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Kate McCann:
Geschichte eines Gesichts

Von Dorothee Vohl am 30. Dezember 2007 um 09:04 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Sein

Dem Foto der kleinen verschwundenen “Maddi” und den Bildern ihrer Mutter begegnete man 2007 europaweit auf Schritt und Tritt. Nun schickten Kate und Gerry McCann ihre Weihnachtsbotschaft an die vermisste Tochter - und Kate erfüllt endlich das Bild, das die Öffentlichkeit von ihr haben will.

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Kate McCann mit Ehemann in einer TV-Sendung am 22.12.2007. Am Bildrand die Hotlinenummer für sachdienliche Hinweise. (Foto: Keystone / EPA, SkyTV)

Wie muss eine Mutter aussehen, wie muss sie sich verhalten, wie muss sie sein, wenn ihr kleines Kind urplötzlich ohne jedes Vorzeichen und ohne jede Spur verschwindet? Alle Welt schien und scheint in Bezug auf Kate McCann seit einem halben Jahr die Antwort auf diese Frage genau zu kennen.

Dem Gesicht von Kate McCann sind seit Madeleines Verschwinden Kameras in jede Pore gekrochen. Ihr Gesicht ist beinahe ebenso bekannt wie das ihrer kleinen Tochter. Sieht so eine Mörderin aus? Ist diese Frau eine Kindsmörderin? Jede ihrer Regungen wurde gedreht und gewendet. Meistens gegen sie. Wo nur verbarg diese Frau ihre Gefühle, ihren Kummer und Schmerz? Wie konnte sie nur derart beherrscht sein, fragte sich der öffentliche Leumund. Es hieß: Sie wäre ein eiskalter Engel. Gefühlskalt.

Aus ihrer Selbstkontrolle wurde ihr ebenso ein Strick gedreht wie aus ihrer Schönheit. Jedermann weiß doch, wie eine Mutter zu sein hat … Mit regelrechter Genugtuung wurden die Verdächtigungen und Verhöre der portugiesischen Polizei gegen die englische Ärztin und ihren Mann zur Kenntnis genommen und nonstop durch die Medien gedrückt. Wer in der Hölle lebt, hat stets eine gute Chance darauf, verteufelt zu werden.

Schnell galt diese Mutter als unsympathisch. Diese Frau, die zusammen mit ihrem Gatten einen immensen Medienrummel losgetreten hatte. Selber schuld, wenn man gerade diejenigen zur Hilfe rief, für die jeder Absturz, jede Schwäche nur die eigene Kasse zum Klingeln bringt.

Gebrochen?

Aus Mutmaßungen werden schnell, leicht und gerne Tatsachen. Mitgefühl scheint ein zu komplexes Gefühl zu sein. Ablehnungen und Hass geben da mehr und leichter Befriedigung für die Beobachter. Und selbst, wenn die Geschichte so stimmen sollte, wie sie Kate erzählt, wie konnte eine Mutter ihre Kinder nur ohne Aufsicht lassen?! Wenn sie das tat, dann war und ist sie doch wenigstens eine schlechte Mutter.

Nun zeigt die Weihnachtsbotschaft eine Frau mit verzerrtem, schiefen Gesicht. Endlich scheinen sich diejenigen die Hände reiben zu können, für die Schmerz einen Menschen wie ein Hurrikan zu fällen hat. Ist mit dem Fest der Liebe nun auch Kate endlich unter der „wahren“ Mutterliebe zusammengebrochen? Schmerz und Trauer kann ein nagender Prozess sein – selbst bei aller Stärke.

Hintergrundinfos (Wikipedia)

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