Monique R. Siegel:
Die Zeit der Frauen
Von Corina Hany am 31. Dezember 2007 um 17:06 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Ich, Zeit
Bildung, Umwelt und Gesundheit - das sind laut Zukunftsforscherin Monique R. Siegel die drei Megatrends, welche unsere Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen. Dabei spielen Frauen eine zentrale Rolle.

Monique R. Siegel
“Ohne die Frauen geht es in Zukunft gar nicht mehr.” Mit wachem und aufmerksamem Blick sitzt mir die promovierte Germanistin und Zukunftsforscherin Monique R. Siegel gegenüber und meint bestimmt: “Frauen sind heute hervorragend ausgebildet und sich bewusst, dass sie auch mit 35, 40 Jahren Kinder bekommen könnten.” Komme hinzu, dass bald gar nicht mehr genügend hochqualifizierte, unternehmerisch und innovativ denkende Männer zur Verfügung stünden.
Dass die Ausgangslage für Frauen noch bis weit ins 20. Jahrhundert anders war, erfuhr die 1939 in Berlin geborene Monique R. Siegel selbst.
Es war die Zeit, als Personalchefs junge Fraugen fragten, ob sie nicht etwa auch Kinder haben wollten.
“Ich habe ihnen immer geraten, mit strahlendem Lächeln zu antworten: “Natürlich. Warum? Haben Sie keine?”
Doch, doch, war die Antwort, aber das sei ja wohl etwas anderes… Heute ist das in vielen Fällen wirklich “anders”, denn nach wie vor kriegen Frauen die Kinder, aber inzwischen teilen sich viele Paare die Erziehungsarbeit und Kinder zu haben, bedeutet nicht Berufsausstieg für die Frauen.
Wissen, was frau nicht kann
Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen diesen schwierigen Bedingungen, hat sich Monique R. Siegel eine beeindruckende Karriere erarbeitet. Mit 23 Jahren wanderte sie nach New York aus. Nach dem Abschluss ihres Literaturstudiums an der Columbia University und New York University in Manhattan zog sie 1971 in die Schweiz und war von 1973 bis 1979 Rektorin bei der AKAD (damals die Prestige-Adresse für Erwachsensnbildung). Daneben gründete (1976) und leitete Siegel die AKAD-Femina, ein Pionierprojekt in der Frauenbildung. In den darauf folgenden Jahren arbeitete sie als Wirtschaftsberaterin, gründete und leitete das “Management-Symposium für Frauen” (1985 - 1996), begann ihre Zukunftsforschung und schrieb zwischen 1989 und 2007 zehn Bücher. “Vor dreizehn Jahren wollte ich noch Regisseurin werden und habe an der Filmschule in New York auch eine Ausbildung dazu gemacht.” Aber sie habe einsehen müssen, dass dies nichts für sie sei. “Gerade darin liegt für mich jedoch ein Stück Weisheit im Leben, nämlich zu wissen, was man nicht kann.”
Dass Frauen wieder einmal die Lücke der fehlenden Männer schliessen können und dies auch tun werden, das hingegen wisse sie mit Bestimmtheit. “Aber dies wird das letzte Mal sein, das sage ich Ihnen!” Die Frauen liessen sich nicht nochmals vom Herd wegholen und wieder zurückschicken. “Wenn, dann gehen sie selber zurück, zum vierten Kind beispielsweise.” Wenn ein Unternehmen eine Frau zum Beispiel nach drei Jahren Kinderbetreuung nicht mehr zurück nehme, werde sie selbstbewusst sagen können, dass sie genug andere Optionen habe. Frauen hätten begriffen, dass nicht die UBS’ und Nestles die Wirtschaft sind, sondern KMU.
Work-Life-Balance für beide Geschlechter
Diese Möglichkeit, unternehmerisch aktiv zu werden, sei früher keine Alternative gewesen. Heute würden neue Technologien aber ermöglichen, auch von zu Hause aus zu arbeiten. So könne das Berufsleben mit der Kinderbetreuung einfacher verbunden werden. “Frauen wollen ein erfülltes Berufsleben, in dem auch Freundschaften, Kinder und Beziehungen Platz haben. Und genau dies wollen auch immer mehr Männer.” Der lauter werdende Ruf nach Vaterschaftsurlaub sei nur ein Indiz dafür.
Sehen Frauen also einer rosigen Zukunft entgegen? “Zukunftsmusik? Von wegen - Frauen in Verantwortungspositionen sind gar kein Trend mehr, sondern Realität.” Auch die Ereignisse rund um die Schweizer Bundesratswahl (Abwahl des rechtspopulistischen Christoph Blocher und Ersatz mit einer gemässigt konservativen Vertreterin seiner Partei durch das Parlament) seien zwar unerwartet und doch eigentlich eine logische Entwicklung.” Ich bin überzeugt, wir könnten sogar bald vier Bundesrätinnen erleben!”
Morgen: Interview mit Zukunftsforscherin Monique R. Siegel
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