. Weder Kaffeesatz noch Tarotkarten braucht hingegen Zukunftsforscherin Monique R. Siegel.

Frau Siegel, Astrologin Elisabeth Teissier schaut in die Sternen, Mike Shiva legt Tarotkarten. Mit welchen Hilfsmitteln erforschen Sie die Zukunft?

Zukunftsforschung ist ein Wort, das es eigentlich nicht geben dürfte. Denn erforschen kann man nur etwas, das bereits da ist oder war. Aber es ist insofern korrekt, als dass Zukunftsforschung eine Mischung aus Erfahrungswerten, die fundierte Kenntnis der Vergangenheit und den darin gemachten Fehlern sowie einem Gespür für Trends ist. Trends sind aber keine Zukunftsmusik, sondern etwas, das schon in der Gesellschaft vorhanden ist.

Zukunftsforscher jedoch blicken anders auf diese Trends und die Gesellschaft. Ich zum Beispiel habe einen “Innovationsblick”. Wenn ich irgendwo hin gehe, dann überlege ich mir, wie man das Gesehene auch anders umsetzen und lösen könnte. Gepaart mit meinem Wissen über die Vergangenheit und dem über bereits vorhandene Trends entwickle ich Szenarien, wie sie in Zukunft viele Menschen betreffen könnten. Dies wiederum lässt Schlüsse auf potentielle und tatsächliche Märkte mit grossem Wachstumspotential zu.

Was von Ihren Voraussagen ist tatsächlich eingetroffen?

Ich sprach beispielsweise bereits Anfang der 90er Jahre von den “Golden Seniors”. Menschen also, die bereits pensioniert sind, aber ihr Wissen und Können der Wirtschaft weiter zur Verfügung stellen und noch immer aktiv im Arbeitsleben stehen. Damals bekam ich oft die Reaktion zu hören, dass ich übertreibe. “Alte” Menschen, die mit 70 noch arbeiten? Doch genau so ist es passiert.

Auch die Entwicklung zu einer globalisierten Gesellschaft und Wirtschaft war für mich bereits vor 20 Jahren eine logische Schlussfolgerung aus den damals vorhandenen Trends. Was ich allerdings nicht vorausgesehen habe, ist der gleichzeitige Trend hin zum Lokalen.

Ende Jahr möchten ja alle in die Zukunft sehen. Was prognostizieren Sie für das Jahr 2008?

(….energisch) Zukunftsforschung beschäftigt sich nie nur mit dem nächsten Jahr, sondern mit viel grösseren Zeiträumen. Wir suchen und erforschen Trends, die weltweit gelebt werden und zwei bis drei Jahrzehnte gültig sind.

Und wie sehen diese Megatrends für die kommenden Jahrzehnte aus?

Die ganz grossen Trends sind Gesundheit, Bildung und Umwelt. Über die Umwelt muss ich jetzt nicht sprechen, dass hat Al Gore übernommen. Umwelt ist und wird weiterhin DAS Thema sein. Da werden alle reich, die ungewöhnliche Konzepte bringen, wie wir den Umweltschutz in unseren Alltag integrieren können.

Auch im Gesundheitswesen muss etwas passieren, das ist klar. Wir verkraften keinen unbeschränkten Anstieg der Krankenkassenprämien. Gesellschaftlich geniessen Ärzte weniger Ansehen als früher. Ihr Können ist teilweise durch die Möglichkeiten der Technologie ersetzt worden. Dies wird noch zunehmen. Hingegen erfährt der Beruf einer Krankenschwester und eines Pflegers eine Aufwertung, denn die Pflege und Zuwendung für den Patienten oder die Patientin kann nie durch Computer ersetzt werden.

Was den dritten grossen Trend betrifft, so wird der wirkliche Wert von Bildung zunehmend erkannt. Damit meine ich aber nicht Absurditäten wie das Wissensmanagement. Das gibt es nicht. Man kann nicht etwas managen, das nicht vorhanden ist. Wissen ist wie Liebe, Glaube, Hoffnung - ein totales Abstraktum. Das, wovon die Wissensmanager sprechen, sind Informationen im PC, die verwaltet werden.

Dann ist es also angebrachter, von “Informationsmanagement” zu sprechen?

Genau! Und aus diesen Informationen entsteht erst Wissen. Wenn sie an im Gehirn bereits vorhandene Informationen andocken können und daraus Kontext entsteht, der das Einbetten und Kombinieren von neuen Informationen erlaubt. Die Fähigkeit, sich diese Backgroundinformationen anzueignen um die Flut der Informationen in den Kontext einzuordnen und damit zu Wissen werden lassen, wird immer wichtiger. Dies verändert die Bildung in jeder Form, auch die Schulen. Da sind wir schon mitten drin.

Porträt Monique R. Siegel
Website Monique R. Siegel - MRS THINK



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