Wenn Märchen wahr werden:
Der Fischer und seine Frau
Von Dorothee Vohl am 14. Dezember 2007 um 11:52 Uhr Kommentare (3)
Kategorien: Jetzt

Sind sie nicht alle einsame Fischer, die Männer?
(Bild: Keystone/Arno Balzarini)
Heutzutage arbeitet der Fischer in einem medizinischen Beruf, hat tagtäglich viel zu tun, muss heilen und helfen; sein Leben ist mühselig, alles entwickelt sich nur langsam, und er hat immer noch niemanden getroffen, der seine oder – genauer gesagt – die Wünsche seiner Frau erfüllt, was ihm alleine, genau wie im Märchen, kaum gelingt.
Um ihr wenigstens seinen guten Willen zu zeigen, hat sich der Fischer entschlossen, zwei Tage während der Woche nach Hause zu kommen, um mittags für die Familie – immerhin sind einige Mäuler zu stopfen – zu kochen. Am Wochenende gehört der Herd ohnedies ihm. Manchmal ist er wochentags nicht pünktlich, und dann sind Frau und auch die Kinderlein sehr verärgert, weil sie zu lange mit knurrendem Magen warten müssen. Aber, meint der Fischer, so sei das eben, wenn man nicht Herr seiner Termine ist.
Die Gesellschaft, der Staat und auch die Krankenkassen honorieren nicht alle medizinischen Dienstleistungen angemessen und schon gar nicht gleich, und die Tätigkeit des Fischers wird unter Wert bezahlt. Das macht ihm sehr zu schaffen, weil Frau und Kinder Erwartungen an ihn stellen, und da das Leben an und für sich auch immer weitergeht und die Rechnungen bezahlt sein wollen, die Miete und die Steuern natürlich auch, sind seine Sorgen groß. Kredite gibt es nicht wie Sand am Meer und dann muss man die auch ja noch zurückzahlen. So ist der Fischer, zwar nicht auf offener See, aber immer mal wieder in großer Not – finanzieller Not, und die wird rasch existenziell.
Als er dann doch hast-du-nicht-gesehen ein Schlupfloch findet und einen supergünstigen Kredit an Land ziehen kann und glaubt, endlich aufatmen zu können, ist seine Frau schon im ersten Kaufrausch durchs Land und die Läden gezogen und hat sich eingedeckt, weshalb – ebenso hast-du-nicht-gesehen – sein Scheck schon wieder ungedeckt ist.
Da kommen dem guten Fischer doch allmählich Zweifel über das Leben an und für sich und seins im Besondern. Wo ist der Sinn, wo seine Hoffnung? Das offene Meer des Alltags hat sich für ihn in einen Sumpf verwandelt, der ihn immer weiter nach unten zieht, und so es ist auch, als er schließlich am Boden der Gesellschaft ankommt. Sein Haus ist verloren, Hund, Katze, Kinder und Frau auf und davon, und er selbst hat nur noch einen Wunsch: sich in die Fluten zu werfen.
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3 Kommentare
Was will uns Frau Vohl wohl sagen?
“und er hat immer noch niemanden getroffen, der seine oder – genauer gesagt – die Wünsche seiner Frau erfüllt, was ihm alleine, genau wie im Märchen, kaum gelingt.”
-> Hier sucht der Fischer wohl einen Liebhaber für seine Frau…
“… und einen supergünstigen Kredit an Land ziehen kann und glaubt, endlich aufatmen zu können, ist seine Frau schon im ersten Kaufrausch durchs Land und die Läden gezogen und hat sich eingedeckt, weshalb – ebenso hast-du-nicht-gesehen – sein Scheck schon wieder ungedeckt ist.”
-> Schön, dieses vonm Frauen portierte Frauenbild. Zum Glück lesen wir das in “fraulich” und nicht im “Blick”.
Gratulation für diesen “super” Text!
Dorothee Vohl
schrieb am 14. Dezember 2007, 16:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)@tobias buehlmann
Leute, die für sich das Recht auf die absolute Wahrheit, den einzig-richtigen Blick oder das Frauenbild beanspruchen, finde ich ziemlich suspekt.
Vielleicht, machst Du Dich mal locker. Ich habe keine journalistische Reportage, sondern eine fiktionale Geschichte geschrieben. C’est ça!
wonderwomen
schrieb am 14. Dezember 2007, 22:46 Uhr (Permalink zum Kommentar)das Meer ist der Spiegel der Gesellschaft

tobias buehlmann
schrieb am 14. Dezember 2007, 15:02 Uhr (Permalink zum Kommentar)