Ist schwatzen Frauensache?
Quasselstrippen gegen Plappermäuler
Von Nathalie Sassine am 2. Dezember 2007 um 09:00 Uhr Kommentare (8)
Kategorien: Hier
Ob Frauen jetzt nun parkieren können oder Männer Marsmenschen sind, ist teilweise geklärt. Wie sieht es aber mit dem hartnäckigen Gerücht aus, wonach Frauen dreimal mehr reden als Männer? Eine Studie beweist uns nun, dass Männer im Schnitt genauso viel plappern wie Frauen. Ätsch!

XX oder XY ist nicht entscheidend (mili.com).
Es gibt Zahlen, die sich seit Jahren in der Gerüchteküche halten. 20′000 und 7′000. Erstere bezeichnet die Anzahl Wörter, welche jede Frau täglich von sich gibt, die zweite ist die Menge, die Mann absondert. Zitiert wurden diese Zahlen zuhauf, belegt jedoch nie. Bisher hatte sich niemand die Mühe gemacht, diese Angaben seriös zu überprüfen.
Nun beweist uns Matthias Mehl und seine Kollegen der University of Arizona, dass diese Zahlen schlicht falsch sind. Sie gaben 400 männlichen wie weiblichen Studenten mehrere Tage eine Aufnahmegerät mit, dass sich von Zeit zu Zeit einschaltete, ohne dass sie Einfluss darauf gehabt hätten. Ihre Studie ist nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.
Alles Geplapper
Die Aufnahmen zeigten, dass der Unterschied der Geschlechter in Sachen Plappern vernachlässigbar ist, er beträgt gerade mal 550 Wörter pro Tag (Frauen 16′215, Männer 15′669). Viel bedeutender sind die Unterschiede innerhalb des gleichen Geschlechts. Es gibt Männer, die sondern an einem Tag 11′000 Wörter ab, während andere gerade mal 700 loswerden.
Ob das darauf schliessen lässt, dass Frau und Mann ein ähnliches Kommunikationsverhalten haben? Eher nicht. Denn Männer reden tatsächlich mit Vorliebe über Technik, Finanzen und Sport. Frauen hingegen, auch da keine Überraschungen, unterhalten sich am liebsten über Familie, Freunde, Mode und ihr seelisches Wohlbefinden.
Interessant wäre es noch, zu erfahren, wo geschlechterspezifisch mehr gesprochen wird. Ob daheim oder bei der Arbeit. Das würde erklären, wieso Männer immer das Gefühl haben, wir würden zuviel reden. Vielleicht konzentrieren wir uns am Arbeitsplatz einfach auf unseren Job und haben dann immer noch 11′378 Wörter für zu hause übrig.
Vorheriger / nächster Artikel
|
<< Kulinarischer Adventskalender: Türchen öffnen - mit dem Löffel |
Schlafconcierge Der wahre Hotel-Luxus >> |
8 Kommentare
Hihi, mein ganz privater, feministischer Kampfspruch lautete schon immer: “Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Wörterbuch!!!!”
Schmeichael
schrieb am 3. Dezember 2007, 14:34 Uhr (Permalink zum Kommentar)Reden, plappern, schnorren, tussentalken, Informationen austauschen, besprechen, Zeit totschlagen, etc. Also ich finde da darf man doch auch ein bisschen unterscheiden, denn die Gesprächszeit allein sagt noch nichts über die Qualität des Gespräches aus.
Tatjana
schrieb am 3. Dezember 2007, 15:46 Uhr (Permalink zum Kommentar)Da die Unterschiede schon innerhalb eines Geschlechts, wie erwähnt, sehr gross sind, empfinde ich solche Berichte und Studien als Platz-, Hirn- und Geldverschwendung. Wie lassen sich zwei in sich dermassen heterogene Gruppen vergleichen um daraus allgemeine Schlüsse zu ziehen? Und wie repräsentativ respektive seriös ist eine Studie mit 396 amerikanischen Probanden, gemessen an den Milliarden von Menschen unterschiedlichster Ethnien, Kulturen, Länder, Religionen, Gesellschaftsformen? Solche Berichte manifestieren häufig auch nur wieder Vorurteile, selbst dann, wenn diese darin widerlegt werden sollen (z.B. bevorzugte Gesprächsthemen). Eine grosse Gefahr sehe ich dabei in der allgegenwärtigen (oft unterschwelligen) Wertung von Unterschieden, z.B. viel sprechen gleich plappern, gleich negativ; wenig sprechen, ergo, gleich positiv.
Für mich ist wichtig, was jemand beim Sprechen sagt, nicht wie viel jemand spricht – und das Geschlecht oder welche Kategorie auch immer, spielt mir dabei nicht die geringste Rolle.
Nathalie Sassine
schrieb am 3. Dezember 2007, 17:43 Uhr (Permalink zum Kommentar)Sobald mir eine Studie in die Finger kommt, die über die Qualität des Gesprochenen etwas aussagt, werdet ihr es hier lesen, versprochen! Bis dahin bin ich einfach nur froh, dass es w
Simone Eppler
schrieb am 5. Dezember 2007, 15:46 Uhr (Permalink zum Kommentar)Das erklärt wohl, dass auch ich schon, als äusserst frauliches Objekt, bei gewissen Verabredungen mit Männern fluchtartig die Bar verlassen musste, weil der Redeschwall mich zusehends zu erdrücken drohte.
wonderwomen
schrieb am 14. Dezember 2007, 11:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)die Studie beweist, dass die Wortanzahl sich der Männer und Frauen ähnelt in der Summe - die Männer währenddessen haben Schwankungen in ihrer Wortanzahl von sehr wenig und sehr vielen Wörtern, dann hast du wohl eine Verabredung erwischt mit einem Mann der die Spitze anführt …
Wolf-Dieter Roth
schrieb am 16. Dezember 2007, 16:34 Uhr (Permalink zum Kommentar)Tja, ein Mann, der sich verknallt hat, bringt entweder kein Wort mehr raus - oder redet wie ein Wasserfall, um seine Nervosität zu vertuschen. Bei Verabredungen wirst Du also zwangsweise die Extreme kennenlernen, außer Du hast den Mann völlig kalt gelassen ;-))
Und im Büro oder der Kneipe wird viel Reden sogar erwartet. Pech, wenn einen die vorgegebenen Themen (Kneipe: Autos, Fußball, Bier, Zigaretten) nicht interessieren.
Simone Eppler
schrieb am 17. Dezember 2007, 11:54 Uhr (Permalink zum Kommentar)Na, dann kann man männliches Geplapper wohl als Kompliment auffassen. ;)
Und ja, natürlich kommts auch auf den Inhalt an, ne.

Therese Balduzzi
schrieb am 2. Dezember 2007, 18:05 Uhr (Permalink zum Kommentar)