Fussball – Spielerfrauen
Die, die auch mitspielen wollen
Von Camilla John am 1. Dezember 2007 um 08:13 Uhr Kommentare (4)
Kategorien: Schein
Spielerfrauen müssen damit leben, das Anhängsel eines Fussball-Profis zu sein. Ihren Glamour-Auftritt haben sie trotzdem – jede Woche auf der Zuschauerbank.

Mit Sonnebrille: Spielerfrau Victoria Beckham (uefa).
Sie sind immer „die Frau von“, selten besitzen sie im Vereinsumfeld einen eigenen Namen. Aber in der Regel können diese Damen damit ganz gut leben. Zwar werden sie nur über ihren bekannten Mann oder Freund definiert, dafür genießen sie durch ihn andere Vorteile: eine reine Liebe und monetäre Grenzenlosigkeit.
Der Spieltag ist nicht nur für den Spieler eine Herausforderung, in der Regel wird seine Frau besser vorbereitet sein. Für jede Spielerfrau ist der Anpfiff das Highlight der Woche:
Nicht wegen des spannenden Fußballspiels, das sie erwartet, nein, da gibt es in diesem Moment viel wichtigere Dinge.
Ganz vorne steht erst einmal der richtige Sitzplatz, denn niemand sollte es wagen,sich versehentlich in die Hartschale zu begeben, die für die weibliche Elf reserviert wurde. Ansonsten droht eine hochgezogene Augenbraue, die sich genervt unter der riesigen Sonnenbrille hervorschiebt. „Sorry, aber hier sitzen wir!“ Wir, das sind die anderen Mädels, die in einheitlichem Trott den Weg vom Sammelpunkt VIP-Raum zur Tribüne gefunden haben.
Da wurde erst einmal die Aufstellung diskutiert, über die verletzten Spieler palavert: „Ein Glück ist der noch nicht wieder fit, der war ja so schlecht. Hat jeden Zweikampf verloren und war total orientierungslos auf dem Platz!“ Jetzt nur aufgepasst, dass das niemand mitbekommt, der anderer Meinung sein könnte, denn die Plätze der Spielerfrauen befinden sich eigentlich immer in dem Teil des Stadions, wo auch Verwandtschaft, Verletzte und Neu-Verliebte sitzen.
Kaschmir auf nackter Haut
Aber egal, denn nun sind die wirklich wichtigen Themen dran: Zuerst zum äußeren Erscheinungsbild der Nachbarin. Es geht darum, ob alles farblich abgestimmt ist, die Haare stylish frisiert und die Nägel frisch manikürt sind. Traurig, wenn es so ist, denn dann kann man nicht nachfragen. Naja, es werden sich auch noch andere Mängel finden lassen: „Du, wolltest Du Dir nicht letzte Woche den neuen Dior-Shopper kaufen?“ Ertappt muss sich die Angesprochene winden, erklären, dass sie ihre Louis Vuitton-Clutsch noch möge und lieber in ein schlichtes Kaschmir-Pullöverchen investiert habe.
Der Fühl-Test beweist, dass die andere Qualität auf dem Leib tragen muss. Wenn jetzt kein lobender Kommentar über die eigenen neuen Stilettos kommt, dann liegt diese Spielerfrauen-Freundschaft kurz vor einem Elfmeter-Schießen und die Abgebrühtere gewinnt.
“Häschen” am Ball
Eifriges Klacken im Zwei-Minuten-Takt, denn zum Dasein der Spielerfrau gehört unbedingt die Zigarette. Das wirkt einfach cooler. Damit kann man sich abheben, gelangweilt dran ziehen, denn man ist ja so anders, im Gegensatz zum Publikum, dem gemeinen Fan. Man selbst hat den Star ja jeden Abend zu Hause, muss nicht ausrasten, wenn er näher als zehn Meter an die Bande kommt – außer, er schießt ein Tor! Dann ist keine Spielerfrau mehr zu halten, sie kann plötzlich lauter schreien als alle Ultras zusammen: „Häääässchen, das war soooo schöööön!“ Glücklicherweise hören das die Angesprochenen nie, ansonsten würden sie mit vorgetäuschten muskulären Problemen den Platz verlassen, aus Schande.
Ist man zu zweit, unter sich, weit weg von Aufnahmegeräten und Schreibblöcken, dann dürfen Kosenamen fallen, aber im Stadion sind sie fehl am Platz. Eindeutig uncool. Dadurch wird ein Spieler in der Mannschaft angreifbar, der Platz in der erkämpften Hierarchie kann bedroht werden. Also, Ruhe, Mädels!
Aber ruhig sein mögen Spielerfrauen nicht so sehr, Stillschweigen müssen sie schon zu Hause, weil der Mann genervt ist. Entweder, weil er gar nicht gespielt oder schlecht gespielt hat, kein erwartetes Tor erzielt hat oder sich ein Band gedehnt hat – irgendetwas von diesen Sachen passiert ja immer. Und Ruhe, um sich zu entspannen, hilft dem gestressten Fußball-Profi.
Nette Brünette
So holt die Spielerfrau also nach, sie spricht ununterbrochen neunzig Minuten lang vorwiegend über Mode und ihren Mann. Das sind nämlich die beiden Themen, die in ihrem Leben eine bedeutende Rolle spielen. Problematisch wird es nur dann, wenn es einen Neuzugang im Spielerfrauenlager zu verzeichnen gibt.
Das passiert nichtselten, denn manch’ einem Fußball-Profi wird eine gewisse Bindungsphobie nachgesagt. Er testet lieber durch, um die Richtige zu finden. Spricht man den Stollenschuh-Träger dann ein halbes Jahr später auf die Frau an, die plötzlich nicht mehr zu den Spielen erscheint, so kann die Antwort lauten: „Ach, weißt Du, ich hab halt gemerkt, dass ich doch eher auf Brünette stehe. Außerdem ging’s bei der doch nur um Klamotten und sie hat echt geklammert!“
Aber zurück zu Spiel, der Abpfiff naht. Nun gehört es zum guten Ton, der Frau desTorschützen zu gratulieren: „Glückwunsch, meine Liebe, was hast du ihm denn ins Essen gemischt, der hat den Ball ja ins lange Eck gedonnert, Respekt!“ Da Eigennutz immer eine Rolle spielt, geht es bei diesen Bekundungen grundsätzlich nicht um die überragende Leistung des Mannschaftskollegens, vielmehr ist die Stimmung extrem entspannt, da eine gut informierte Spielerfrau über die Punktprämien des eigenen Gatten Bescheid weiß. Da gratuliert man gerne großzügig.
Danach gibt es noch ein paar Küsschen rechts und links, die Beteuerung, sich für das nächste Spiel am gleichen Platz zu verabreden. Und natürlich wird geklatscht und gewunken. Extrem wichtig ist es jetzt nämlich, dass alle Tribünenzuschauer mitbekommen, welcher Spieler bei der Ehrenrunde welcher Frau zugeordnet werden kann. Deshalb wird eifrig mit der Hand gewedelt. Und der Spieler sollte dies unbedingt erwidern. In den Augen einer Spielerfrau gibt es keinen Grund, das nicht zu tun, da zählen weder Eigentore noch zertrümmerte Wadenbeine. Ansonsten wird zu Hause wieder viel geredet, zu viel. Deshalb winken sie ganz brav, die Fußballprofis.
Vorheriger / nächster Artikel
|
<< Von der Kultur des Schlussmachens: Sag zum Abschied leise: Servus |
Hospitalityclubs: Die Gastfreundschaft ist garantiert – meistens… >> |
4 Kommentare
Gerade in der Sportschau gehört: Beim VfB Stuttgart gibt’s keine Spielerfrauen, sondern Spielerfamilien…
Ruth Bossart
schrieb am 1. Dezember 2007, 19:35 Uhr (Permalink zum Kommentar)sitzen dann die kids mit armani-blüschen und kenzo-höschen auch mit in den logen?
Pascal
schrieb am 2. Dezember 2007, 16:35 Uhr (Permalink zum Kommentar)Soviel Klischee auf so wenig Zeichen. Verschenkte Minuten und traurig, dass Spielerfrauen so sind.
Pascal
Camilla John
schrieb am 3. Dezember 2007, 20:28 Uhr (Permalink zum Kommentar)Klar sind das subjektive Ansichten, aber genau so beobachtet worden ;)
bin mir aber extrem sicher, dass es da auch andere Damen gibt!

David
schrieb am 1. Dezember 2007, 19:05 Uhr (Permalink zum Kommentar)