Handwärmer
Emanzipation hat Muff verdrängt

Von Annett Altvater am 10. Dezember 2007 um 14:04 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Status

Ein Muff hat etwas Mondänes. Ach ja, wärmen kann er auch. Aber richtig praktisch war der Muff noch nie. Leider.

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Hände in den warmen Muff gelegt: Marilyn Monroe (Bild:marilymonroecollection.com)

Es ist wieder Zeit für den Muff (die Rede ist vom Kleidungsstück). Das weiss nur leider noch niemand. Kein Trend wird ausgerufen, keine Muff-Mädchen laufen durch die Strassen. Und auch die Geschäfte scheren sich kaum um den Muff: Die Verkäuferin bei Zara nickt auf die Frage nach einem Müffchen zwar strahlend, aber sie führt die Kundschaft nur zu einem Grabbeltisch mit ellenbogenlangen Handschuhen.

Auch schön, zugegeben. Die Verkäuferin in einem schicken Kaufhaus ist verunsichert. “Was suchen Sie?” Es kommt nicht oft vor, dass nach dem flauschigen Umhängeteil verlangt wird, in dem man die Hände vergraben kann, aber es kommt vor.

Doch die Nachfrage ist klein und ebenso beschränkt ist das Angebot: Weisse und schwarze Acrylfusselmuffs mit Polyesterfutter sehen irgendwie chemisch aus. So als ob sie nach einem halben Winter unter Haarausfall leiden. Der Kürschner produziert ohnehin nur auf Anfrage, was zwei- bis dreimal pro Jahr vorkommt. Hier werden die Felle auf Daunenfedern gespannt. Das ist nicht nur flauschig, sondern hält todsicher warm wie ein Ofen. Ein Nerzmuff kostet 250 Franken, einen rot gefärbten Fuchs gibts für 450 Franken.

Dass man nicht von einem Muff-Trend sprechen kann, liegt aber nicht am Preis. Nein, Industrialisierung und Emanzipation sind daran schuld, dass wir ständig unsere Hände brauchen. Seit wir nicht mehr in Kutschen herumgefahren werden, sondern selbst in die Pedale treten und Auto lenken, seit wir die Einkäufe selber nach Hause tragen, geht es mit dem Muff bergab. Und zwar flächendeckend.

Das war zu den Blütezeiten des Muffs nicht so: Im 18. Jahrhundert konnten es sich nur die Damen von hohem gesellschaftlichem Rang leisten, ihre Hände in einem Muff zu verstauen. Aber ab und zu mal die Hände in den Muff zu legen, wird den Fortschritt schon nicht aufhalten, und süss siehts auch noch aus. Für alle, die trotzdem die Hände gebrauchen möchten, gibts bei Prada die Softie-Muff-Variante als Handtasche.

Mehr zum Muff (Wikipedia)



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