Das Retortenbaby:
Musterfrau ist Mustermann

Von Dorothee Vohl am 31. Dezember 2007 um 09:58 Uhr Kommentare (4)
Kategorien: Sein

Sie ist der Prototyp der deutschen Frau – und sie hatte schon verschiedene Gesichter. Der Name der bekanntesten virtuellen Persönlichkeit Deutschlands lautet: Erika Mustermann.

mustermann combo
20 Jahre Erika Mustermann: Musterfrau im Laufe der Zeit (Quelle: Deutsche Bundesregierung/wikipedia.de)

Warum ist die Frau eigentlich blond, frage ich mich – Ach, Moment mal, ich weiß schon: Wir sind ja in Germania. Alles klar. Aber, grüne Auge? Ach, ich lass lieber die Fragerei und nehme die Dame so, wie sie ist … Obwohl Erika Mustermann doch eigentlich bedeutend jünger aussieht, als sie mit 62 Jahren aussehen sollte – oder?

Ihre Existenz ist auf dem Reißbrett entworfen worden, erfunden im Auftrag der Bundesregierung. Sie ist das Modell für Normalität, das deutsche Mittelmass, der Goldene Schnitt. Der Name dieser so typischen, stinknormalen Frau war vor dem Entwurf von “Erika” immer “Lieschen Müller”. Aber Lieschen hatte keine Daten, und manchmal konnte man glatt annehmen, dass Lieschen Müller leicht unterbelichtet war. Deshalb wollte eigentlich keine Frau ein Lieschen Müller sein. Ganz anders kommt da Erika Muster daher. Die Frau hat ein Gesicht und ihre Daten kennt jedermann, denn sie lässt sich derart in die Karten gucken wie niemand sonst, den ich kenne.

Das Raster

Erika Mustermann, geborene Gabler, ist verheiratet mit Hans Mustermann und wurde am 12. September 1945 in München geboren. Der Ort, an dem sie wohnt, wird variabel als entweder München, Köln oder Berlin angegeben. Nur die Straße und Hausnummer ist stets identisch: Heidestraße 17.

Eben! Haargenau dort, wo man eine Erika auch hinpflanzen würde. Ach, nein, die Pflanze heißt ja Erica, und der Name Erika bedeutet „die nach dem Gesetz und Recht Herrschende“. Passt wunderbar, denn Nomen est omen oder kein Lenz für Erika, denn die Dame Erika ist derart aktiv, seitdem sie 1987 mit Einführung der Zentralisierung der Produktion des Personalausweises und Reisepasses in der die Berliner Bundesdruckerei das Licht der bundesdeutschen Wirklichkeit erblickte.

Ihr Konterfei prangt seither auf sämtlichen Mustern von Personalausweisen, Reisepässen oder Führerscheinen. Das heißt, es war immer mal wieder eine andere Dame Erika. Denn immer nur die eine, gleiche und selbe Frau ist doch langweilig, und es reicht auch nicht, der deutschen Schablonen-Frau nur hin und wieder mit wandelnder Mode mal eine neue Frisur aufzupflanzen. Nein, da musste einfach schnell mal 1987, 1997, 2001 und zuletzt 2005 eine neue Modell-Erika her. Nur wesentlich älter werden durfte Erika nicht, denn eine Frau hat einfach kein Alter. Das weiß man doch!

P.S.: Seit 1999 hat Erika eine europäische Verwandte, Desiré Jeanette Mustermann (geboren am 28. Februar 1964 in Bonn). Desiré Jeanette ist die EU-Mustermann-Frau des EU-Führerscheins.

Mehr zu Erika Mustermann (Wikipedia) , noch mehr….



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4 Kommentare

Nathalie Sassine

und die erika mustermann der schweiz ist – wie könnte es auch anders sein im kleinsten macho-land – ein mann! peter muster, wohnhaft an der musterstrasse, meist in zürich. wir schweizer(innen) brauchen bestimmt noch ein paar jahre, bis der peter vielleicht eine petra wird….


Therese Balduzzi

Sehr schön! Ich liebe solche Geschichten. Sie bieten unverhoffte Gelegenheiten, den Begründer solch vermeintlicher Belanglosigkeiten einen Spiegel vorzuhalten (oder auch nur akademischen Blödsinn zu fabulieren) . Ein weibliches Pendant zu Peter Muster gibt es übrigens, sie heisst Patrizia. Wie die Frau von Otto Normalverbraucher heisst, weiss ich aber wiederum nicht….


Dorothee Vohl

Es ist nirgendwo die Rede davon, dass „Otto Normalverbraucher“ eine Frau, sprich: eine Ehefrau hat. Klingt ja auch komisch „Frau Normalverbraucher“. Frauen sind doch bekanntlich niemals normale Verbraucher, dass weiß doch jedermann und die gesamte Wirtschaftswelt auch. Noch dazu wäre es doch ein schlechtes Omen, wenn man nun eine Dame „Frau Normalverbraucher“ nennen würde – oder?!
Allerdings wird immer wieder darüber spekuliert, dass “Otto Normalverbraucher” und “Lieschen Müller” was miteinander haben. Aber das weiß ich nur vom Hörensagen, ehrlich.


Alain

@Nathalie Sassine

Wieso auch nicht ein Mann? Nur weil das Musterbeispiel des schweizer Personalausweises ein Mann ist, ist die Schweiz doch nicht gleich ein Macho-Land?


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