Mordende Mütter:
Lieb Kindelein schlaf ein

Von Dorothee Vohl am 10. Dezember 2007 um 11:02 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Zeit

Meldungen über Kindsmorde in Deutschland wühlen auf. Was bringt Mütter dazu, ihre eigenen Kinder zu töten?

Muttermord Babyleiche Mord
Babyleiche verpackt. (Foto: Keystone)

„Frauen und Kinder zuerst!“ Ihre Rettung hat im Katastrophenfall Priorität. Kinder gelten nicht erst seit den Morden des König Herodes als unschuldig und auch die liebende Mutter, die ihr Kind unter ihrem Herzen wachsen verspürte, ist so etwas wie ein Naturgesetz. Derzeit jedoch überschlagen sich in Deutschland Meldungen von Baby- und Kinderleichen. Umgebracht von der eigenen Mutter.

Sind Frauen in der ehemaligen DDR, den so genannten neuen Bundesländern, heute besonders gefährdet, dieses Naturgesetz des Mutterseins zu brechen?

Wie kommt es, dass sich in jüngster Zeit besonders im Osten der neuen deutschen Republik Fälle mehren, in denen Frauen zum Beispiel Schwangerschaften verheimlichten und die Geburten alleine durchzogen? Die Neugeborenen blieben unversorgt, was zum Kindstod führte. Sorgfältig als Pakete verpackt, lagerten die Frauen ihre Babyleichen in Blumentöpfen, Koffern bei Fremden oder gar in Tiefkühltruhen. Niemandem fiel etwas auf, so heißt es. Einzelfälle - und doch. Zerbrochene Rollenbilder?

Für Psychologen gibt es noch keine Erklärung für das Verhalten dieser Mütter. Es wird angenommen, dass die Frauen in einer Art von Selbstverdunkelung, Schwangerschaft, Geburt und Tod des Babys vor sich selbst verbargen. Dass die toten Kinder anschließend nicht begraben wurden, sondern lediglich verwahrt, gibt ein weiteres Rätsel auf. Verarmung, Perspektivlosigkeit, kein eigener Platz in der Gesellschaft sind mögliche Motive für die Taten der Frauen.

Nester und Netzwerke
Überfordert vom Leben, insbesondere vom Leben als Mutter, war auch die 31-jährige Frau aus Darry in Norddeutschland. Sie hatte ihre Söhne im Alter von drei bis neun Jahren betäubte und erstickte. Als laut, wild, hyperaktiv wurden die Kinder von Nachbarn beschrieben. Die Mutter entwickelte religiöse Wahnvorstellungen. Sie glaubte, ihre Söhne seien besessen. Vereinsamt, ohne das fehlende Nest einer Großfamilie, steuerte sie direkt in die Katastrophe.

Von Seiten der Politik (Kanzlerin, Familienministerin, Innenminister) werden Netzwerke gefordert, die gefährdete Familien (1 % aller Familien) auffangen soll. Kontrolle noch vor der Geburt soll her.

Mehr zur mordenden Mutter in der Mythologie

Der gerade in die Kinos kommende Film „Madonnen“ von Maria Speth findet wunderbar realistische Bilder für die Last des Mutterseins. Allerdings ohne den Kindsmord.

 



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