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Von der Kultur des Schlussmachens:
Sag zum Abschied leise: Servus

Von Dorothee Vohl am 30. November 2007 um 14:06 Uhr Kommentare (10)
Kategorien: Hier, Sein

Den Laufpass per SMS: Boris Becker hat es vorgemacht. Er schickte das Modell Lily K. nach zweijähriger Beziehung per short message in die Wüste. Alles andere als die feine Art, eine missliebige Frau loszuwerden.

Der kurze Prozess via Handy oder E-Mail, der eher als männliche Variante des Schlussmachens gilt, ist für so manchen, quer durch alle Generationen und Schichten, verlockend. Kein langes Gerede, keine Tränen, kein Krampf oder Kampf. Man ist schnell raus aus der Sache. Da freuen sich später eventuell nur die Therapeuten, wenn nach einer solchen Trennung der Phantomschmerz bleibt:

Verliebt - Entliebt. Das Dilemma verwächst sich auch nicht mit den Jahren. Jung wie Alt sind in der Klemme, wenn sie aus der Beklemmung einer abgelaufen Beziehung heraus wollen. Wie bitte geht das mit dem Happy End am Ende? Wer möchte nicht sein Gesicht vor sich selber wahren?

Moderne Zeiten

Foren im Internet, Ratgeber, Jugendblätter samt Experten wie Doktor Sommer, aber auch Männer- oder Frauen-Magazine widmen sich diesem Dauerbrennerthema: Trennung - gewusst - wie. Das Netz bietet Convenience-Produkte zum Runterladen wie Schlussmach-Grusskarten oder Sprüche zum Simsen. Selbst ein leibhaftiger Schlussmacher, der nur gegen Vorkasse aktiv wird und sein Franchising-Unternehmen in Deutschland und der Schweiz betreibt, kann auf Bestellung zum Schlussstrich ziehen geleast werden. Dabei bietet der Herr Trennungsvarianten vom Standard-Paket übers Schlussmach-Abo für Dauertäter bis hin zum Schlussmach-Modell-De-Luxe an. Allerdings wer möchte schon gerne so stillos angesprochen und abgehakt werden?!

Sag die Wahrheit

Scheiden tut weh, aber man kann sich immer noch entscheiden, wie das Wehtun aussehen soll. Das berühmte Ende mit Schrecken sitzt gewiss noch für eine geraume Weile in den Eingeweiden. Jedoch ist der Mut zu klaren Worten und gegen ein Versteckspiel ein echter Befreiungsschlag, der die Wege, die sich einmal gekreuzt haben, öffnet.

- Dubiose Webagentur für Verzweifelte, die ihre Beziehung nicht selber beenden mögen - Mit “Produkt-Paketen” von “Lass uns Freunde bleiben” bis “Persönlich Schlussmachen (mit unbarmherziger Gesprächsführung nach Ihrer Vorgabe”).

- Etwas besser gestylter Webdienst mit ähnlichem Angebot inklusive “Schlussmach-Abo”.

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10 Kommentare

Claris

Nun zumindest einen Vorteil hat diese stillose Art sich zu trennen: Erhält man solch eine Kurznachricht weiss man zumindest für alle Zeiten, dass der Typ den Augenaufschlag nicht wert ist. Schmerzt zwar immer noch, aber Wut hilft im Allgemeinen zumindest vorübergehend….


bluetime

das funktioniert leider nur für jene paare die nicht zusammen leben!
ansonsten sieht man sich ja abends wieder:-)…dumm gelaufen wenn er dann vor der matte steht!


rabenmutter

ich les wohl nicht richtig! gibt es echt typen, die älter als 17 sind und per sms schluss machen? bin sprachlos! da fallen mir gleich auf anhieb ein paar racheakte ein…


Will

…mir fallen übrigens wenig vernünftige Typen ein, die nach 17 überhaupt noch sms schreiben… und hier noch ein Schocker: Männer wollen in der Regel danach auch keine Freundschaft mehr aufrechterhalten. Vielleicht fällt deshalb das Schlussmachen etwas härter aus…


Mamba

Das mit der Freundschaft danach ist eh oftmals fragwürdig (jedenfalls nach der Erfahrung meiner erst 22 Jahre).
Ich meine, ich kann mit allen Ex-Freunden noch reden und mit 2en unternehme ich alle paar Monate mal was, aber nach der Trennung liessen wir uns immer mindestens 1 halbes Jahr Zeit mit dem Wiedersehen.


Dorothee Vohl

“Lass uns doch Freunde bleiben!” ist bestimmt meistens ein Pferdefuss oder reiner Selbstbetrug. Die Wunden sollten erst mal ne Chance zum Heilen bekommen, genau wie du sagst. Vielleicht geht ja auch das nicht. Das Heilen, meine ich. Dann wechselt man eben besser die Straßenseite, wenn´s möglich ist.


Simone Eppler

Es gibt sicherlich noch falschere Wege zum Schlussmachen, als dies schriftlich zu erledigen. Fliegender Wechsel ist einer, einfach abzutauchen ein anderer. Mal ehrlich, was ist schon schön, wenn es um dieses Thema geht?

Ich bin nach wie vor für den üblichen Weg: hinsetzen, reden und vielleicht Rotz und Wasser heulen oder sich gegenseitig anschreien, je nach Gusto. So erleidet meiner Meinung nach das Ego die kleinsten Schäden. Und worum geht’s dabei sonst als einfach um die gute, alte Schadensbegrenzung? ;)


Nathalie Sassine

Genau! Ausser dass Männer unter Schadensbegrenzung meist “Ich sag lieber nichts, dann kann man mir auch nichts vorwerfen” verstehen. Frauen hingegen kotzen sich am gegenüber aus, so dass der damit fertig werden muss. Eine für beide Seiten “schöne” Art Schluss zu machen gibt es wahrscheinlich wirklich nicht.


Betterworld

Es ist ja nicht der letzte Tag einer Beziehung, der am meisten schmerzt, sondern die Monate und Wochen davor, in denen man Enttäuschungen anhäuft und Rettungsversuche unternimmt, die aber nicht fruchten. Irgendwann stellt man dann fest, dass man auf einem ganzen Scherbenhaufen steht. Das ist ein trauriger Moment, denn meistens kann man ja nicht rekonstruieren, wann genau es angefangen hat, das Auseinanderbrechen. Selbst wenn die Trennung folglich lediglich die Konsequenz einer gescheiterten Beziehung ist, zu der ja immer beide Partner beitragen, braucht es Mut, den Schritt des Schlussmachens zu vollziehen. Davor habe ich Respekt und der Stil ist dabei fast nebensächlich.


Dorothee Vohl

Ob das Prinzip “Und nach mir die Sintflut!” tatsächlich der direkte Weg in eine bessere Welt ist, scheint mir ehrlich gesagt, keinen Versuch wert.


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