Cyber-Mobbing:
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Von Ulrike Ammermann am 25. Dezember 2007 um 09:06 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Macht
Der Fall ist tragisch: Die dreizehnjährige Megan aus Missouri wurde auf MySpace gemobbt. So gemein, dass der Teenager keinen anderen Ausweg mehr sah, als sich zu erhängen.

Anonyme Schickane: Cyber-Mobbing ist nicht nur ein amerikanische Phänomen (Foto. Keystone / Martin Ruetschi )
Kurz vor ihrem tragischen Tod war die Schülerin einer katholischen Privatschule noch überglücklich gewesen. Sie hatte sich in Josh verliebt, einen 16-jährigen Jungen, den sie im Netz kennen gelernt hatte. Brav hatte sie zuerst ihrer Mutter gefragt, ob sie Josh zu ihrem virtuellen Freund erklären durfte.
Anschließend tauschten die beiden Teenager verliebte Nachrichten aus. Zum ersten Mal seit langem wohl war das junge Mädchen so richtig glücklich gewesen. Im wirklichen Leben fühlte sich die Schülerin nämlich zu dick, zu unbeliebt, zu schüchtern. Wie Tausende andere Teenager in dem Alter auch. So traf es die Dreizehnjährige doppelt, als Josh sich plötzlich von ihr abwandte. In der MySpace-Community, in der Megan ihn kennen gelernt hatte, machte er sich auf einmal über sie lustig, nannte sie eine fette Schlampe. Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus. Eines Nachmittags erhängte sich das Mädchen im Elternhaus.
Ganz besonders tragisch, weil Josh nicht einmal existierte. Den gutaussehenden 16-Jährigen hatte sich eine ehemalige Freundin von Megan ausgedacht. Wohl, um heraus zu finden, was Megan hinter ihrem Rücken über sie sagte und um sich an ihr zu rächen. Mit der Hilfe ihrer Mutter und deren 18-jährigen Angestellten baute diese ehemalige Freundin die Josh-Figur auf. Sie nutzte ihr persönliches Wissen über Megan, um eine emotionale Beziehung aufzubauen. Und als die so richtig verliebt war, ließ dieser virtuelle Josh sie fallen. Er habe gehört, dass sie hässlich sei und gemein zu ihren Freunden. Bald hatte er andere Community-Mitglieder zu sich Boot geholt, die sich ebenfalls über Megan lustig machten.
Natürlich gab es Mobbing auch schon vor den Zeiten des Internets. Aber da wussten die Beteiligten in der Regel, mit wem sie es zu tun hatten. Es war möglich, das Geschehen einzuordnen, sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von der Sache zu machen.
Eine solche Chance hatte Megan nicht! Nicht, weil sie nicht eine Familie gehabt hätte, die sie liebte und in der sich wohl behütet aufwachsen konnte. Sondern, weil sie ihrer Feindin, so muss man angesichts des perfiden über Wochen durchgezogenen Mobbings wohl sagen, weil Megan ihre Feindin gar nicht kannte. Weder sie noch ihre Eltern konnten sehen und einschätzen, wer ihr da so übel mitspielte.
Im vergangenen Jahr hat der Lokaljournalist Steve Pokin aus Megans Heimatort Dardenne Prairie in amerikanischen Missouri die Geschichte veröffentlicht. Und obwohl er die Namen der Beteiligten in seinem Artikel nicht nannte, schlug das Netz mit der gleichen Wucht zurück, mit der auch Megan von der großen anonymen Community getroffen worden war. Innerhalb kürzester Zeit warf der Fall enorme Wellen durch das Internet und Webnutzer hatten die betroffenen Familien in der realen Welt ausfindig gemacht.
Seitdem sieht sich die Familie der ehemals besten Freundin des Mädchen ebenfalls einer Hetzkampagne im Internet ausgesetzt. Tenor: Macht ihnen das Leben zur Hölle.
So schlimm wie hier geht es in den meisten anderen Fällen wohl nicht aus. Aber Beleidigungen sind ein Massenphänomen im Internet. Auf Seiten wie zum Beispiel www.internetvictims.de tauschen Opfer von virtuellen Diffamierungen sich aus. Juristisch ist bisher keinem Internet-Täter beizukommen. Es gibt, so weit ich weiß, kein Gesetz das Cybermobbing verbietet.
Brauchen wir Gesetze, die Opfer von Internet-Gewalt schützen? Oder brachen wir einfach nur neue Regeln und Konsequenzen im weltweiten Netz, die uns helfen, mit solchen Fällen umzugehen.
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