Mens muss nicht (mehr) sein!
Von Nathalie Sassine am 3. Dezember 2007 um 14:07 Uhr Kommentare (9)
Kategorien: Sein
Nach 3.5 Millionen Jahren, in denen Frauen jeden Monat “unpässlich” waren, kommt heute die Revolution: neue Verhütungsmethoden machen die Regel überflüssig. Ein kleiner historischer Abriss und was heute möglich ist.

“Die rote Tante kommt auf Besuch”(Bild: Kate Grandy).
Das Thema Menstruation galt schon immer als heikel. Schon als Teenie kannten wir die Codes, um das M-Wort nicht laut aussprechen zu müssen: “Die rote Tante kommt auf Besuch”, “die Russen kommen” und mein Favorit “Ich habe meine P”. Als wäre es eine Krankheit:
Historisch gesehen ist das nicht mal so falsch. Weibliches Blut wurde früher gerne verteufelt. Rothaarige galten als während der Mens gezeugt, in vielen Kulturen bestand absolutes Sex-Verbot während der Regel. Bei den Juden ist eine Frau mit Mens noch 7 Tage danach unantastbar, muslemische Frauen dürfen während dieser Zeit nicht in die Moschee und bei gewissen afrikanischen Stämmen wird die Frau während sie blutet aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen.
Macht und Ohnmacht
Auch wurde das weibliche Blut früher gleichgestellt mit anderen Ausflüssen wie Urin und Kot. Nett, nicht? Und trotzdem macht(e) Männern dieses “Phänomen” etwas Angst. Bluten tut man(n) eigentlich nur, wenn man verletzt ist. Was müssen Frauen also für übernatürliche Kräfte haben, um eine solche Verletzung ohne nennenswerten Schaden zu überstehen? Welche Macht haben sie, die Männer nicht haben?
Gerade wegen dieser Tatsache, dass Frauen einem Zyklus unterstehen, hatten sie eben bis zum letzten Jahrhundert gar keine Macht. In England wurden sie nicht an die Uni zugelassen, weil ihnen die Fähigkeit, konstante Leistungen zu erbringen, aberkannt wurde. In den USA gab es ein Gesetz, das es erlaubte, das Urteil einer Richterin anzuzweifeln, da sie unter Umständen nicht ganz “zurechnungsfähig” gewesen war. Auch in Frankreich wurden Frauen ausgeschlossen wenn sie Mens hatten. Nämlich aus dem Kinosaal, aus Angst, ihre Gefühle könnten mit ihnen durchgehen.
Haben Männer PMS?
Das PMS (PräMenstruelles Syndrom) kannte man damals zwar noch nicht, dessen Auswirkungen davon aber offensichtlich schon. Bezeichnenderweise erhalten Frauen, die in der Menopause sind, in diversen afrikanischen Ländern gewisse Positionen in Job und Regierung. Man hält sie in dieser Phase wieder für voll einsatzfähig.
Eine Forscherin in New York wehrte sich gegen diese sexistischen Ansichten und wollte beweisen, dass Männer nicht weniger ihren Emotionen unterstehen als Frauen. Dafür verteilte sie Männern Fragebögen, die sonst Frauen gegeben werden, um das prämenstruelle Syndrom zu diagnostizieren. Dem PMS werden rund 150 Symptome zugeordnet. Die Männer berichteten in den Fragebögen von mehr Beschwerden als die Frauen! Müssten Männer da nicht ständig arbeitsunfähig sein?
Weisse Hosen und blaue Pfützen
Als 1963 die revolutionäre Antibaby-Pille kam, wurde ein 28-Tage-Zyklus vorgetäuscht, der zwar der Natur entspricht, aber eigentlich gar nicht notwendig ist. Man könnte die Pille auch 40 oder 100 Tage schlucken. Diese “Täuschung” musste aber sein, da die Kirche dieser Verhütungsmethode sonst niemals zugestimmt hätte.
Klar zum Vorschein kommt das Unbehagen in Sachen Menstruation in Werbe-Spots. Seit es Tampons und Binden gibt, wurde aus dem weiblichen Hämoglobin eine bläuliche Pfütze. Tampons wurden in der Handfläche eingesetzt, “da wo sie passiert”. Es verlangt ja niemand, die Details zu zeigen, aber die Tatsache, dass rund um das Thema eine solche hygienische und antiseptische Umgebung kreiert wurde, zeigt deutlich, dass die Mens visuell unerwünscht ist.
Wie und wenn ja, wieso?
Deshalb können wir es ab sofort auch ganz lassen. Diverse Verhütungsmethoden wie das Hormon-Implantat, die 3-Monats-Spritze, die Hormon-Spirale und eine neue Anti-Mens-Pille aus den USA erlauben es uns, den ganzen Monat über in weissen Capri-Hosen durch die Stadt zu hüpfen und uns sauber zu fühlen. Wie in der Werbung.
Auf verhuetungsinfo.ch findet ihr die neusten Verhütungsmethoden, deren Vor- und Nachteile. Oder ihr spielt das Love-Game und erfahrt auf diese Art, welche Methode für euch stimmt. Es ist allerdings nirgends garantiert, dass das PMS ausbleibt, leider.
Was es bringt, keine Mens zu haben, oder ob das total gegen die weibliche Natur ist, bleibt jeder selber überlassen. Heute ist alles erlaubt, so scheint es. Auch Kunst mit Mens-Blut (siehe Bild).
Es stellt sich noch die Frage, ob Frauen sich absichtlich entweiblichen, um in der Männer(arbeits)welt besser akzeptiert zu werden. Aber darüber ein andermal.
Weiterführende Links:
Methoden
Anti-Mens-Pille
PMS Survival Tips
Love-Game
Quellen: www.tsr.ch, www.physik.org
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9 Kommentare
Was PMS ist, weiss ich (noch) nicht, da werde ich mich mal schlau machen – aber wenn wir Frauen keine Mens mehr hätten, dann würde schon mal die Umwelt profitieren. All die Binden, Tampons und die dazugehörigen Hygienebeuten summieren sich da schon zu einem grossen Abfallberg….
Nathalie Sassine
schrieb am 3. Dezember 2007, 17:41 Uhr (Permalink zum Kommentar)Guter Gedanke, das mit dem Abfallberg. Ein Grund mehr, die Mens “aufzugeben”.
Wie darf ich das “Tschüss” verstehen? Als Mann nicht so dein Thema? Nachvollziehbar…
Dorothee Vohl
schrieb am 3. Dezember 2007, 21:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)à pros pros “Weiße Hose”, da fielen mir die wunderbaren Missfits-Comedy-Damen ein, die leider ihre Karriere beendet haben. Nur sie sprechen hier nicht von Pille schlucken, sondern vom so genannten natürlichen Ende, der Menopause, was denselben Effekt hat, von wegen “Mens muss nicht (mehr) sein!
Tja, wie heißt es so schön: Jedem das Seine!
Endlich weg
endlich weg
nich mehr jeden monat vier tage krank
endlich weg
nich mehr jede menge binden in meim schrank
ich fühl mich so erleichtert, die hormone drehen bei
alle tage sind meine tage, ich bin völlig flügelfrei
endlich weg
endlich is mit faden ziehn schluß
endlich weg
daß ich nie mehr slipeinlegen muß
das gefühl is herrlich weiblich
trockenheit is unbeschreiblich
endlich hab ich nie mehr PMS
duudidudidudi
endlich weg
und ich will kein dunkles rot mehr sehn
endlich weg
jetzt hab ich lust, die palmen hochzugehn
hühner legen eier, aber ich hör damit auf
ich schlag sie in die pfanne und tu ketchup obendrauf
endlich weg
was ich will, sind hundert weiße hosen
endlich weg
schenk mir bloß nich dunkelrote rosen
ich wechsel in die jahre, dafür brauch ich kein attest
endlich hab ich nie mehr PMS
musik: john l. marshall / ralf bazzanella
text: gerburg jahnke
Wer´s hören will im lieblichen Kohlenpott-Slang, bitte recht sehr:
http://www.missfits-fanseite.wilmarenz.de/frames/frame_gesamt.htm
Lila
schrieb am 3. Dezember 2007, 23:02 Uhr (Permalink zum Kommentar)Oh ja, ergeben wir uns mehr den Werbebotschaften hin und stopfen noch mehr Hormone und Chemie in den Menschen, ist ja praktisch. Bald kommt dann auch hier die Psychokosmetik auf; Regelmässig etwas Antidepressiva zur Selbstbewusstseinsförderung, aber diverse scheinen bereits jetzt schon zu viel des Guten zu haben.
martin
schrieb am 3. Dezember 2007, 23:17 Uhr (Permalink zum Kommentar)@ mamba:
das mit der umwelt würde ich so schon nicht ganz unterschreiben: grundsätzlich würden zwar die abfallberge von entsprechenden produkten sicher sinken.
gleichzeitig würde sich der “hormon-abfall” aber massiv erhöhen: schliesslich geht frau auf die toilette und scheidet dabei mit dem urin auch eine entsprechende menge hormone aus, was dann in den wasserkreislauf kommt und zur “verweiblichung männlicher fische” führt: im schlimmsten fall legen dann männlein sogar eier!
und ich behaupte jetzt einmal mit meinen nichtfachlichen bio-kenntnissen, dass wir die entsprechenden hormone über das wasser wieder aufnehmen und folglich die “natürliche hormondosis” steigt, womit die hormondosis in der pille über längere zeit erhöht werden muss, damit diese die wirkung immer noch entfaltet. aber das ist nur ein nebenproblem – schliesslich enthält die heutige generation der pille einen bruchteil der hormondosis der anfänge.
dazu gibt es übrigens ganz interessante artikel, habe schnell gegoogelt:
- wikipedia erwähnt das thema Umwelt und Mens ganz kurz
- das wasserforschungsinstitut der eth hat ein Forschungspapier als PDF-dokument dazu
Florian Steglich
schrieb am 4. Dezember 2007, 00:29 Uhr (Permalink zum Kommentar)schliesslich geht frau auf die toilette und scheidet dabei mit dem urin auch eine entsprechende menge hormone aus, was dann in den wasserkreislauf kommt und zur “verweiblichung männlicher fische” führt: im schlimmsten fall legen dann männlein sogar eier!
Himmel, hoffentlich liest Frank Schätzing das nicht.
Dorothee Vohl
schrieb am 4. Dezember 2007, 06:58 Uhr (Permalink zum Kommentar)Was heißt hier “Himmel”? Du meintest wohl “das unbekannte Universum”, bzw. “Das Meer”. Die Frauen und das Meer – die ewige Analogie. Ebbe – Flut, Ebbe – Flut, Zyklus eben!
AnJu
schrieb am 4. Dezember 2007, 10:34 Uhr (Permalink zum Kommentar)Den Zyklus aufgeben? Will ich nicht. Nach 8 Jahren Pille und nun 5 Monaten ohne, will ich meine körpereigenen Hormone nicht mehr missen. Ich bin fröhlicher, habe mehr Energie, kann mich mit mehr Leidenschaft für Dinge begeistern, finde es erstaunlich, wie sich die Wirkung auf Männer über den Monat hinweg ändert. Ich habe das Gefühl, bestimmte Dinge ohne die Pille viel intensiver zu erleben, besonders Musik oder Filme. In letzter Zeit habe ich mich selbst öfters als berauscht von den körpereigenen Hormonen beschrieben. Da finde ich die paar Tage bluten im Monat auch nicht so schlimm.

Mamba
schrieb am 3. Dezember 2007, 14:47 Uhr (Permalink zum Kommentar)