Comicwelt:
Nie wieder brave Mädchen

Von Dorothee Vohl am 24. Dezember 2007 um 09:00 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Geist, Sein

Die amerikanische Comiczeichnerin Lela Lee kennt das Seelenleben kleiner Mädchen ziemlich genau wie ihre auf niedlich gezeichneten Bildergeschichten der „Angry Little Girls“ bunt auf weiß belegen.

comicIndexLarge(Bild:angrylittlegirls.com)

Ob sich die kleine asiatisch-amerikanische Kim – das Alter Ego von Lela Lee? – wohl gedacht hat, dass böse Mädchen überall hinkommen, als sie mit ihren vier Freundinnen den “Angry Little Girls Club” gründete? „Wut ist das, was uns Mädchen verbindet.“ - so lautet jedenfalls das Manifest der Fünfer-Bande, auch wenn selbst die Anführerin Kim keinen blassen Schimmer davon hat, was das wütende Grüppchen eigentlich anstellen soll.

Auch ein junges Leben leppert sich nur so dahin. Ja, das Leben ist nicht so einfach, weil es derart schwierig zu durchschauen ist … Wer hat da schon den Überblick?! Das gilt für Groß wie Klein.

Fünf kleine Extremistinnen

Kim ist ihrer Mutter, Lee, wie aus Gesicht geschnitten. Da gilt einmal mehr die alte Weisheit: Ich schau in den Spiegel und seh meine Mutter. Ein alter und ein junger Kotzbrocken. Beide Damen bis zur Haarwurzel verspannt und stinksauer. Dynamit pur.

Die Zweite im Bunde des Girl-Clubs ist die stets perfekt wie aus dem Ei gepellte jüdische Freundin Deborah, die immer in einen small talk mit ihrem Spiegel vertieft ist. („Ich werde fett. Ich sollte eine Diät machen. Aber ich bin Amerikanerin! Ich habe ein Recht darauf, dick zu sein!“) Sie leidet darunter, was sie mit vielen leibhaftigen Frauen verbindet: „Warum sind nur alle gutaussehenden Männer schwul?“

Maria, die Latina, hängt mehr in der jenseitigen Welt ab als im Hier und Jetzt. Voll auf Spiritus sanctus. Das bringt ihr klar den Ruf ein, meschugge zu sein, aber wen stört das schon, wenn man das Gras wachsen hören und mit der Sonne reden kann?

Die afro-amerikanische Freundin Wanda hingegen lässt alles kalt. Sie ist so coul wie der Zeitgeist es vorschreibt zu sein, ohne Ecken und Kanten, eine kleine Langweilerin.

Als Fünfte und Letzte des Clubs wandelt da noch Xyla durchs Buch. Ein trauriger Grufti, ein kleiner Zombi, mehr tot als lebendig. („Der Gedanke an Selbstmord hält mich am Leben.“)

Die Herzen dieser Mädels sind keine Mördergruben. Das macht sie so sympathisch. Noch dazu hat Leila Lee so manche große Wahrheit in die kleine Comicwelt geschrumpft.

Liebe ist …

Die Jungengestalten (und noch ein paar) überspringe ich jetzt mal, wir haben ja hier einen frauenblog. Doch eine kleine bizarre Liebelei darf nicht fehlen. Wer noch immer behauptet, zwei Leute benehmen sich wie Hund und Katze, muss umlernen oder vielleicht genauer hin schauen, denn vielleicht lieben sich ja die beiden Streithammel wie hier im Comic Kater Percy und Hündin Patsy.

Lela Lee
Angry little girls - Das Leben ist nicht immer einfach
Übersetzung: Madeleine Lampe
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
ISBN-13: 978-3896027818
Preis: 12,90 Euro

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