Das Kopftuch
Ein typisch weibliches Accessoire
Von Annett Altvater am 3. Dezember 2007 um 11:08 Uhr Kommentare (1)
Kategorien: Schein
Musliminnen haben das Kopftuch nicht gepachtet. Die Kopfbedeckung war schon immer ein Trend und hat in den Jahrhunderten einige Moden mitgemacht. Nur männliche Häupter scheint es nie bedeckt zu haben. Eine kleine Kulturgeschichte.

Auf der ganzen Welt trägt die Bauersfrau ihr Kopftuch. (J. Newcomb)
Die nachgewiesene Kopftuchzeit beginnt im ersten Jahrhundert nach Christus, als germanische Frauen ein Kopftuch mit roter Borte oder Stickereien trugen. Orientalische Einflüsse werden unter der Herrschaft Karls des Grossen sichtbar, der um das Jahr 800 diplomatische Beziehungen zum Kalifen von Bagdad aufnimmt: Die Damen werfen sich seidene Flatterstoffe und durchsichtige, übergrosse Schleier wie einen Mantel über.
Im Mittelalter umrahmt das Kopftuch eng das Gesicht, im 13. Jahrhundert dominieren Hüte: Frauen schmücken sich mit Männerhüten, Hauben und Turbanmützen. Das Haarnetz, kombiniert mit Haube oder Federbarett, hat im 16. Jahrhundert ein Intermezzo. Im 18. und 19. Jahrhundert ist frau stets gut behütet: In der Öffentlichkeit trägt frau Hut, zuhause greift sie zum Häubchen.
Bäuerinnen als Trendsetter
Der Wandel weg von der Haube hin zum Tuch vollzieht sich zuerst auf dem Land. Bäuerinnen entledigen sich ihrer Häubchen und binden das praktischere Kopftuch um. Weil die Textilindustrie Stoffe billig herstellt, wird das Kopftuch im 20. Jahrhundert für jede Frau erschwinglich. Um sich besser von der Masse abzuheben, bleibt die elegante Dame beim Hut – und das Kopftuch wird zum Merkmal der einfachen Bäuerin.
Daran ändert auch Coco Chanel nichts, die das Kopftuch Haute Couture-kompatibel macht. Während Brigitte Bardot, Jackie Kennedy und die englische Queen sich im Cabrio, beim Segeln und beim Polo mit dem Kopftuch schmücken, tragen Grossmütter das Tuch weiterhin bei der Gartenarbeit.
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Ein Kommentar
…apropos männliche Häupter mit Kopftuch: musste dabei an Piraten (bzw. den “Stil” wie Piraten) denken, auch in der Hip-Hop-Mode (wieder-) aufgenommen als “Bandana” oder der eher unattraktive “Do-Rag” denken. ..

Therese Balduzzi
schrieb am 3. Dezember 2007, 19:00 Uhr (Permalink zum Kommentar)