Freiwillig kinderlos
Keine Sklaven des Nachwuchses
Von Nathalie Sassine am 9. Dezember 2007 um 09:16 Uhr Kommentare (7)
Kategorien: Ich
Trotz allen Brangelinas, Madonnas und jetzt auch noch Britneys, die unbedingt Kinder haben wollen, ob adoptiert oder selbst gemacht, gibt es auch Frauen, die keinen Nachwuchs wünschen.

Nicht, weil sie keine kriegen könnten oder weil sie nicht den passenden Mann dazu haben. Sie haben eines Tages beschlossen, dass Kinder in ihrem Leben überflüssig sind. Dürfen sie das denn?
Schon als kleines Mädchen wird frau darauf getrimmt, mit Puppen zu spielen, Windeln zu wechseln und den Kinderwagen der kleinen Geschwister zu schieben. Und wenn sie älter wird, kriegen diese Geschwister Kinder, die Freundinnen vermehren sich, so scheint es, im Multipack und die Jobs werden rar, weil frau eben im Risikoalter ist.
Nun gibt es aber Frauen, die merken irgendwann, dass sie gar keine Kinder wollen, auch wenn das alle von ihnen zu erwarten scheinen. Sie haben andere Träume, in denen für Kinder weder Platz noch Zeit ist. Oder sie finden das Leben schon schwer genug und trauen sich die Verantwortung nicht zu. Was immer der Grund für diesen Entscheid darstellt, darüber zu sprechen ist schwierig. Familie und Freunde haben meist Mühe, diesen Bruch mit der traditionellen Frauenrolle zu akzeptieren. “Wieso nicht? Und wenn du alt bist? Willst du ganz alleine sterben?” Aber sterben muss man schliesslich sowieso alleine, oder nicht?
Kinderloses Glück macht misstrauisch
Frauen, die diesen Wunsch, eben keine Kinder zu haben, aussprechen, werden immer misstrauisch beäugt. Man wirft ihnen vor, sie dächten nur an sich oder hätten vielleicht schlechte Erfahrungen in der Kindheit gemacht. Wenn ihnen die Erfahrung des Mutterseins fehle, seien sie nur halbe Frauen. Die Möglichkeit, dass eine Frau, die kinderlos leben will, trotzdem glücklich werden kann, wird ihr vollkommen abgesprochen. Da muss doch was anderes dahinter stecken!
Das Thema ist tabu wie kein anderes. Verbrecher, Pädophile, Vergewaltiger kommen in News-Sendungen und Dokumentarfilmen zu Wort. Eine Frau, die sich hat sterilisieren lassen, bevor sie überhaupt ein Kind auf die Welt gebracht hat, wird hingegen lieber ignoriert. Das soll sie doch bitte für sich behalten
No kidding!
Ausser, wie immer, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die USA hat wieder einmal die Vorreiter-Rolle übernommen, auch in Sachen Kinderlosigkeit. www.nokidding.net vereint Menschen, die sich entschlossen haben, keine Kinder zu haben.
Denn, wie Mitglieder des Netzwerkes beteuern, ist es traditionellerweise schwierig, mit alten Freunden, die Eltern geworden sind, noch soziale Kontakte zu pflegen. Denn Eltern verkehren mit Eltern. Damit sie über ihre Kinder sprechen können. Was Nicht-Eltern nur mässig interessiert, ausserdem fühlen sie sich ausgeschlossen. Also vernetzen sich Kinderlose über no-kidding.com. Sie treffen sich zum Superbowl, zum Essen oder einfach nur zum Plaudern. Die einzige Bedingung ist: NO KIDS!
Dies entspricht natürlich nicht dem familienorientieren “American Way of Life”. Ganz schlimm empfindet man in den USA Frauen, die “childfree” leben wollen. Denn eine Frau ist auch dort nur eine ganze Frau, wenn sie geboren hat.
Laura Ciaccio, Gründerin des Netzwerkes no-kidding.com sieht die Institution Familie jedoch als Albtraum. Die erst Dreissigjährige studiert in Harvard und hat sich vor sieben Jahren sterilisieren lassen. Viele ihrer Mitkommillitonen erachten sie als egoistisch. Ihnen entgegnet sie, dass für sie Menschen, die Kinder in die Welt setzen, egoistisch sind. Schliesslich tun sie das ja nur für sich.
Die “wahren Terroristen”
Ausserdem sind Kinder in ihren Augen wahrhaftige Terroristen. “A danger for the planet”, wie sie sagt. Denn Kinder verursachen mit den vielen Windeln und ihrem Plastikspielzeug Verschmutzung. Und wenn sie erwachsen sind, fahren sie Auto, produzieren noch mehr Abfall usw. usw. Nach dem Motto “no kids, no pollution”.
Entgegnet man, die Menschheit würde ja verschwinden, wenn alle so dächten, meint sie cool: “Es wird immer Dumme geben, die sich vermehren, um die Sklaven ihres eigenen Nachwuchs zu werden.”
Uebrigens: mehr zu den “wahren Terroristen” (youtube.com)
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7 Kommentare
Harter Artikel, schwieriges Thema. Aber es stimmt das man so etwas tot schweigt und still schweigend davon aus geht das Frau ihre Rolle schon spielen wird. Und dann stellt der deutsche Staat die Mütter ,die Karriere und Beruf haben wollen als Rabenmütter dar. Da braucht sich niemand über zu wenig Geburten zu wundern!
Regula
schrieb am 10. Dezember 2007, 09:11 Uhr (Permalink zum Kommentar)Ob jemand Kinder will oder nicht ist mir eigentlich egal. In einer liberalen Gesellschaft darf ja jedeR nach seiner/ihrer Façon glücklich werden. Warum man resp. frau aus der gewollten Kinderlosigkeit gleich eine Bewegung machen muss, die dann Eltern auch noch als idiotische Wesen sieht, die blöd genug sind die Altersvorsorge auch der Kinderlosen zu sichern, das verstehe ich hingegen überhaupt nicht. Soooo wichtig sind die Leute vermutlich nun doch nicht.
Und die Aussagen über die Schädlichkeit von Kindern sind zum heulen. Wer so etwas sagt müsste sich eigentlich sofort selber aus dem Leben entfernen, weil die Person ja durch ihr Dasein ebenfalls die Umwelt belastet. Tschüss!
Andrea
schrieb am 10. Dezember 2007, 16:43 Uhr (Permalink zum Kommentar)Kinderlos? Keine Frage, klar doch. Ja ich bin zu egoistisch um irgendetwas mit den kleinen Rackern zu teilen. Für meine Kolleginnen und Freunde freu ich mich, wenn ihr Kinderwunsch in Erfüllung geht. Hier liegt wohl der Unterschied. Es muss für Dich stimmen und nicht für die anderen. Was auch immer mein Gegenüber, nach der Konfrontation mit den Tatsachen, denken mag, warum soll es mich interessieren. Ich werfe ihm ja auch nicht vor, dass er sich mit seinen Kindern nur einen Teil seiner Gene für die Nachwelt bewahren wolle oder sonst irgend einen Schwachsinn. Jeder ist alt genug zu wissen was er will und was nicht. Und da gehört die Entscheidung über Kinder genauso dazu wie die Entscheidung für den richtigen Job, das gewünschte Zuhause, den eigenen Mann oder was auch immer. Wer sich Gedanken darüber macht, was andere wohl denken, der soll einfach im Strom mitschwimmen und ihm wird nichts Böses geschehen. Wer aber seinen Weg gern selber bestimmt, darf sich nicht darüber beklagen, dass er manchmal halt ein bisschen unbequemer ist.
Coco-Girl3
schrieb am 16. Dezember 2007, 08:20 Uhr (Permalink zum Kommentar)solche wie du eine bist ,gibts leider
viel zu viel ! bist du ne frau ? für
mich nicht ! frauen haben kinder !
wenn deine Eltern so gedacht hätten
wärst du auch nicht auf der welt,
die menschheit stirbt aus wenn alle so denken würden wie du… ich selber habe drei süsse kinder und bin stolz drauf ! Ps. ich hasse kinderlose …
Diana
schrieb am 3. Januar 2008, 09:35 Uhr (Permalink zum Kommentar)Also wieder einmal eine Seite wo sich die Kinderlosen und Kinderreichen gegenseitig runtermachen. Die Diskussion ist genau so müssig wie ob man als Mutter arbeiten darf (oder muss) oder nicht. Ist doch wirklich jedem seine Sache wie er sein Leben lebt. Mir gehen eigentlich nicht die Diskussionen auf den Kecks sondern diejenigen, welche meinen, Ihr Lebensstil sei der einzig richtige. Toll, wenn man stolz ist Kinder zu haben, genau so toll, wenn man zufrieden ist, keine zu haben. Die einen müssen ja mit den anderen nichts zu tun haben und jeder kann sich seines tollen lebens freuen.
PS. Ich habe Kinder, ich habe auch Freunde ohne Kinder. Und wir sind immer noch befreundet. Gegenseitiger Respekt würde in vielen Dingen helfen auf dieser Welt…
Hardy Villwock
schrieb am 3. Januar 2008, 16:50 Uhr (Permalink zum Kommentar)Andreas Meinung bringt mich mal wieder zu dem Gedanken, daß dem Menschen doch keine tiefere Bedeutung zukommt. Während die Natur alles tut um ihre Arten zu erhalten kann der Mensch sagen: Nö, ohne mich.
Das entartete Tier mit ein klein wenig zu viel Intelligenz, aber für die Welt völlig überflüssig und in den meisten Fällen auch ohne geistiges Bewustsein.
P.s.: Der Anfang von “nokidding”(im Ernst) war 1984 in Vancouver, Kanada, nicht in den USA.
Nathalie Sassine
schrieb am 4. Januar 2008, 08:22 Uhr (Permalink zum Kommentar)@hardy: danke für die berichtigung, da war ich wohl falsch informiert.
@alle: schön, dass dieses thema die gemüter bewegt. es ist nämlich müssig, darüber zu sprechen, ob man sich vermehren soll oder nicht. es geht immer um das eine: toleranz. und das wünsche ich euch für das neue jahr!

Susan
schrieb am 9. Dezember 2007, 19:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)