Woman’s Talk
Der Schuhkodex

Von Esther Ugolini am 4. Dezember 2007 um 11:07 Uhr Kommentare (3)
Kategorien: Ich, Sein

Was wirklich zählt beim Bewerbungsgespräch, sind die Schuhe.

shoes
(Foto:amepics.com)

“Welche Schuhe Du fürs Bewerbungsgespräch trägst, ist ja so was von zentral”, sagt meine Freundin Eloisie und klimpert provokativ mit den akkurat getuschten Wimpern. “Oder meinst Du noch immer, Du kannst die Typen mit Deinen superguten Zeugnissen überzeugen?”

Auf die Idee, dass Personalchefs auch weiblich sein könnten, kommt Eloisie gar nicht. Im Grund hat sie ja recht: noch nie sass ich vor einer Frau und musste Fragen beantworten wie: “Meinen Sie, Ihre Mitbewerberin wäre gut geeignet für diese Stelle?” Und so gesehen hat Eloisie vielleicht sogar mit den Schuhen Recht. Die spitzen, eleganten mit den hohen Absätzen gaben möglicherweise vor vier Jahren den Ausschlag, als ihr der Personalzuständige zustimmend sein Ja ins Gesicht hauchte. Nicht die vier Fremdsprachen und die Bestnote im Abschlusszeugnis. Und die zwei Absagen davor waren demnach eindeutig nicht auf ihr vorlautes Mund-, sondern auf ihr derbes Schuhwerk zurückzuführen.

Überhaupt hat Eloisie noch mehr Tipps auf Lager: “Manchen Personalchefs musst Du tief in die Augen schauen”, erklärt sie und verschont mich nicht mit weiteren Sexappeal-Plattitüden: “Bei den Italienern etwa dagegen ist ein dezenter Madonnen-Touch angesagt - wobei es nichts schadet, wenn der Rocksaum unversehens etwas hochzurutschen droht”. “Ach Bullshit”, raunze ich sie an, “wir wollen doch durch solche Bemerkungen nicht 160 Jahre Frauenbewegung ad absurdum führen. Ich bitte dich! Was zählt”, brumme ich mit unweiblicher Brummigkeit, “sind die Fähigkeiten - egal ob Mann oder eine Frau.”

Aber Eloisie ist in Fahrt, sie lacht mir spöttisch ins Gesicht und ist nicht mehr zu bremsen: “Bei Deutschen erscheinst Du am Besten im Business-Hosenanzug. Und ist dein Gegenüber ein Schweizer, so kannst Du höchstens dezent einen Wonderbra unter der tadellos gebügelten Bluse einsetzen. Hervorblitzen lassen musst du aber kein Spitzenhemdchen, sondern höchstens unter züchtiger Bescheidenheit deinen messerscharfen Ehrgeiz”, ruft sie fröhlich und wippt mit einem ihrer 15-Zentimeter-Stilettos lasziv auf und ab, als würde sie sich bei mir um die Stelle des Jahres bewerben.

Ich wende mich angewidert ab und tue so, als würde ich mich in die Titelstory über die langjährige Sportjournalistin, Produzentin und “Sport aktuell”-Moderatorin Daniela Schmid in einer “TVstar”-Fernsehzeitschrift von vorvorletzter Woche vertiefen. “Daniela Schmid”, steht da, “wurde einst von der “Glückspost” zu den 50 Traumfrauen der Schweiz gekürt. Vier Jahre danach ist sie immer noch attraktiv - und kann beim Thema Sport so manchem Mann etwas vormachen.” “Eloisie!”, rufe ich mit zittriger Stimme, “wir gehen Schuhe kaufen!”



Vorheriger / nächster Artikel

<< Lebenszeichen von Ingrid Betancourt
Im Dschungel verschwunden
Neue Winter-Mode in Sommerlaune
Shorts trotz Schnee und Frost
>>


3 Kommentare

bluetime

lach..erfrischend genial!


Simone Eppler

Danke für diesen Text. Herrlich.


Laura

Ich musste beim Text immer wieder daran denken, welche Auswirkungen es hätte, wenn eine Frau sich in einem technischen Beruf bewirbt und dann mit “Business-Hosenanzug” und hochhakicken Schuhen erscheint… das ist in vielen Firmen eher ein k.o.-Kriterium.
In meinen beiden Bewerbungsgesprächen, die ich bisher geführt habe, bin ich jedenfalls in dezenten Sneakern erschienen und habe beide Male den Job bekommen. Da hab ich wohl was falsch gemacht. ;-)


Leseservice

Kontakt

RSS-Feed, was ist das? Artikel 1x täglich per Mail:

E-Mail-Adresse eingeben:

Unsere Blogs

Über Blogwerk