Mutter-Tochter-Ferien:
Kann das erholsam sein?
Von Ulrike Ammermann am 13. Dezember 2007 um 15:02 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Sein
Ich liebe meine Mutter. Wirklich, das tue ich. Vor allem, seit ich nicht mehr zuhause wohne.

Mutter (vierte v. links) und Tochter (ganz rechts) im Kurs beim französischen Patissiermeister: Es flogen keine Torten. (Bild U. Ammermann)
Wir telefonieren, sehen uns gelegentlich, haben Spaß miteinander. Alles wunderbar. Ist es also wirklich eine gute Idee, das alles aufs Spiel zu setzen für einen gemeinsamen Mutter-Tochter-Urlaub? Als ich das Angebot für ein verlängertes Wochenende im kleinen Pfälzer Hotel Kloster Hornbach sah, war ich im ersten Moment begeistert.
Entspannung konnte ich nach den letzten Wochen Dauerstress im Job wirklich gebrauchen, das Angebot klang günstig und meine Mutter hatte ich auch schon länger nicht mehr besucht. Warum also nicht?
Kaum sitzen wir im ICE, werde ich unsicher.
Besonders, als meine Mama mich in diesem unnachahmlichen mütterlichen Ton fragt, ob ich nicht ein Butterbrot essen möchte. Vor uns liegt ein verlängertes Wochenende in einem schnuckeligen kleinen Hotel. Nur wir beide und um uns herum ziemlich viel pfälzische Wallach-Pampa. Was werden wir bloß machen, wenn wir mit Ausschlafen, Wellness, Spazieren und Essen gehen fertig sind? Und vermutlich immer noch ganz schön viel Tag übrig ist? Ohgottohgott.
Auf der Taxifahrt zum Hotel verschärfen sich meine Bedenken: Hier gibt’s im wesentlichen viel Landschaft und sonst nix. Im Hotel angekommen, ist das zum Glück erst mal vergessen. Zu beeindruckend sieht die ausgebaute Klosterruine aus dem 8. Jahrhundert aus.
Ja wirklich, es ist eigentlich eine Ruine, in die wir fürs Wochenende einziehen. Anderthalb Flügel sind von der früher bestimmt sehr beeindruckenden Klosteranlage noch übrig. Die sind allerdings so ausgebaut, dass wir es zwischen mittelalterlichem Kreuzgang, hohen Spitzbogenfenstern und dicken Sandsteinmauern gemütlich warm haben. Beim Zimmer haben wir die Wahl zwischen Ethno, Shaker, mediterranem oder Asia-Stil.
Wir entscheiden uns für einen gemütlichen Raum in kräftigem Shaker-Blau. Besonders das riesige Bad hat es uns angetan. Fast geraten wir in Streit, wer als erstes in die Badewanne darf. Meine Mutter findet sich älter und deshalb wellness-bedürftiger. Außerdem solle ich erst mal meinen herumliegenden Krempel wegräumen.
Mit der Liebe zwischen erwachsenen Töchtern und ihren Müttern ist das ja so eine Sache. Man ist sich unheimlich nah. Selbst meine beste Freundin kennt mich nicht schon seit meiner Geburt. Man weiß viele intime Sachen voneinander. Das Doofe ist nur, mit all dem kann man sich auch unglaublich auf die Nerven gehen. Und: Nie, wirklich nie im Leben, hört man auf, Mutter und Tochter zu sein. Sätze wie „Meinst du nicht, du solltest lieber die dicke Winterjacke anziehen, bei dem Wetter“, „Mama, davon verstehst du nix“ inklusive.
Es muss am Kloster-Karma liegen. Wir streiten uns dann doch nicht über die Badewanne. Ich statte stattdessen der kleinen hoteleigenen „Badelust“ einen Besuch ab und versinke im Entspannungspool. Und als wir uns abends in der gemütlichen Klosterschänke auf ein Schwarzbier treffen, ist unsere Stimmung urlaubsfreudig entspannt und wir verquatschen uns bis tief in die Nacht.
Erstaunlicherweise klappt das auch die nächsten beiden Tage. Wir machen nicht wirklich was Aufregendes. Einmal fahren wir mit geliehenen Hotelrädern ins benachbarte französische Lothringen, wir gehen spazieren, besichtigen die kleine hoteleigene Kapelle, lesen ein bisschen. Einen Abend gehen wir richtig schick im Restaurant Refugium essen, was trotz der beindruckend vielen Gänge und Zwischengänge, verschiedenen Bestecksorten und diesen zig verschiedenen Weinen vor allem eines ist: super lecker. An einem Nachmittag besuchen wir sogar einen Mini-Kochkurs, einen Dessert-Kochkurs um genau zu sein. Nicht einmal dabei geraten meine Mutter und ich in Streit, wie sonst an Weihnachten immer. Im Gegenteil: Der französische Patissier Olivier Fabing erklärt uns in so charmant französisch eingefärbten Deutsch die Geheimnisse einer gelungenen Creme Brulée, die wir – das ist spontan beschlossen – unbedingt Weihnachten nachkochen.
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2 Kommentare
Gewagt, gewonnen! Ehrlich gesagt, sah ich früher keinen Einwand, mit meiner Mutter zu verreisen. Mit früher meine ich, bevor meine Mamma einen Enkel hatte. Die Bemerkungen über warme Kleider, genügend essen und angebrachte Frisuren haben sich seither nämlich verdreifacht. Der letzte gemeinsame Urlaub liegt deshalb genau dreieinhalb Jahre zurück… Das ist nämlich nicht auszuhalten!
wonderwomen
schrieb am 13. Dezember 2007, 19:39 Uhr (Permalink zum Kommentar)Ja, so kann man haargenau die Mutter-Kindbeziehung im Erwachsenenalter beschreiben. Finde diese Idee wäre auch eine Vermarktung wert, denn ich selber werde wohl im nächsten Jahr einen Mutter-Tochter Ausflug starten und werde, dann den Streitigkeiten bewusst aus dem Weg gehen :-)

Nathalie Sassine
schrieb am 13. Dezember 2007, 15:48 Uhr (Permalink zum Kommentar)