Aus einer unheilen Welt:
Beste Freundinnen

Von Dorothee Vohl am 21. Dezember 2007 um 11:08 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Sein

Freundschaften sollen möglichst ein Leben lang halten. Doch bisweilen wird der Wunsch von der Wirklichkeit eingeholt.

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Zeit ist abgelaufen: Freundinnen (Foto: Keystone / Urs Flueeler)

Christina und Helga kannten sich schon seit ihrer Schulzeit, waren zusammen zum Studieren nach Berlin gegangen, hatten Jahre lang zusammen in Wohngemeinschaften gewohnt, bis jede von ihnen mit ihrem Freund zusammenzog. Christina wurde schwanger, aber Bernhard und sie sahen keinen Grund für eine Heirat.

Nahezu gleichzeitig mit Claras Geburt, eröffnete Helga Christina, dass sie mit ihrem Freund Henry in zwei Wochen in die USA ziehen würde. Henry hatte in Silicon Valley das Karriereangebot seines Lebens bekommen. Helgas Freude konnte Christina nicht wirklich mitreißen und da Clara sie mit ihren Drei-Monatsblähungen auf Trab hielt, war Christina nur in ihrem kleinen Mutter-Kind-Kosmos unterwegs. Ihr fiel nur auf, dass Helga sich nicht mehr bei ihr blicken ließ und auch Bernhard war seltsam abweisend, meinte sie.

Der Tag von Helga Abreise nahte. Christina hörte immer noch nichts von der besten Freundin. Kein Anruf, kein Brief, nicht mal ein Zettel im Briefkasten. Clara hatte einen leichten Schnupfen und der Besuch beim Kinderarzt dauerte eine Ewigkeit. Als Christina nach Hause kam, sah sie, dass Bernhard seine Koffer gepackt hatte. „Ich kann nicht mehr mit dir zusammenbleiben. Helga und ich haben mit einander geschlafen und die letzten zwei Wochen fast ausschließlich zusammenverbracht. Ich komme nicht darüber hinweg, dass sie jetzt weg ist?“ „Und Henry?“, stammelte Christina. „Na, der ist doch mit Helga nach Amerika geflogen.“ „Ja, und …“ „Klar, weiß der Bescheid, aber Henry hat unsere Affäre geschluckt. Meinst du etwa der hätte auf Helga verzichtet …?!“

In den nächsten Wochen ließ Clara Christina auch weiterhin Tag und Nacht wegen ihrer Verdauung keine Zeit zum Grübeln. Bernhard kam ab und zu vorbei und übernahm liebevoll einige Aufgaben bei seiner Tochter. Auf Christina hatte Bernhard keine weiteren Ambition und die war auch nicht der Typ fürs große Drama. Sie fühlte sich nur unendlich traurig und leer. Helga fehlte ihr. Wie gerne hätte sie jetzt wenigstens mit der Freundin jede Veränderung von Clara genossen. Mit der Freundin? Christina stockte. Warum nur? Sie hatte keine Antworten auf ihre Frage.

Christina hat von Helga niemals mehr etwas gehört.



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